Friseure wieder geöffnet

Haare schneiden, färben und föhnen während Corona-Krise

Friseure wieder geöffnet: Haare schneiden, färben und föhnen während Corona-Krise Friseure wieder geöffnet: Haare schneiden, färben und föhnen während Corona-Krise Foto: Shutterstock, Didecs / privat

Gemeinsam mit Cafés, Restaurants und Kneipen und anderen Geschäften und Dienstleistern sind seit dem 23. März 2020 auch Friseure aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Wir hatten in der Woche vor der Einschränkung mit einer Düsseldorferin und zwei Düsseldorfer Salon-Betreibern gesprochen. Den Artikel „Friseure sind systemrelevant“ von damals findet ihr hier. Seit der Lockerung der Corona-Maßnahmen am 4. Mai ist es wieder mit Waschen, Schneiden, Föhnen losgegangen. Vorab haben wir Katrin Beilfuß (Foto, links), Safet Skeric (Foto, mitte) und Apostolos Bailas (Foto, rechts) interviewt, die eigene Salons in der Landeshauptstadt betreiben. Dabei geht es um Existenzängste wegen fehlender Rücklagen, Lieferdienste, soziale Isolation, plötzliche „Elternzeit“, Hygiene-Maßnahmen, Kunden, die selbst die Haare schneiden, fehlende finanzielle Soforthilfe und Friseur-Termine um Mitternacht.

„Katrin Beilfuß - Haar & Kunst“ in Wersten

Der Salon „Katrin Beilfuß - Haar & Kunst“ auf der Otto-Hahn-Str. 37 wurde erst kurz vor der Corona-Krise komplett saniert - samt Entkernung und neuer Kundentoilette. „Dafür hatten wir eine Woche geschlossen und echt Unfassbares vollbracht. Meine ganzen Rücklagen sind in die Sanierung geflossen“, erklärt Katrin Beilfuß, die daher noch schlimmer von der plötzlichen Corona-Krise getroffen wurde als andere Kollegen: „Ich hatte gar keine Rücklagen mehr! Jeder kann sich bestimmt vorstellen, was ich für unglaubliche Existenzängste hatte. Ich habe zwei Mitarbeiter in Vollzeit bei mir arbeiten und auch für diese Verantwortung und plötzlich stand ich trotz zuvor gut laufender Geschäfte vor dem Nichts.“ Doch Beilfuß ist von Natur aus ein sehr positiver Mensch. Die Shampoo-Flasche ist bei nicht halbleer, sondern immer halbvoll. Daher hat sie auch den Kopf nicht in den Sand gesteckt:

„Ich habe alle Kunden persönlich angerufen. Zuerst die, die in der ersten Woche der Schließung einen Termin bei uns gehabt hätten. Das war ich ihnen schuldig. Wir mussten von jetzt auf gleich schließen und ich fand es wichtig, mich bei allen telefonisch zu melden. Die Resonanz war unglaublich! Da ging mein Herz auf. Alle haben sich so sehr gefreut, von mir zu hören. Sie sagten mir auch, dass sie viel an mich gedacht haben. Nach einigen Gesprächen wurde die Idee für einen Lieferdienst geboren. Dabei hätte ich nie gedacht, dass die Haare selbst in so einer Krise so wichtig für die Menschen sind!“

„Wir pflegen auch die Seele unserer Kunden“

Vom eigenen Haare schneiden hat Katrin Beilfuß allerdings abgeraten. Dafür hat sie angeboten, Farbe nach Hause zu liefern und jeder Kundin und jedem Kunden eine persönliche Anleitung geschrieben. Und mit dem Erfolg dieser Aktion hat Beilfuß ebenfalls nicht gerechnet: „Ich hatte unglaublich viele Auslieferungen. Das Wichtigste für mich war, mit meinen Kunden in Kontakt zu bleiben.“ Zudem hat sie täglich bei WhatsApp ihren Status aktualisiert, bei Facebook in der Story jeden Tag Produkte vorgestellt, Tipps gegeben, wie man sich die Haare während der Corona-Krise frisieren und stylen kann. „Mir ging es in erster Linie nicht darum, Geld zu verdienen, sondern, um die Menschen, mit denen ich seit vielen Jahren Kontakt stehe und die auch mein Leben ausmachen. Wir hatten echt tolle Gespräche am Telefon. Friseur sein bedeutet eben mehr, als sich nur um die Haare zu kümmern. Wir pflegen auch die Seele unserer Kunden.“

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Am 4. Mai geht’s nun weiter und Katrin Beilfuß darf ihren Traumberuf weiter ausleben. „Das ist mehr als nur ein Job! Das ist mein Leben und das Leben meines Teams. Wir haben immer so viel Zeit miteinander verbracht und plötzlich war das alles weg. Ich bin so glücklich endlich wieder starten zu dürfen! Meine Mädels haben zu jeder Zeit gesagt, dass wir das packen und wir freuen uns auf den 4. Mai und stehen in den Startlöchern. Denn die Termine sind heiß begehrt und das Telefon klingelt den ganzen Tag lang.

Openair Haare schneiden

Doch vorher wird es noch Vorbereitungen geben. Der Salon hat zwei Ebenen, die nun beide für Kunden genutzt werden sollen. Es wird also umgebaut, damit der Platz effektiver verwendet werden kann. Zudem wird auch im Freien frisiert und geschnitten: „Wir haben auch in den letzten Jahren unsere Außenfläche nutzen können, wenn es vom Wetter her passte. Diese werden wir jetzt noch weiter ausbauen - natürlich immer mit allen Auflagen, die uns vorgegeben werden.“

Und die ganze Krise hatte auch ihre positive Seite: „Ich glaube, dass diese Zeit mein Team und unsere Kunden noch mehr zusammengeschweißt hat. Es geht im Leben umso viel mehr, als ums reine Geld verdienen. Das hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Einstellung schon immer richtig lag, mit meinem Salon meinen Traum lebe, aber auch das Haare „soooooo“ unglaublich wichtig sind! Das hätte ich vorher nicht gedacht. Ansonsten habe ich diese Zeit für mich und meine Familie genutzt und es war schön, auch endlich mal ohne Stress Zeit zu haben. Nach Regen kommt immer Sonnenschein. Ich bin immer unglaublich positiv und diese Ausnahme-Situation hat mir wieder gezeigt, dass es immer weitergeht!“

Oliver Schmidt Hairdesign in Düsseldorf-Rath

Bei Safet Skeric, dem Inhaber des Salons „Oliver Schmidt Hairdesign“ in Rath (Westfalenstraße 41), waren die Tage seit dem 23. März von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Zeitweise hatte er das Gefühl, dass alles zusammenbricht. Im nächsten Moment lösten kleinste positive Nachrichten neue Energie in ihm aus. Die Mitarbeiter und Auszubildenden haben zum Beispiel Video-Tutorials produziert, die erfolgreich in den sozialen Medien liefen und für tolles Feedback sorgten.

Enttäuscht war Safet Skeric über den langen Zeitraum der Schließung und darüber, dass die finanzielle Soforthilfe trotz Zusage noch immer auf sich warten lässt.

Ein Hoffnungsschimmer: Auch bei ihm steht seit Bekanntgabe des Öffnungstermins das Telefon nicht mehr still. Daher kümmert er sich nun um die Umsetzung des neuen Hygiene-Standards.

Seine Erkenntnis der Corona-Krise: „Mein Leben als Unternehmer ist bei allem Stress und Auflagen auch ein Privileg. Mein Geschäft schließen zu müssen, ohne dagegen etwas tun zu können, zeigt wie wichtig das freie, selbstbestimmte Leben doch ist und auch wie zerbrechlich.

Bailas Contemporary Coiffure in Düsseltal

Für Apostolos Bailas war die ganze Situation anfangs sehr verwirrend und angespannt. Die Ungewissheit ob, wann und wie es weitergehen wird, hat ihn fast zur Verzweiflung gebracht. Am Ende ist dem Famlienvater aber nur eins wichtig gewesen: Dass alle gesund sind und es auch bleiben.

Nachdem sein Salon Bailas Contemporary Coiffure schließen musste, hat er die freie Zeit genutzt, um einige Dinge zu erledigen, die im Geschäft an der Achenbachstraße 131 und im Haus auf der Strecke geblieben sind. Er hat sich virtuell mit Online-Seminaren weitergebildet. Aber das allerwichtigste war für ihn, dass er seine „Elternzeit“ mit beiden Kindern nachholen konnte. So ist er mit den beiden viel Fahrrad gefahren, im Wald spazieren gewesen und konnte einfach mal den ganzen Tag mit ihnen verbringen.

Ein wenig kommt Apostolos Bailas ins schmunzeln, dass selbst Finanzminister Olaf Scholz, der nicht für seine volle Haarpracht bekannt ist, in einem BILD-TV Interview gesagt hat, er sei sehr froh, wenn er wieder zum Friseur gehen kann. 

Kein Wunder also, dass sich verzweifelte Kunden in den letzten Wochen auch an ihn gewandt haben: „Ich habe allen abgeraten, ihre Haare selbst zu schneiden. Als Alternative zum Färben habe ich Notfallpakete angeboten, in denen eine professionell auf den Kunden abgestimmte Farbe mit all den dazugehörigen Utensilien per Post verschickt wurde. Natürlich war das Ergebnis nicht dasselbe, aber definitiv eine gute Notlösung. Ich hoffe ich erkenne meine Kunden wieder und muss nicht sehr viele Selbstversuche reparieren.“

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Bei den Hygiene-Maßnahmen in seinem Salon hat Bailas etwas weniger Arbeit als seine Kollegen. Da er immer nur eine Person auf einem Bedienungsstuhl im Salon sitzt und er nur auf Terminbasis arbeitet, muss nicht ganz so viel umgestellet werden: „Zu den bereits bekannten hygienischen Maßnahmen, die bei mir schon immer unabhängig von der Corona-Krise existiert haben, kommt jetzt noch das Tragen von Mundschutz und Handschuhen hinzu.“

Auch er denkt, dass die Welt nach der Corona-Krise nicht mehr dieselbe sein wird. Distanz zu anderen Menschen, das ständige Tragen von Mundschutz werden weiterhin bestehen bleiben: „Als ich beruflich in Asien unterwegs war, kam mir dieses Bild sehr befremdlich vor. Daran müssen wir uns in Europa erst noch gewöhnen. Gerade für ältere Menschen ist die Corona-Zeit sehr verwirrend und schwer - alleine schon, weil man nicht in der Nähe seiner Liebsten sein kann. Aber auch diese Zeit wird vorüber gehen…“

Doch nun kommt erstmal die Wiedereröffnung, auf die sich Bailas sehr freut: „Ich überlege schon um 00:01 Uhr loszulegen, um den ganzen Run nach so vielen Wochen zu schaffen!“

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