So wohnt Düsseldorf

Diese Frauen haben einen Bauernhof mitten in der City

So wohnt Düsseldorf: Diese Frauen haben einen Bauernhof mitten in der City So wohnt Düsseldorf: Diese Frauen haben einen Bauernhof mitten in der City Foto: Anne Orthen
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Sie teilen ihr Refugium mit Hühnern, Wachteln, Kaninchen und zwei Hunden, sie ernten Kirschen, Äpfel, Bohnen und Beeren. Dabei haben Annette Ricken und Sabine Melka nicht etwa einen Bauernhof, und sie wohnen schon gar nicht auf dem Land.

Ländliches Idyll mitten in der Stadt

Ihr Traum war es immer, auf einem Bauernhof zu leben. Mit vielen Tieren. Nun wohnen sie mitten in der Stadt, nur ein paar Schritte von der verkehrsreichen Kaiserstraße entfernt. Landleben geht anders. Und doch. Wenn sie nicht aufpassen, dann legen die beiden Hühner Hedwig und Hannelore ihre Eier mitten auf dem Sofa ab. Träume können eben durchaus ihre eigene Choreografie entwickeln.

Nein, ein Bauernhof ist das hier wirklich nicht. Sondern eine Wohnung in einem gesichtslosen Haus der Nachkriegs-Architektur. Wer vor der Fassade steht, kann unmöglich ahnen, dass sich dahinter ein durchaus ländliches Idyll verbirgt. Annette Ricken und Sabine Melka haben diese Wohnung vor 15 Jahren entdeckt, dazu gehörten Kellerräume und ein verwilderter Garten. Andere Interessenten trauten sich nicht an das verwinkelte Objekt, zumal der Keller feucht war. Die beiden Frauen sahen nur, wie es werden könnte. Und kauften die Wohnung.

Der Umbau

Zwei Jahre haben sie umgebaut, ließen Decken abschlagen, Wände rausreißen, Rohre frei legen, Fußböden erneuern, die Kellerwände mit einer Spezialbeschichtung vor Feuchtigkeit schützen, eine neue Treppe ins Untergeschoss bauen. Danach hatte der Keller ein Upgrading erlebt, wurde zur Wohnetage mit Fenstern zum Garten, Platz für Schlaf- und Arbeitsräume und für ein Badezimmer, das den Namen verdient, mit einer Badewanne auf Füßchen und knallrot gestrichenen Wänden.

Das Erdgeschoss – ein einziger offener Raum – offenbart auf einen Blick, wie hier Alltag gelebt wird: mit vielen Gästen und großen Essen. Zuletzt versammelten sich an Ostern wieder fast 30 Freunde und Verwandte, es wurden gefüllte Rouladen aufgetischt und anschließend gab es eine üppige Buttercremetorte. Man sieht es dieser Küche an, dass sie Mittelpunkt des Lebens ist, an einer Wand hängen mehr als 20 Pfannen, die die Frage provozieren: Braucht der Mensch so viele Pfannen? „Unbedingt“, versichert Annette Ricken, die beim nächsten Stadtbummel ganz sicher das eine Exemplar entdecken wird, das sie noch nicht besitzt.

Eindrücke von dem "Bauernhof"

Über dem Herd baumeln Kellen und andere Utensilien, den Platz daneben teilen sich Körbe unterschiedlicher Größe, eine Sammlung feiner Essigspezialitäten vom Wiener Naschmarkt, eine alte Kaufmannswaage, eine marokkanische Tajine. Auf dem Holzbrett davor liegen vom Frühstück noch ein paar Brotscheiben, verschiedene Sorten, alle selbstgebacken, alles Bio-Qualität.

Ein Schreiner hat diese Küchenmöbel gebaut, ein Schmied die Schiebevorrichtung der Tür zur Speisekammer, sie erinnert an eine bäuerliche Stalltür. Die Türklinken wurden auf Trödelmärkten zusammengesucht. Den Gang zur Garage verschließt eine sogenannte Klöntür, bei der man auch nur die obere Hälfte öffnen kann. „Dort könnte auch ein Pferd stehen“, meint Sabine Melka. Wobei wir beim zentralen Thema sind: den Tieren. Denn eigentlich haben die beiden Frauen diese Wohnung auch gekauft, weil es hier Platz für viele Mitbewohner gibt. Da sind zunächst die beiden Labrador-Mischlinge Emma und Morle, die sich gerade auf den Sofas neben dem Kamin (wird mit Gas betrieben und funktioniert per Fernbedienung) ausruhen – und keineswegs verscheucht werden.

Hund, Huhn und Kaninchen

Die beiden Hunde verstehen sich gut mit den Hühnern, mit denen sie eine gewisse Vorliebe für die Sofas teilen. Ansonsten lebt das Federvieh meistens in einem Gehege am Ende des Gartens, gemeinsam mit zwei Wachteln und drei Kaninchen. Einen Teich (auf dem gerade ein Entenpaar badet) und der einen Bach mit Wasserfall speist, haben die beiden Frauen mit familiärer Unterstützung selbst angelegt. „Wenn wir einladen, fragen unsere Gäste gleich: Was muss gemacht werden?“ An den Ufern wächst, was heimisch ist: Also kein Bambus, dafür Kirsche, Quitte, Apfelbäume. Dazwischen blühen jetzt oder bald Flieder, Malve, Holunder, und im Sommer reifen Himbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren. Außerdem wird die Küche bereichert von Waldmeister, Minze, Salbei. Ein Garten zum Ernten und für Mußestunden mit Vogelhäuschen und Nistplätzen.

Und als sei es damit nicht genug, holen sich die beiden Frauen die Natur auch ins Wohnzimmer: Dort versammelt sich eine Federvieh-Familie aus Blech, in der Küche baumeln die ersten Eier, die Hedwig und Hannelore je gelegt haben, und an der Wand blüht (das Foto stammt von Annette Ricken) eine riesige Pusteblumenwiese: Landleben im Großstadtformat.

Quelle: RP