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Kein Fleisch ist auch keine Lösung

Bücher zum Thema: Kein Fleisch ist auch keine Lösung Bücher zum Thema: Kein Fleisch ist auch keine Lösung Foto: Verlage

„Luxus, das heißt wohl heute eher, ethisch vernünftig zu essen“, antwortet Peter Nöthel unter anderem auf die Frage, wie sich die (Sterne-)Küche in Zukunft entwickeln wird. Das muss nicht bedeuten, dass wir ganz auf Fleisch verzichten müssen. Nur auf die Hälfte unseres Fleischverzehrs. Meint zumindest die Buchautorin Theresa Bäuerlein. Eine nachvollziehbare These. Und unser Fleisch sollten wir uns besser beim Bauern in der Region besorgen.

„In zehn Jahren werden wir wieder alle so kochen und essen wie vor 30, 40 Jahren: fisch- und fleischloser nämlich, weil wir uns nicht mehr so aussuchen können, was wir kochen und essen wollen. Fische, Schafe, Kühe, Schweine kann man schließlich nicht grenzenlos hochziehen. Aber das ist eine herrliche Herausforderung für uns Köche: Wir können unserer Kreativität in Sachen proteinloser Küche freien Lauf lassen. Gemüse und Kräuter werden eine noch viel größere Rolle spielen als heute…“ Das antwortete Roman Jasper, Inhaber der Bar Olio und kreativer, trendsetzender Koch, als wir im Jahre 2001 unsere zehnte Ausgabe von "Düsseldorf geht aus!" veröffentlichten und mehrere Köche nach der Zukunft der (Düsseldorfer) Gastronomie befragten.

Hat sich seine Prognose bewahrheitet? Nein, wir essen sicher immer noch nicht so wie vor 30, 40 Jahren. Das würde bedeuten, dass wir in der Regel nur ungefähr einmal in der Woche ein richtiges Stück Fleisch verzehrten und dafür wesentlich mehr Geld bezahlen müssten als heute. Und ob man Fische, Schafe, Kühe und Schweine nicht doch grenzenlos hochziehen kann, würden zumindest die Befürworter einer noch weiter zu intensivierenden „Landwirtschaft“ bezweifeln. Es soll Wissenschaftler geben, die „Nutztiere“ in noch kürzerer Zeit zu noch mehr Fleisch liefernden Kreaturen machen wollen; andere wollen Tiere ohne Schmerzempfinden züchten. Die Schlachtfrequenz soll noch weiter erhöht werden, was auch die Fehlerquote bei der Betäubung und damit die Qual der Tiere erhöht.

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Andererseits wächst die Anzahl der Menschen, die sich bewusster mit dem Thema Ernährung vor dem Hintergrund industrieller Massenproduktion auseinandersetzen. Alternativ versucht man, aus Stammzellen künstliches In-Vitro-Fleisch herzustellen, das durch Stromstöße die Konsistenz trainierter Muskeln erhalten soll – brrrr. Und auch unsere lieben Leser haben sich als Besseresser sicher schon den einen oder anderen Gedanken darüber gemacht, wie einige Leserbriefe, die wir im letzten Jahr erhielten, belegen.

Gedanken, die wir alle, auch wir bewussteren Genießer, dennoch immer wieder gern und schnell verdrängen. Erinnern man sich an den Film „We feed the World“ und die süßen kleinen Küken, die im Schredder landen (jedes Jahr werden laut Tierschutzbund in der EU rund 280 Millionen Küken getötet und vernichtet, in Deutschland 45 Millionen; die Eier produzierende Industrie hat für sie keine Verwendung). Der war 2006 in den Kinos; angeklagt hat er die ökologisch und ethisch rücksichtslose Ökonomie der Nahrungsmittel-Großkonzerne (73 Prozent des Getreideweltmarktes werden von vier Konzernen kontrolliert), bewirkt hat er vielleicht ein bisschen mehr Bewusstsein. Immerhin: Publikationen wie Jonathan Safran Foers „Tiere essen“, das vergangenen Sommer in deutscher Übersetzung erschien und in dem der Bestseller-Autor („Alles ist erleuchtet“) unter anderem eindringlich die Grausamkeiten sowie die ökologischen Folgen der amerikanischen Fleischproduktion schildert, verkaufte sich allein hierzulande bisher 150.000 Mal. Foer fordert sogar dass Menschen, die Tiere essen, ALLE Tiere essen sollten, und liefert ein Rezept für die Zubereitung von Hund gleich mit (natürlich würde auch er seinen Hund nicht essen, gibt er später zu).

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Mark Zuckerbergs (er begründete das Social Network Facebook) Behauptung, er esse nur noch Tiere, die er selber getötet habe, sorgte im Frühjahr 2011 für Schlagzeilen und Wind unter den Segeln der Vegetarier aller Länder. In ihrer humorvollen Selbstversuchsbeschreibung „Anständig essen“, im Januar 2011 erschienen, erzählt die deutsche Romanautorin Karen Duve („Taxi“), wie es ihr als ehemaliger Fast-Food- und TK-Kost-Konsumentin in Versuchsphasen als Vegetarierin, Veganerin, ja sogar Fruktarierin ergangen ist – und von ihrer stets präsenten Lust auf Hühnchen, Steak und Bratwürstchen, die sie mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann. Heute verzichtet sie, genau wie Foer, grundsätzlich auf Fleisch.

Kein Fleisch essen, ist auch keine Lösung

Auch keine Lösung, sagt Theresa Bäuerlein, die in ihrem Buch „Fleisch essen, Tiere lieben“ (Untertitel: Wo Vegetarier sich irren und was Fleischesser besser machen können), das im April 2011 erschien, nachweist, dass die industrielle Getreide- und Sojaproduktion Mensch, Tier und Umwelt ebenso schadet wie die Massentierhaltung. Sehr schön deutlich macht sie das am Beispiel einer vegetarischen Bolognese-Sauce, „deren Grundlage eine Sojapflanze ist, die in einer riesigen Monokultur gewachsen ist, inklusive Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden und mineralischem Dünger. Und die dann von einem Ende der Welt ans andere verschifft wurde, um schließlich unter hohem Energieaufwand und unter Einsatz eines starken Umweltgifts in einen texturierten Fleischersatz verwandelt zu werden.“ (Mal ganz abgesehen davon, dass Vegetarier, die noch Eier und Milchprodukte essen, zumindest ethisch-moralisch auch nicht aus dem Schneider sind, denn Milchkühen und Hennen ergeht es bekanntlich nicht besser als Schlachtvieh.)

Selbst ehemals überzeugte und missionierende Vegetarierin (seit Paul McCartney ihr, wie sie schreibt, in ihrem zwölften Lebensjahr „die kulinarische Unschuld raubte“), lässt Bäuerlein heute Argumente „Mit dem, was die Rinder fressen, könnte man die Hungernden der Welt satt machen“ nicht gelten, denn Rinder fressen eigentlich kein Getreide, sie vertragen es nicht einmal. Kühe und Rinder müssen Gras futtern, das wir Menschen wiederum nicht vertragen. Wenn Kühe und Rinder Gras fressen statt Kraftfutter aus Weizen und Soja oder gar Tiermehl, dann stoßen sie erheblich weniger des die Ozonschicht zerstörenden Methans aus. Und sie machen etwas, was für die Menschen unverträglich ist – Gras –, zu etwas für den Menschen Genießbares: Fleisch und Milch: „Rinder und Schafe können Gras in Fleisch verwandeln und Schweine bringen den gleichen Trick mit Abfall fertig. Und Hühner picken sowieso alles auf, was sie in ihre Schnäbel bekommen können. Nebenbei produzieren sie kostenlosen Dünger“.

Quelle: Düsseldorf geht aus!