Rasante Nummernrevue in Düsseldorf

Kom(m)ödchen zeigt jetzt „Quickies“

Rasante Nummernrevue in Düsseldorf: Kom(m)ödchen zeigt jetzt „Quickies“ Rasante Nummernrevue in Düsseldorf: Kom(m)ödchen zeigt jetzt „Quickies“ Foto: Christian Rolfes
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Das Hausensemble des Düsseldorfer Kom(m)ödchens zeigt ein neues Programm. „Quickies. Schnelle Nummern zur Lage der Nation“ heißt es - eine Revue satirischer Miniaturen.

Pressekonferenz bei der hessischen Polizei: Beamter Heiko Seidel hat seinen Hund unter den Tisch gezwängt. Zu sehen ist nur die Leine, die der eifrige Polizist ständig strammhalten muss. Hasso ist nämlich bissig. Und ein wenig einseitig erzogen. Wenn er Wörter hört wie Umweltschützer, Friedensbewegte oder gar Linke, reißt er das Maul auf. Bei Rechten und Neonazis knurrt er nicht mal.

Es ist ein großer Spaß, wie Seidel allein mit dem Ende der Lederleine um die Hand den ignoranten Polizeihundeführer spielt, dem die politische Abrichtung seines Tiers überhaupt nicht auffällt. Eine komische Nummer, obwohl sie auf bittere Wahrheiten zielt, die nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke über rechte Netzwerke in Hessen und die Tatenlosigkeit der Behörden ans Licht kommen.

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Das Hausensemble des Düsseldorfer Kom(m)ödchens zeigt ein neues Programm. „Quickies“ heißt es, und ist eine Revue satirischer Miniaturen, in denen Politisches wie Privates mit ein paar schnellen Hieben in die Pointe getrieben wird. Da gibt’s die Sprechstunde beim Bundestags-Psychologen, in der ein CSU-Politiker wegen „politischen Tourettes“ behandelt wird. Sein Tic besteht darin, unkontrolliert Begriffe zu rufen wie „Maut“ oder „abschieben“ – und sein Syndrom ist ansteckend. Es gibt drei SPD-Lokalpolitiker, Typ Urgestein, die sich ihren Frust vom Wahlkampf in der Fußgängerzone von der Seele motzen und dabei einige Treffer gegen die Grünen landen.

Öffentlich-rechtliche Programmgestalter werden parodiert in einer Nummer, in der drei Redakteure das Drehbuch für einen Porno besprechen und so lange nach ihren Richtlinien bearbeiten, bis aus dem „Rohrverleger“ ein gewerkschaftlich organisierter Installateur geworden ist. Auch harmlose Späße sind in die „Quickies“ gemischt. Etwa, wenn Martin Maier-Bode mit Helm und weißer Trikot-Pelle in eine Zinkwanne klettert und von seiner Karriere als dritter Mann im Bob erzählt.

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Besonders gut sind die Nummern, in denen die Vier vom Hausensemble ihre schauspielerischen Qualitäten ausleben. Maike Kühl etwa, die als österreichische Regisseurin vom Wiener Burgtheater die Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Katar inszeniert und Daniel Graf als einfachem Kicker aus dem Ruhrpott erst das Prada-Glitzer-Outfit schmackhaft machen muss, dann die Tatsache, dass Kamele mitspielen werden. Oder Daniel Graf als Möchtegern-Youtuber mit Schirm-nach-hinten-Kappe, der dem CDU-Zerstörer Rezo aber mal so richtig die Meinung sagt, aber Hallo, „Du Lauch“! Am tiefsten steigt Heiko Seidel in seine Figuren ein, ist mal die singende Queen mit Wackelhändchen, die als Brexit-Flüchtling in NRW Asyl sucht, dann ein verzweifelter Ossi auf Brautschau, der den Femen-Aktivistinnen nacheifert und sich seine Botschaften auf den nackten Oberkörper malt. Oder ein türkischer Gesandter mit Schnauzbart, der mit rollenden Augen antidemokratisches Kauderwelsch dönert. Da wird tief in die Klischeekiste gegriffen. Grandios ist Seidel als Altherren-Kö-Flaneur, der im Integrations-Strafunterricht seine Erzfeinde tolerieren lernt: die Kölner. Das ist Satire mit feinsten darstellerischen Mitteln, unpiefiges Kabarett für die Region.

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Dazwischen gibt Martin Maier-Bode den politischen Conférencier, was gelegentlich eine dozierende Note bekommt. Etwa beim Demokratie-Planspiel mit dem Publikum gleich nach der Pause. Meist sind die Nummern aber szenisch so elegant verbunden, dass sich gar kein Nummern-Gefühl einstellt. Der Rhythmus stimmt, die Episoden gleiten ineinander. Es ist, als schaue der Zuschauer in ein Kaleidoskop, und aus lauter pointenglitzernden Splittern ergibt sich ein Bild von Deutschland.

Dem Kom(m)ödchen ist mit dem neuen Programm eine Wiederbelebung des Sketch-Formats gelungen. Es gibt Klassiker wie in den guten alten Diether-Krebs-Zeiten, etwa den Arzt-Sketch, der einen absurden Ausgang nimmt. Es gibt auch Themen, die eigentlich zu abgegriffen sind, etwa die Persiflage des Formats Talkshow. Doch dann fallen den Autoren vom Kom(m)ödchen, diesmal in erster Linie Dietmar Jacobs und Martin Maier-Bode, doch wieder so herrlich absurde Übertreibungen ein. Da hauen sich die Talk-Gäste bei „Maybritmaischbergerwill“ dann zusammenhangslos Ziffern um die Ohren, die klingen wie die Lottozahlen. Da wird ein Format, das sich im politischen Diskurs hartnäckig hält, abgenagt bis aufs rhetorische Skelett.

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Die „Quickies“ sind retro im Stil, aktuell im Inhalt, politisch, klamaukig, komisch und so gebaut, dass sich neue Ereignisse jederzeit hineinladen lassen. Eine Nummernrevue, an der das Publikum länger seinen Spaß haben wird. Bei der Premiere wurden die Vier vom Kom(m)ödchen jedenfalls gefeiert.

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Quelle: RP