Besser ausgebildet als je zuvor

Junge Winzer, kluge Köpfe

Besser ausgebildet als je zuvor : Junge Winzer, kluge Köpfe Besser ausgebildet als je zuvor : Junge Winzer, kluge Köpfe Foto: Düsseldorf geht aus!
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Deutschlands junge Winzer sind heute besser ausgebildet als je zuvor in der Geschichte des Weinbaus, weit gereist und ziemlich ideenreich. Nur eines sind sie nicht: revolutionär bloß um der Revolution willen. Der Qualität ihrer Weine kommt dieses Augenmaß zugute.

Toni Müller - Jungwinzer? Jüngstwinzer!

Genau so stellt sich der Weintrinker von der Straße doch ein angesagtes Jungwinzer-Unternehmen vor. Eine schicke Facebook-Seite, Flaschen mit Schraubverschluss statt Korken, selbstverständliche Teilnahme an coolen Weinpartys in halb Deutschland. Andererseits: Ganz verzichten auf Tradition will man im fränkischen Volkach auch nicht. Weil es ganz früher ein anderes Weingut mit gleichem Namen gab, wurde die „I“ zur Unterscheidung angehängt; der Kollege firmierte lange unter der Nummer „II“, benannte sich aber irgendwann um. Notwendig wäre die Unterscheidung heute also nicht mehr, doch weil sich jeder dran gewöhnt hat, bleibt es dabei. Es muss ja schließlich nicht alles geändert werden, was geändert werden könnte! Aber ausprobieren wird man ja noch dürfen.

Junge Winzer Toni Müller DGA (image/png) Jüngstwinzer Toni Müller.

Im Weingut Max Müller I bekam der Nachwuchs früher als in vielen anderen Unternehmen die Möglichkeiten, eigene Vorstellungen umzusetzen. Jungwinzer Christian, 26, hat schon selbst Trauben vinifizieren können, Jüngstwinzer Toni, erst 22 Jahre, erhielt die gleiche Chance. „Papa war sehr großzügig“, lobt der Student der Weinbauhochschule Geisenheim. Toni wurde ein eigener Weinberg zugeteilt, er durfte losexperimentieren, ohne dass ihm einer ins Handwerk pfuschte. Herausgekommen ist ein Riesling, der sich deutlich von dem unterscheidet, was sonst bei den Müllers vermarktet wird, der aber auch anders schmeckt als des Bruders Gesellenstück.

Während Christian auf einen im Holzfass ausgebauten Silvaner setzte, orientierte sich Toni an dem, was er in seinem Lehrbetrieb an der Nahe erfahren hatte. „Ausgebaut wird reduktiv im Edelstahl.“ Gelesen wird in der steilen Lage im Volkacher Ratsherr zudem mit zwei Eimern – in die einen kommen die gesunden, für den eigenen Wein bestimmten Trauben, in die anderen jene mit Edelfäule, welche anderweitig Verwendung finden. Puristisch soll es werden, klar und so geradlinig wie möglich. Der erste Toni-Müller-Tropfen wurde aus dem Jahrgang 2011 produziert, des Studiums halber vor allem an den Wochenenden und in den Semesterferien.

Und obwohl die professionellen Verkoster mit dem Erstling hochzufrieden waren – der Wein erreichte einen Spitzenplatz beim renommierten Wettbewerb „Best of Riesling“ –, will sich Toni Müller nicht ins gemachte Nest hocken, sondern erst mal weiterlernen. „Ich würde gern noch mal ins Ausland gehen.“ Nach Neuseeland vielleicht, auch Kalifornien könnte er sich gut vorstellen. An eine Übernahme des Weingutes in Volkach, zusammen mit Bruder Christian, denkt Müller junior aber keine Sekunde. „Papa ist ja noch nicht so alt, der macht das schon noch ein paar Jahre.“ Stimmt. Und wie! Fast scheint es, als sei der Senior durch die hausinterne Konkurrenz motivierter denn je. Die Weinführer überschlagen sich mit schmeichelnden Bewertungen, Kritiker jubeln. Das System aus Alt-, Jung- und Jüngstwinzer sollten sie sich patentieren lassen, die Müllers mit der „I“.

  • Deine Lieblingsrebsorte? Riesling.
  • Trocken oder süß? Trocken, aber zu gewissen Anlässen und Speisen gerne auch restsüß.
  • Winzervorbild? Meine beiden Lehrherren Tim Fröhlich, Weingut Schäfer-Fröhlich an der Nahe, und Philipp Kuhn, Pfalz.
  • In welcher Gegend würdest du sonst gern arbeiten? Eigentlich bin ich komplett bodenständig, aber Neuseeland wäre schon sehr reizvoll.
  • Deine schönste Speise-Wein-Kombination der letzten zwölf Monate? Grüner Veltliner Smaragd von Emmerich Knoll (Anmerkung der Redaktion: berühmter Winzer aus der Wachau) zum Saibling – bei Bobby Breuer in der BMW Welt München vor zwei Wochen.

Toni Müller
Weingut Max Müller I
www.max-mueller.de
Volkach, Hauptstr. 46,
Tel. 093/811218

Quelle: Düsseldorf geht aus!