Four Rooms

Nächtliche Reise durch das Künstler-Hotel

Four Rooms: Nächtliche Reise durch das Künstler-Hotel Four Rooms: Nächtliche Reise durch das Künstler-Hotel Foto: Andreas Endermann
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Vier Zimmer, vier Künstler, vier Shows: Bei Four Rooms wandert das Publikum durch ein Hotel voller Performances.

Es fühlt sich an wie damals in der Schule, wenn Gruppenarbeit angesagt war. Nur die Kulisse stimmt nicht. 100 Erwachsene im Alter von 25 bis 65 Jahren schwärmen an diesem Samstagabend aufgeregt durch die Hotellobby des Max Brown Hotels. Jeder versucht, mit seinen Freunden in eine der 25 Personen starken Gruppen zu kommen.

Mehr Frauen als Männer werden sich heute auf eine Reise durch das Hotel begeben. Viele von ihnen halten bereits Getränke in der Hand, als die Gruppenführer gewählt und mit einer Eieruhr ausgestattet sind. Die Reise kann losgehen.

Für rund 20 Minuten öffnet sich bei der siebten Ausgabe von Four Rooms jeweils eine Tür. „In jedem Raum gibt es einen anderen Künstler zu sehen“, sagt Veranstalter André Janssen. Er wolle die Leute durch die lockere Atmosphäre für Kunst begeistern, die man sonst nicht oft sehe. Ein Musiker sei immer dabei, der Rest wechsele stetig, erklärt er.

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Hinter der ersten Tür, die zum großen Frühstückraum führt, verstecken sich zunächst einmal nur viele leere Stühle. Die vierköpfige Improvisationstheater-Gruppe Tatendrang eröffnet den Abend. Die Stimmung ist noch zurückhaltend, als ein älterer Herr und eine junge Frau aus dem Publikum Teil der Theatershow werden.

Gespielt werden – passenderweise – Frühstücksszenen. Mit jedem Stopp-Ruf der Schauspieler wird eine neue Szene eingeläutet. Dann spielen die vier Schauspieler selbst auf der improvisierten Bühne neben der Frühstücksbar. Neun vom Publikum gewählte und von der Gruppe vorgespielte Emotionen sorgen für viele unerwartete Wendungen. Lacher im Publikum. Einige zücken ihre Handys und halten die komischen Momente fest. Mit den Worten: „Das wird es so nie wieder geben“ endet die erste Show des Abends.

In der zweiten Etage öffnet sich die Tür und stickige Luft schlägt der Gruppe aus dem nur wenige Quadratmeter großen Doppelzimmer entgegen, in dem der Autor Markim Pause bereits der ersten Gruppe vorlas. Die meisten Zuschauer nehmen auf dem kuscheligen Doppelbett Platz. Eine kleine Lampe spendet Licht zum Lesen. Die erste Geschichte handelt von der betrunkenen Spinne Bill. „Die Moral von der Geschicht‘: Kannst du nicht mehr laufen, musst du dir ein Taxi kaufen – oder ein Zimmer mieten.“ Das amüsiert das Publikum. Pause. Wieder vergehen zwanzig Minuten wie im Flug.

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Gut gelaunt geht es in den nächsten Raum. Doch das ändert sich schlagartig, als die Gruppe in dem ebenfalls kleinen Doppelzimmer in der dritten Etage eine mit dem Gesicht zur Wand gedrehte Frau in einem zerrissenen Bademantel entdeckt. Wie in einem Horrorfilm bewegt sich die verstörte Frau. Dicht gedrängt, scheinbar unsichtbar für die Schauspieler stehen die Zuschauer im Raum.

Ausweichen ist so gut wie unmöglich – und so wird die Gruppe unausweichlich Teil der gruseligen Show. „Stellt euch hin wie eine Schafherde“, schreit die Frau im Bademantel plötzlich. Eine zweite Schauspielerin betritt den Raum. Es entwickelt sich eine bizarre Show über Alltags­ängste und Einsamkeit – und das Publikum wird gezwungenermaßen Teil dieser Show.

Die Gruselshow hat Spuren hinterlassen. Mit teils ängstlichen Mienen betritt die Gruppe den letzten der Four Rooms im vierten Stock. Eine hellblaue Schreibtischlampe beleuchtet die Ecke des kleinen Einzelzimmers, in der Folksänger Fabio Bacchet alias Hello Piedpiper mit seiner Gitarre steht. Er singt von „bloody fear“, verdammter Angst – passend zum vorherigen Schauder-Raum, wie eine jüngere Frau leise bemerkt. Nach drei Folksongs fragt Bacchet, ob er sich der Gruppe schon vorgestellt habe. „Nein“, rufen einige, die auf dem Bett Platz genommen haben. „Ich bin Hello Piedpiper, komme aus Köln, aber trinke gerne Alt“, sagt Bacchet, bevor er den Abend mit seinem letzten Song ausklingen lässt.

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„Die Nähe zu den Künstlern ist einfach super“, sagt Edith Marche-Nordhoff, nachdem sie aus Bacchets Hotelzimmer kommt. „Manchmal bedauere ich schon, dass ein Act nur 20 Minuten dauert.“ Zum zweiten Mal schon hat sie an Four Rooms teilgenommen. Am besten habe ihr das Impro-Theater gefallen.

Das sieht auch Lys Roth aus Wuppertal so: „Da kriegt man einfach super Laune.“ Mit ihren Freundinnen hat sie bei Four Rooms ihren Junggesellinnenabschied gefeiert. „Wir wollten etwas Ausgefallenes machen. Es war klasse. Jetzt gehen wir erstmal etwas trinken.“ Fröhliches Lachen. Die Mädels strömen aus der Hotellobby in die Nacht.

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Quelle: RP