Kom(m)ödchen im Schauspielhaus Düsseldorf

Ein letzter Abend auf der Couch

Kom(m)ödchen im Schauspielhaus Düsseldorf: Ein letzter Abend auf der Couch Kom(m)ödchen im Schauspielhaus Düsseldorf: Ein letzter Abend auf der Couch Foto: Endermann, Andreas (end)
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Im ausverkauften Düsseldorfer Schauspielhaus verabschiedete das Kom(m)ödchen sein Erfolgsstück „Couch“ nach 13 Jahren Spieldauer.

Am Ende wurde das namengebende Möbelstück versteigert, für einen vierstelligen Betrag. Man kann nur staunen darüber, was diese Couch schon alles miterlebt hat: mehr als 700 Aufführungen, eine Bundeskanzlerin, aber sechs SPD-Vorsitzende. Am allerletzten Abend für das Requisit kam dann noch eine weitere Kennzahl hinzu: 2650 Euro. Soviel Geld brachte die Versteigerung des Möbelstücks am Ende eines denkwürdigen Abends ein. Damit war Schluss für „Couch“.

Nach 13 Jahren Spielzeit verabschiedete das Kom(m)ödchen jetzt sein Erfolgsstück. Gemeinsam mit der Rheinischen Post hatte das Theater zu einer Sonderveranstaltung ins Schauspielhaus geladen. 800 Zuschauer fasst das Große Haus, und dass die Eintrittskarten nach nur zwei Stunden ausverkauft waren, sagt nicht nur etwas über die Popularität des Stücks aus, sondern auch über dessen treue Anhängerschaft. Viele sahen „Couch“ nicht zum ersten Mal. Hier und da sah man Zuschauer sogar mitsprechen. 

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Sofern das denn möglich war, denn in 13 Jahren hat das Stück enorme Transformationsprozesse durchgemacht. „Couch“ ging mit seiner Zeit, wurde stets an die Verhältnisse angepasst, an Debatten, Gesetzgebungen, wechselndes politisches Personal. Dass dann mit Andrea Nahles eine weitere SPD-Vorsitzende hinschmeißt, hätte man sich für den Tag der allerletzten Aufführung nicht besser ausdenken können.

Das Ensemble bemühte sich, das gegenwärtige Tohuwabohu ins Programm einzubauen. Das ging in groben Zügen so: Christian, ein Kabarettist, versucht sich auf einen Abend beim Verband kritischer Metzger („fast Veganer“) vorzubereiten, während die übrigen Hausbewohner reihenweise bei ihm einfallen. Die alleinerziehende Mutter, die Langzeitstudentin, die Langweiler, der Hausverwalter und Verschwörungstheoretiker, der Vermieter und Unternehmensberater. Sein Mantra: „Echte Männer essen keinen Honig, die kauen Bienen.“

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Christian Ehring spielte sich im Stück selbst, mit ihm saßen Maike Kühl und Heiko Seidel in Dreifachrollen auf der Couch. Für Ehring war der Abend in doppelter Hinsicht ein Abschied, weil er ab dem Sommer eine einjährige Bühnen-Pause einlegen wird. So musste er sich denn einige Gemeinheiten seiner Kollegen gefallen lassen, die mal hier, mal da vom Text abwichen und Ehring, wenn der den Faden verlor, lustvoll auflaufen ließen. Seidel: „Ich weiß deinen Text.“ Ehring: „Aber du sagst ihn mir nicht.“ Seidel: „Ich brauche keinen Text. Ich habe Präsenz.“ Das saß.

Mehr als zwei Stunden verausgabte sich das Trio, zum lang anhaltenden Schlussapplaus wurden Kom(m)ödchen-Chef Kay Lorentz, „Couch“-Autor Dietmar Jacobs und Regisseur Hans Holzbecher auf die Bühne gebeten. Letztere verfolgten die Aufführung zuvor aus dem Zuschauerrang und erlebten sie als „sehr emotional“, so Holzbecher – selbst erstaunt darüber, wie aktuell das Stück nach 13 Jahren noch ist.

„Glücklich und erleichtert“ war Lorentz. „Es war ja nicht klar, ob das Stück auch im Großen funktioniert.“ Zum Vergleich: Ins Kom(m)ödchen passen 200 Zuschauer.

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Zum Abschied von „Couch“ durften die Zuschauer im Foyer selber Platz nehmen, dorthin wurde das Möbelstück nach Vorstellungsende gebracht, und wer mochte, konnte sich samt Ensemble fotografieren lassen. Zu den ersten, die Gelegenheit hatten, gehörten Rudolf Hanko und Christina Lust-Hanko, die saßen ihr neues Sofa gewissermaßen schon mal Probe.

Sie hatten die Couch in einem Bieter-Wettstreit zugunsten der Obdachlosenhilfe Fiftyfifty ersteigert. Gestartet war die Auktion bei 130 Euro, zuletzt überboten einander nur noch Rudolf Hanko und ein aus Vancouver anrufender Kom(m)ödchen-Liebhaber.

Den Zuschlag erhielt schließlich Hanko. Er und seine Frau hatten „Couch“ in den vergangenen Jahren mehrere Male im Theater gesehen, erzählten sie. Jetzt kommt die Couch zu ihnen.

INFO

Neues Programm ab Mitte Juni

Premiere Das Kom(m)ödchen-Ensemble bringt ab dem 19. Juni eine neue Produktion auf die Bühne. Dann feiert „Quickies. Schnelle Nummern zur Lage der Nation“ Uraufführung, darin soll in Sketchen auf tagesaktuelles Geschehen reagiert werden.

Tickets gibt es telefonisch unter 0211 329443 und hier

Quelle: RP