Achim Spyra im Interview

"Können nicht das Klo der Altstadt sein"

Achim Spyra im Interview: "Können nicht das Klo der Altstadt sein" Achim Spyra im Interview: "Können nicht das Klo der Altstadt sein" Foto: Andreas Bretz
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Das Kultur-Café im KIT am Düsseldorfer Rheinufer hat seit längerer Zeit ein dringendes Problem: Etliche Rhein-Besucher nutzen die Toiletten, aber nicht die Gastronomie.

Seit neun Jahren führt Achim Spyra das Café im Kunst im Tunnel (KIT). Hier gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen, das Museumscafé ist auch ein Hotspot für Live-Musik – mit langen Öffnungszeiten. In Rheinlage am Mannesmannufer ist das KIT-Café so zum Anlaufpunkt für Besucher geworden, die dort nur eines wollen: auf Toilette gehen. Und das wird immer mehr zum Problem, sagt der Wirt.

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Wenn ich am Rhein unterwegs bin, zur Toilette muss und am KIT vorbeikomme – darf ich dann in Ihrem Café vorbeischauen?

ACHIM SPYRA Das durften Sie früher. Das haben wir so gehandhabt, als wir hier alleine waren, und die vielen Besucher der Promenade überhaupt keine andere Möglichkeit hatten.

Seit wann ist das ein Problem?

SPYRA Mit der Eröffnung des Stadtstrands ist leider das eingetreten, was wir befürchtet hatten: Das Problem hat sich für uns vergrößert. 2019 sind viele Besucher der Rasengastronomie einfach weiter zu uns gekommen, weil die Toiletten dort nicht ausreichend kommuniziert waren.

Die öffentlichen Toiletten in der Nähe wurden um 21 Uhr geschlossen. Ganz praktisch hat das für uns bedeutet: Jeden Montag musste eine Sanitärfirma vorbeikommen und die Abflussrohre reinigen. Deshalb haben wir Oberbürgermeister Thomas Geisel vor zwei Jahren einen Brief mit der Bitte geschrieben, sich diesem Problem anzunehmen.

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Warum hat sich die Situation nun weiter verschlimmert?

SPYRA Durch die zusätzliche Verkaufsstelle sind wir zur Außenstation der Altstadt geworden. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen müssen wir aber darauf achten, dass die Menschen Abstand halten und sich registrieren. Das ist kompliziert genug und nur bei den Gästen des Cafés möglich.

Das heißt, wir müssen alle im Auge behalten, die das Café betreten und auf die Abstände und Regeln hinweisen. Manche Personen wollen das nicht wahrhaben, täuschen vor, sie seien Gäste, und diskutieren lautstark, werden ausfallend, beleidigend und versuchen sogar, sich den Zugang zu den Toiletten handgreiflich zu erzwingen.

Welche Folgen hat das für sie?

SPYRA Wir haben Einschränkungen dadurch im Betrieb. Die Fremdpinkler müssen mitten durch das Café, um zu den Toiletten zu gelangen, durch das Herz unserer Gastronomie. Das ist auch für die zahlenden Café-Gäste an den Tischen unangenehm. Sie werden dann damit behelligt, wenn wir mit den Toiletten-Besuchern diskutieren. Das können wir nicht mehr akzeptieren. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Toiletten vom KIT einladender sind als Container. Aus Platzgründen können hier aber nicht alle auf Toilette gehen. Wir können nicht das Klo für die erweiterte Altstadt sein.

Warum trifft es gerade Ihr Café?

SPYRA Das liegt an den fehlenden Alternativen. Gerade bei gutem Wetter sind viele Leute am Rheinufer unterwegs. Hinter der Rheinkniebrücke gibt es eine öffentliche Toilette, die ist aber recht weit weg. Und am Stadtstrand gibt es Toiletten-Container, die schließen teilweise früher, als dort Getränke verkauft werden. In ihrer Not kommen die Leute dann zu uns. Inzwischen ist auch das Wildpinkeln derart verbreitet, dass viele Häuser in der Nachbarschaft inklusive das Gebäude des KIT an einigen Stellen unangenehm riechen.

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Wie gehen Sie damit um?

SPYRA Wir haben zwar Schilder aufgehängt, dass die Toilettennutzung wegen Corona derzeit nur Café-Gästen vorbehalten ist. Daran halten sich aber die Wenigsten. Wir gehen auf die Leute zu und sprechen mit ihnen, was aber immer wieder zu Auseinandersetzungen führt. Das einzige, was helfen würde, wären mehr Toiletten am Rheinufer.

Woran hapert es?

SPYRA Die Verantwortlichen der Stadt müssen einsehen, dass es nicht genügt, immer neue Gastronomie-Angebote zu schaffen. Das ist an dieser Stelle, am Mannesmannufer, kontraproduktiv. Der Stadtstrand wurde vor zwei Jahren politisch durchgesetzt. Im Ausschreibungstext ist explizit vermerkt worden, das wir als KIT-Café keine Nachteile haben sollen. Die Praxis sieht aber anders aus.

Wo es in Rhein-Nähe öffentliche Toiletten gibt

Öffentliche barrierefreie Toiletten Burgplatz 3, Carlsplatz/Ecke Berger Straße, Josef-Beuys-Ufer/Reuterkaserne, Mannesmannufer/Nähe Rheinkniebrücke, Moselstraße/Nähe Landtag, Robert-Lehr-Ufer vor der Abfahrtsrampe zum Rheinuferparkplatz

Nette Toilette Händler oder Gastronomen können sich an der Aktion beteiligen und ihre Toilette kostenlos zur öffentlichen Nutzung bereitstellen. Dafür erhalten sie vom städtischen Amt für Gebäudemanagement eine monatliche Aufwandsentschädigung zwischen 100 und 150 Euro. Die Standorte findet man in der App „Die nette Toilette“.

Besserung in drei Jahren Um die Gastronomie im KIT zu entlasten, sind laut Stadtverwaltung neue Toilettenanlagen geplant. Die sollen direkt am Mannesmannufer, in der Nähe des Apollo-Varietés entstehen – allerdings ist die Umsetzung erst für 2023 geplant, da der Bau der WC-Anlagen ausgeschrieben werden muss.

Toilettenkonzept Die neuen Klos sind Teil des städtischen Toilettenkonzepts. Das sieht vor, die Zahl der öffentlichen WC-Anlagen in Düsseldorf von 112 auf 200 zu erhöhen. Diese sollen zum Beispiel an Park-and-Ride-Parkplätzen, Friedhöfen oder Supermärkten entstehen, vor allem aber an stark frequentierten Plätzen wie Wochenmärkten und Spielplätzen sowie an Orten, die von Besuchern besonders intensiv genutzt werden. Dazu gehören Grünanlagen wie der Hofgarten und der Südpark oder touristische Ziele wie das Stadtzentrum.

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Quelle: RP