Modellprojekt in Düsseldorfer Altenheim

Wie Hochbetagte neue Welten digital entdecken können

Modellprojekt in Düsseldorfer Altenheim: Wie Hochbetagte neue Welten digital entdecken können Modellprojekt in Düsseldorfer Altenheim: Wie Hochbetagte neue Welten digital entdecken können Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
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Die Caritas setzt in einem Pilotprojekt in Düsseldorf VR-Brillen für Senioren ein. Die können so auf Entdeckungsreise gehen – oder Erinnerungen nachspüren. Die Tester finden’s gut.

Noch mit 90 Jahren besuchte Amanda Pasternak die Kuppel der Dresdner Frauenkirche. Jetzt ist die Bewohnerin des Luisenheims in Eller 100 Jahre alt und wünscht sich einen virtuellen Rundgang durch das Monument. Aufgeschlossen für neue Technik, lässt sich die alte Dame im Rollstuhl eine VR-Brille aufsetzen.

Der digitale Ausflug mit einer Datenbrille ist Teil eines Projekts, das die Caritas im Rahmen der Jahreskampagne 2019 „Sozial braucht digital“ erprobt wird. „Es ist problemlos“, sagt sie über ihren digitalen Ausflug in die berühmte Kirche.

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Ihr Kopf verschwindet fast unter der großen VR-Brille. „Die ist leicht“, sagt sie und dreht den Kopf hin und her. Sie kann so durch die Dresdner Frauenkirche gehen, verschiedene Räume virtuell betreten und sie dreidimensional wahrnehmen. „Es ist wunderbar“, sagt sie.

Die Hochbetagte ist stets interessiert an neuen Dingen. Seit 1949 lebt Amanda Pasternak in Düsseldorf, sie floh aus Ostpreußen und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. „Ich erlebe eine große Unbefangenheit“, sagt Kathrin Heymann vom Sozialen Dienst des Luisenheims über die am Pilotprojekt teilnehmenden Senioren. „Technik im vertrauten Rahmen, wenn es begleitet wird, ist eine tolle Form der Unterhaltung, die wir vielleicht auch therapeutisch nutzen können“, sagt sie.

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Für Mitarbeiter und Bewohner des Luisenheims ist das VR-Brillen-Projekt auf jeden Fall einen Versuch wert. „Das war sagenhaft“, erzählt der 76-jährige Pfarrer Helmut Heinz, Bewohner des Luisenheims, nachdem er mithilfe der VR-Brille in Unterwasserwelten eintauchte. „Eine fremde Welt war das, richtig fantastisch“, beschreibt er seine Eindrücke. Er sei nie ein großer Technikfan gewesen: „Aber Ausprobieren ist wichtig“, stellt er fest. Beim virtuellen Ausflug in den Kölner Dom entdeckte er sogar einiges Neues.

Mit dem Einsatz der neuen Technologie will der Diözesan-Caritasverband älteren Menschen digitale Ausflüge in die Vergangenheit oder an für sie unerreichbare Orte ermöglichen. „Wir machen uns auf eine Bilderreise mit wissenschaftlicher Begleitung“, sagt Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln. Das Projekt, das er in der katholischen Alten- und Pflegeeinrichtung Luisenheim in Eller vorstellte, wird von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen beobachtet und wissenschaftlich ausgewertet.

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„Wir glauben nicht, dass Technik Menschen ersetzt. Wir wollen sehen, wo sie für uns eine echte Hilfe in der Anwendung ist“, sagt er. Es entstehe aus der neuen Technologie auch ein Fortbildungsbedarf für die Mitarbeiter. „Wir wollen die Nächstenliebe nicht der künstlichen Intelligenz überantworten“, sagt Hensel.

Ziel sei der verantwortungsvolle Einsatz der neuen technischen Möglichkeiten. In der wissenschaftlichen Begleitung soll der Schwerpunkt deshalb darauf liegen, wie die Technik auf die Teilnehmenden wirkt.. „Damit die Menschen, egal welchen Alters, guten Gewissens mit auf die digitale Reise genommen werden können.“

Der Leiter des Luisenheims, Tobias Wegerhof, möchte mit der Teilnahme am VR-Brillen-Projekt einen Mehrwert für die Senioren schaffen: „Es kann ihnen Dinge ermöglichen, die sie körperlich nicht mehr schaffen“, sagt er. Im Spektrum des Betreuungsangebotes sei das kein Ersatz, sondern eine Erweiterung der Angebote. „Ich habe die Hoffnung, dass wir die Bandbreite der Technik nutzen können, die Technik darf aber nicht überfordern“, stellt er fest.

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Dazu sind Mitarbeiter von Pflegeheimen eng eingebunden, sie sollen auch einschätzen, welche Wirkung die VR-Brillen auf die Nutzer haben. Diese Informationen werden mit einer App gesammelt und ausgewertet. Wegerhof will das Angebot weiter nutzen und die VR-Brillen anschaffen.

Die Kosten dafür liegen zwischen 1000 und 5000 Euro für ein Gesamtpaket. Geplant ist auch die Anschaffung eines Technikkoffers: „Altenpflegeeinrichtungen können dazu bei uns anfragen“, sagt Henry Kieschnik, Referent im Diözesan-Caritasverband.

Amanda Pasternak hat sich unterdessen schon weiter auf das digitale Abenteuer eingelassen: Sie besuchte unlängst einen botanischen Garten virtuell.

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INFO

Caritas-Kampagne „Sozial braucht digital“

Projekt: Der Einsatz von VR-Brillen wird modellhaft im Luisenheim Eller getestet.

VR Virtual reality oder virtuelle Realität bedeutet soviel wie die Darstellung der Wirklichkeit in einer computergenerierten, virtuellen Umgebung.

Wissenschaftliche Begleitung: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen

Quelle: RP