Interview mit Taxi-Fahrer

"Ich bin vor keinem Halteplatz fies"

Interview mit Taxi-Fahrer: "Ich bin vor keinem Halteplatz fies" Interview mit Taxi-Fahrer: "Ich bin vor keinem Halteplatz fies" Foto: Andreas Bretz
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Johannes Schneider, Jahrgang 1950, ist seit 36 Jahren als Taxifahrer in Düsseldorf unterwegs. Er hat RP-Mitarbeiter Benjamin Schruff von seinen Erlebnissen erzählt.

Gibt es in Düsseldorf Straßen durch die Sie noch nie gefahren sind?

Nicht viele. Vielleicht sind ein paar Sackgassen übrig geblieben, in die ich noch nicht rein geschnüffelt habe. Aber eigentlich habe ich alles abgeklappert.

Haben Sie sich während einer Tour schon mal komplett verfahren?

Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass ich eine Straße verwechselt hätte. Es passiert schon mal, dass man in der Straße daneben landet. Und wenn ich mich mit einem Fahrgast unterhalte, fahre ich manchmal immer weiter geradeaus und vergesse das Abbiegen. Den Umweg ziehe ich dann natürlich vom Fahrpreis ab.

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Was war die längste Tour, die sie je gefahren sind?

Vom Flughafen nach Neumünster, nördlich von Hamburg. Knapp 500 Kilometer in viereinhalb Stunden, hat 700 oder 800 Mark gekostet. Das war ein Rosenmontag, der Mann kam im Rollstuhl aus dem Urlaub zurück, seine Versicherung hat die Fahrt bezahlt. Der war nett, wir haben uns gut unterhalten. Auf dem Rückweg habe ich dann Verwandte in Hamburg besucht.

Haben Sie eine Lieblingsstrecke?

Kann ich nicht sagen, nein. Ich fahre alles rauf und runter, bin vor keinem Halteplatz fies.

Hat sich das Benehmen der Fahrgäste im Laufe Ihres Berufslebens eher verbessert oder verschlechtert?

Kommt darauf an, wen man wann fährt. Die Wochenenden in der Altstadt sind schlimm geworden. Vor allem wegen der Junggesellenabschiede. Die Jungs haben Bierflaschen in der Hand, die Mädels Piccolos. Und wenn man ihnen sagt, dass sie damit nicht ins Taxi dürfen, fangen sie an zu pöbeln.

Früher haben die Leute sich noch mit Anstand besoffen. Und dann ist da Willy Wichtig. Der steigt am Flughafen ein, hat das Handy an die Backe genagelt und ist fest davon überzeugt, dass ohne ihn die Firma kaputtgeht. Der sagt dann Sachen wie ,Ich komme gerade aus dem Flieger und steige jetzt ins Taxi’. Wen interessiert das?

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Was führt zum Rauswurf aus Ihrem Taxi?

Essen und Trinken. Auf der Rückbank ein Frühstück auszupacken, ist ein absolutes No-Go. Und Flaschen gehen schon aus Sicherheitsgründen nicht. Wenn jemand gerade trinkt, während ich abrupt bremsen muss, schlägt der sich ein paar Zähne aus. Einen Dackel auf die Hutablage oder die Sitze zu setzen, läuft auch nicht. Hunde können mitfahren, müssen aber in den Fußraum und dürfen kein Theater machen.

Wurden Sie schon mal überfallen?

Überfall kann man das nicht nennen. Einmal ist am hellichten Tag ein Typ eingestiegen und hat gesagt: „Fahren Sie los, ich habe eine Pistole.“ Ich bin dann schnell ausgestiegen und in Deckung gegangen. Der Typ ist dann auch ausgestiegen und weggerannt.

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Quelle: RP