Fine Dining in Düsseldorf

Fritz’s Frau Franzi - Erbsen zum Dessert

Fine Dining in Düsseldorf: Fritz’s Frau Franzi - Erbsen zum Dessert Fine Dining in Düsseldorf: Fritz’s Frau Franzi - Erbsen zum Dessert Foto: Düsseldorf geht aus!

Das Boutique-Hotel The Fritz hat 2016 eröffnet, und gerade mal ein Jahr später, also nahezu aus dem Stand, bekam Küchenchef Benjamin Kriegel im hauseigenen Restaurant Fritz’s Frau Franzi einen Stern. Mit Sterneküche kennt Kriegel sich aus, zuvor war er unter anderem SousChef im Victorian, aber seine neue Wirkungsstätte ist eine komplett andere Nummer.

Wo das Victorian in nahezu allen Aspekten dem Klischee eines elitären Sternerestaurants entsprach – vom Ambiente über den Service bis hin zum Publikum –, verkörpert das Fritz’s Frau Franzi so ziemlich das Gegenteil: Es zeigt sich jung, niederschwellig, ungezwungen, modern.

Das fängt schon beim lustigen zungenbrecherischen Namen an, geht über das Interieur-Design, das absolut State of the Art ist (allein diese spektakuläre, sehr instagrammable Gewächshaus-Blumen-Dekoration, die sich über die gesamte rückwärtige Wand erstreckt!) und hört bei der Personalkleidung noch lange nicht auf: Die männlichen Servicekräfte tragen weißes Hemd, helle Leinenweste, marineblaue Chinos, weiße Sneaker und sehen so aus, als würden sie gleich in irgendeinem Mittelmeerhafen zu einem Segeltörn aufbrechen.

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In der offenen Küche arbeiten die Köche in einer fast kontemplativen Atmosphäre – wie bei einem gut geschmierten Uhrwerk läuft nahezu alles wort- und geräuschlos ab. Wir können uns kaum daran sattsehen, wie sie am Pass, der wie ein großes Schaufenster die Küche mit dem Gastraum verbindet, mit der Pinzette Zutaten auf Tellern anrichten, Stäubchen darüber pudern, Bilder und Muster mit Saucen malen. Man möchte jedem, der mit Sternenküche nichts anfangen kann, eine Stunde vor diesen Pass gönnen: Hier wird man Zeuge, wie wahre Kunstwerke entstehen!

Die sympathische Gastgeberin Ramona Leinweber berät uns geduldig und ausführlich in puncto Wein, und nach verschiedenen Probierschlückchen fällt unsere Wahl auf einen biologischen Grünen Veltliner Reserve vom Weingut Groiss (Flasche 46 Euro) – ein toller, mineralisch-würziger Tropfen. Ohne viel Aufheben wird zum Einstieg knuspriges Brot in einer Papiertüte serviert, umso dekorativer wirkt das Schälchen mit Salzbutter, die in Form luftig-lockerer Fäden aufgetürmt ist. Die Speisekarte macht keine Unterschiede zwischen Vor- und Hauptspeisen, sondern ist nach Produkten gegliedert, etwa Fisch („Wasserstoff“), Fleisch („Landpartie“) oder Vegetarisches („Gemüsegarten“).

Sämtliche Gerichte liegen um die 20-Euro-Marke – erstaunlich günstig für ein Restaurant dieses Niveaus. Natürlich kann man auch ein Menü bestellen: sechs Gänge für 108 Euro, fünf für 96 Euro oder ein 4-Gang-Menü für 78 Euro, für das wir uns entscheiden. Als Gruß aus der Küche gibt es „Kraut und Rüben“: In einem Weckglas serviert man uns gestiefelte gelbe, rohe Rüben und Spitzkohlstreifen in fermentiertem Möhrensaft, verfeinert durch Koriandermajo, die dem Ensemble eine asiatische Note verleiht, gekrönt von knusprig- krachenden, ausgebackenen Glasnudeln. Ein ganz feines, vegetarisches Amuse – das ist doch mal was anderes!

Das Menü startet mit „Hardcore Ikejime Forelle“ – will sagen: Der Fisch ist nach der japanischen Ike-Jime-Methode getötet worden, die schnell und respektvoll vonstatten geht und eine deutlich bessere Fleischqualität zur Folge hat. Der Teller ist atemberaubend schön komponiert, als habe man einen glasklaren Fischteich en miniature nachgebaut: ein kreisrunder Saucenspiegel aus geräucherter Vinaigrette ahmt das Wasser nach, winzige Frühlingszwiebelringe, orangener Forellenkaviar und gelbe Senfkügelchen wirken darin wie kleine Kiesel in einem Flußbett, das Ensemble wird umschlossen von einem Meerrettichcremering, der mit gepufften weißen Minikörnern verziert ist. Und in der Mitte des Ganzen erhebt sich eine Insel aus unfassbar zartem, lauwarmem Forellenfilet mit feinen Räucheraromen und fast durchscheinend dünn gehobelten marinierten Rettich- und Radieschenscheiben. Sagenhaft gut.

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Und genauso geht es weiter: Als nächstes landet ein gebratenes Filet und geräuchertes Bäckchen vom dänischen Seeteufel bei uns an, die in einer schaumigen, milchkaffeefarbenen Pulpo-Mousseline ruhen, begleitet von butterzarten Pulpostückchen und -ärmchen. Daneben ist bildschönes Gemüse drapiert: grüne, knackig-krachende Spargelstangen und Kartoffelpüree wechseln sich in einem frühlingsfrischen Streifenmuster ab.

Nach zweimal Wasserstoff geht’s im dritten Gang auf zur Landpartie: Zu einem gebratenen, auf der Zunge zergehenden Rückenstück vom Eifeler Lamm sowie saftigem, glasiertem Bauch werden Auberginenpüree, frittierte Rucolablättchen, Böhnchen, Bulgur und unfassbar aromatische Morcheln serviert, die mit Leber gefüllt sind. Als verbindendes Element fungiert eine dunkelbraune Jus mit Piment d’Espelette – schlichtweg zum Reinknien.

Auch das Dessert ist fast zu schön, um es aufzuessen: In Zuckerkruste gebackene Rhabarberstückchen, Erbsen (!), eine Nocke Buttermilcheis, Estragon, Sauerklee sowie verschiedene giftgrüne und schokoladenbraune Stäubchen und Pülverchen ergeben eine wahre Frühlingsexplosion auf dem Teller, die Jackson Pollock alle Ehre gemacht hätte. Was uns optisch schlichtweg umhaut, passt auch geschmacklich verblüffend gut – ein perfekt austariertes Süße-Säure-Spiel, wobei die Erbsen als neutralisierende Ruhepole wirken.

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Und last but not least gibt es zum sehr guten Espresso noch für jeden drei süße Schokopops am Stiel: Die tischtennisballgroßen Pralinenbömbchen aus weißer, Vollmilch- und Zartbitter-Schokolade stecken in einer lockeren Nusskrokantpaste und sind mit verschiedenen erfrischend-kühlen Cremes gefüllt. Einfach wow. Wer wissen will, wie Kochkunst heute schmeckt, ist bei Fritz’s Frau Franzi an der richtigen Adresse.

Info, Kontakt und Adresse

Fritz's Frau Franzi in der Adersstr. 8, Friedrichstadt
Telefon 0211/ 37 07 50
Homepage
Öffnungszeiten Di-Sa 12-14 & 18-22.30 Uhr, Mo & So geschlossen
Zahlungsmöglichkeiten EC/AE/MASTER/VISA M V
Preise: HG 18-25 Euro, Menü 78-108 Euro
Online-Reservierung möglich
FINE DINING RANG 2

Das Team von "Düsseldorf geht aus!" testet anonym und aktuell. Die Tester geben sich nicht zu erkennen und zahlen ihre Rechnung selbst.

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