Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf

Ai Weiweis großes Menschheitsgemälde

Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: Ai Weiweis großes Menschheitsgemälde Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: Ai Weiweis großes Menschheitsgemälde Foto: Andreas Endermann
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In beiden Häusern der Kunstsammlung NRW ist die größte Ausstellung aufgebaut, die der chinesische Dissident Ai Weiwei jemals gab. 100 Millionen Sonnenblumenkerne aus Porzellan und 164 Tonnen Eisen aus einem Erdbebengebiet sind unter anderem zu sehen.

Ai Weiwei hat tausende Kleidungsstücke in Idomeni gesammelt. Er hat bunte Babystrampler, Jeans und Regenjacken gereinigt, geflickt, sortiert, etikettiert und fein­säuberlich auf Bügel gehängt. Wie in einer Reinigung präsentiert der chinesische Künstler diese Flüchtlingshinterlassenschaften in einer traumatischen Installation, die er „Laundromat“ nennt.

Wer in den Museumsraum des Ständehauses hinabsteigt, landet mitten drin – im Menschheitsdrama, in der Kunst und in der neuen, bisher und wahrscheinlich jemals größten Ausstellung des Chinesen, die am Samstag in der Kunstsammlung NRW eröffnet wird.

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Massen und Mengen prägen neben Reihung und Ordnung die großen Arbeiten von Ai, die erstmals alle zugleich gezeigt werden können, da die Kunstsammlung über die entsprechend großen Hallen verfügt. Auch Qualität des Mate­rials und Handwerk sind entscheidend.

164 Tonnen wiegen die Armierungseisen, die geborgen und geradegebogen wurden. Man hat sie in Holzkisten gepackt und in der Grabbehalle ausgebreitet. Diese Kisten, in denen sie erstmals gezeigt werden, erinnern an Särge und an ein Erdbeben in der Provinz Sichuan, das vor elf Jahren 70.000 Menschenleben forderte, darunter 5000 Schulkinder.

Ai hatte damals eine Bürgerinitiative gegründet, um herauszufinden, ob es Pfusch am Bau gegeben hatte und warum die Regierung dies vertuschen wollte. In dieser Zeit wurde er zum ersten Mal festgenommen, ein Beamter schlug ihm auf den Kopf. Sein Blog wurde gesperrt. In der Halle liegen nun diese stummen Zeugen. „Straight“ heißt die Bodeninstallation mit 142 Kisten voller Armierungseisen, an den Wänden sind die Namen der toten Kinder zu lesen.

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100 Millionen Sonnenblumenkerne aus Porzellan, handgefertigt und handbemalt, bilden ein weiteres Ensemble auf 650 Quadratmetern. Wie hingeworfen, ausgestreut liegen sie da. Das karge Feld kann symbolisch für einen Staat verstanden werden. Für das Volk der Chinesen, die sich wie die Sonnenblumen nach ihrem Führer Mao Zedong ausrichten mussten, der in der Staatspropaganda als Sonne dargestellt wurde.

Weniger Einzelteile, doch umso mehr persönliche Tiefe und Eindringlichkeit besitzt die im K 21 aufgebaute Arbeit von Ai, in der sein Leben als Häftling, der er 81 Tage lang war, nachgestellt wurde. Aus der Erinnerung hat Ai in sechs Stahlboxen Szenen seiner Haft nachgebaut, naturgetreu mit allen Details der Innenräume und halblebensgroß nachgebildeten Figuren seiner selbst und seiner ständigen Bewacher. Durch ein Guckloch schaut man in die Boxen von S.A.C.R.E.D. hinein und erfährt von seinem menschenunwürdigen Häftlingsalltag im Jahr 2011.

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Jede Arbeit in dieser in zwei Häusern aufgebauten Ausstellung trägt autobiografische Züge des politischen Künstlers, der auch Architekt ist, Autor, Filmemacher. Der zu seiner Arbeitsweise sagt: „Alles ist Kunst. Alles ist Politik.“ Der von vielen geschätzt, von wenigen nicht wirklich anerkannt wird. Nun erhält man im Blick auf diese Übersicht aus vier Jahrzehnten einen plastischen Eindruck davon, was den bald 62-Jährigen antreibt zu seinem Oeuvre.

Ihn beschäftigt das Verhältnis von Individualität und Gesellschaft, die Humanität, die globale Flüchtlingskrise und der Erhalt der Meinungsfreiheit. Deutschland ist für ihn ein starkes Land, in dem Argumente noch offen ausgetauscht werden können. Eine Professur und seine neue Heimat in Berlin hat er Deutschland zu verdanken, sagt er. Ebenso die großen Ausstellungen seines Lebens in Kassel und München.

In Düsseldorf schaut man nun auf ein Resumee, auf die Zeugnisse seines Lebens und sieht, wie man Tausende Tränen zu Stahl formen kann. Ais Lebenswerk ist ein großes Menschheitsgemälde.

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Quelle: RP