Einkaufstipps vom Fachmann

Auf der Suche nach dem fair gefangenen Fisch

Einkaufstipps vom Fachmann: Auf der Suche nach dem fair gefangenen Fisch Einkaufstipps vom Fachmann: Auf der Suche nach dem fair gefangenen Fisch Foto: Düsseldorf geht aus!
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Die Meere sind überfischt, industrielle Fangflotten ziehen mit ihren riesigen Netzen massenhaft Beifang wie Wale, Delfine oder Schildkröten an Bord, und Zuchtfisch aus den oftmals überdüngten Gewässern von Aquakulturen ist nicht selten durch Antibiotika verseucht – angesichts solcher Horrormeldungen kann einem der Appetit auf Seafood schon mal vergehen. Gibt es für Fischliebhaber einen Ausweg aus diesem Dilemma? Wie kommt ein Verbraucher an Fische und Meeresfrüchte, die nachhaltig gefangen oder gezüchtet wurden und die man mit reinem Gewissen genießen kann? Möglichkeiten gibt es, aber einfach ist es nicht.

Ethischer Konsum ist eines der Top-Themen unserer Zeit, nachhaltig produzierte Nahrungsmittel werden immer beliebter. Brot kauft man beim Bio-Bäcker, Eier von glücklichen, freilaufenden Hühnern und mancher Stadtmensch setzt sich für ein ordentliches Steak hinters Steuer und fährt zum nächsten Bauernhof, wo die Rinder ein artgerechtes Leben auf der Weide führten. Wer es sich leisten kann und will, greift zu Produkten mit Bio-Siegel, und dass regionale Lebensmittel eine bessere Öko-Bilanz aufweisen, hat sich inzwischen ebenfalls herumgesprochen. Also kaufen nachhaltig agierende Konsumenten Erdbeeren nicht im Winter und Äpfel lieber von heimischen Obstwiesen als aus Neuseeland. Wer sich Gedanken darüber macht, was genau auf seinen Teller kommt und dort möglichst viel Bio, Fair Trade und Regionales sehen will, kann aus dem Vollen schöpfen – bei Getränken und Milchprodukten, Eiern und Fleisch, Obst und Gemüse. Aber bei Fisch? Da sieht die Sache völlig anders aus.

Wilder Fisch ist niemals „bio“

„Bio“ kann ein Lebensmittel nur sein, wenn sein Herstellungsprozess der permanenten Kontrolle des Menschen unterliegt – schließlich muss überprüfbar sein, ob das Produkt die zuvor definierten Kriterien erfüllt. Beim ökologischen Landbau sind umweltschonende Arbeitsweisen vorgeschrieben und es gibt Richtlinien bezüglich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Gentechnik. Die ökologische Viehzucht hat strenge Auflagen hinsichtlich der artgerechten Haltung der Tiere und der Futtermittel. Aber einen wild lebenden Fisch, der durch die Weltmeere schwimmt, kann niemand kontrollieren. Unmöglich zu überwachen, was der im Laufe seines Lebens frisst, geschweige denn zu verhindern, dass er sich in Regionen mit schlechter Wasserqualität tummelt. Die Einflussmöglichkeiten des Menschen beschränken sich darauf, wie viele Exemplare welcher Fischart er aus dem Wasser holt, in welcher Meeresregion und mit welcher Fangmethode. Die Rolle, die das Thema Nachhaltigkeit dabei spielt, ist noch gering, aber sie wird zunehmend wichtiger.

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Denn die Fakten zum Zustand der Meere sind in der Tat alarmierend. Weil mehr Tiere aus dem Wasser gezogen werden, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen können, schrumpfen die Fischbestände dramatisch. Industrielle Fangflotten verwenden Schleppnetze mit einer Gesamtlänge von meist 1.500 Metern, die Öffnungen sind bis zu 70 Meter hoch und 120 Meter breit. Derart effektive Fangmethoden bleiben nicht folgenlos: Die Welternährungsorganisation schätzt, dass mehr als die Hälfte der Speisefischbestände weltweit bis an die Grenze genutzt und ein Drittel überfischt oder erschöpft sind.
Die offizielle Empfehlung von Greenpeace zu diesem Thema lautet: „Essen Sie weniger Fisch, und wenn, treffen Sie die richtige Wahl.“ Einige Düsseldorfer Gastronomen nehmen sich solche Ratschläge zu Herzen, so haben etwa das Olio und das Em brass bedrohten Thunfisch von der Karte genommen. Doch wie macht man das: die richtige Wahl treffen? Wie kann der Fischliebhaber im Restaurant, vor der Tiefkühltruhe im Supermarkt oder beim Fischhändler an der Theke nachhaltiges von nicht-nachhaltigem Seafood unterscheiden?

Um Verbrauchern die Orientierung zu erleichtern, hat Greenpeace einen Einkaufsratgeber veröffentlicht, kostenlos zu bestellen über die Homepage der Umweltorganisation. Das kleine Leporello im Scheckkartenformat passt problemlos ins Portemonnaie und kann zu jedem Einkauf mitgenommen werden. Aber wer den Leitfaden ernsthaft zurate zieht, darf praktisch nichts mehr essen: Greenpeace empfiehlt den Verzehr von gerade mal fünf Fischarten – Forelle, Hering, Karpfen, Makrele und Zander. Alle anderen Sorten, darunter so beliebte Köstlichkeiten wie Dorade, Kabeljau, Lachs, Scholle, Seeteufel, Seezunge, Sepia oder Thunfisch, sind laut Greenpeace nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswert.

Quelle: Düsseldorf geht aus!