Open-Air-Kino im Düsseldorfer Rheinpark

Die Zaunkönige vom Rheinufer

Open-Air-Kino im Düsseldorfer Rheinpark: Die Zaunkönige vom Rheinufer Open-Air-Kino im Düsseldorfer Rheinpark: Die Zaunkönige vom Rheinufer Foto: Hans-Jürgen Bauer
Von |

Schlechter Winkel, mieser Sound, gute Stimmung: Am Rande des Open-Air-Kinos im Düsseldorfer Rheinpark schauen auch zufällige Besucher zu. Es gibt drei Sorten solcher Zaungäste.

Wenn die sinkende Sonne den Himmel über dem Rhein pink färbt, dann schlendern sie über die Rheinterrassen in Richtung Open-Air-Kino. Sie gehören nicht zu den Leuten, die mit hoch erhobenen Karten durch den hell erleuchteten Kino-Eingang geschleust werden. Statt die Gittertreppe zum Eingang hinunterzusteigen, bleiben sie oben an der Mauer, setzen sich, strecken ihre Beine – und warten.

Sie sind auch für den Film an das Rheinufer gekommen, aber sie sind Zaungäste, und ihr Kinobesuch ist inoffiziell und kostenlos. Ihre Besetzung wechselt jeden Abend, je nach Film. Drei Sorten Zaungäste gibt es: Da sind die wahren Fans, die Profi-Zaungäste. Sie kommen, weil sie diesen Platz lieben, sie bringen Decken mit und Kissen und Plastiktüten. Sie klettern um die Fahrräder und auf die sonnengewärmte Mauer, lassen bis zum Filmbeginn ihre Beine baumeln. Sie stellen Campingstühle auf, die Kühltasche mit Bier zwischen sich, und knabbern an ihren Müsliriegeln.

Alltours Kino am Rheinufer: Diese Filme könnt ihr mit Blick auf den Rhein sehen! Alltours Kino am Rheinufer Diese Filme könnt ihr mit Blick auf den Rhein sehen! Zum Artikel »

Dann gibt es die zufälligen Zaungäste. Das sind Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer, die eigentlich unterwegs sind, aber stehen bleiben, sich vielleicht gegen einen Mülleimer lehnen, um kurz das Spektakel auf der Leinwand zu betrachten. Die zufälligen Zaungäste sind Zaungäste auf Zeit. Keiner von ihnen setzt sich auf die Mauer oder auf den Boden, keiner von ihnen bleibt bis zum Ende des Films. Die Passanten gucken, bleiben stehen, gucken, dann gehen sie weiter.

Und schließlich sind da die unfreiwilligen Zaungäste. Das sind die, die eigentlich lieber woanders wären, die Herren der Parkplatzschranke, die gezwungenermaßen bis zum Filmende an ihrem Platz verharren müssen. Die auf den Feierabend warten, und langsam an der Filmlänge verzweifeln, bis sich einer von ihnen vor dem Parkhäuschen aufbaut und von der Leinwand fordert, sie solle „mal hinne“ machen.

Die Profis lachen darüber, und irgendwie ist das Warten für die Parkplatz-Arbeiter dadurch weniger schlimm. Sie haben ja Zuschauer, Leidensgenossen, und so lachen sie mit. Dann gibt einer von der Mauer durch, wie viele Minuten Film verbleiben. Zwischen den Zaungästen herrscht Harmonie. Sie verbindet, dass sie keine Sushi- und Pommes-Stände als Ambiente benötigen, dass sie ohne den Luxus auskommen, den das Open-Air-Kino seinen Besuchern bietet. Und doch sind die Zaungäste auf und an der Mauer die Zaunkönige des Freiluftkinos.

Freibad-Test in Düsseldorf: Der Unterbacher See bietet Urlaubsfeeling am Sandstrand Freibad-Test in Düsseldorf Der Unterbacher See bietet Urlaubsfeeling am Sandstrand Zum Artikel »

Das Open-Air der Zaungäste ist wirklich open. Nicht auf einer Sitztribüne umringt von Stuhlreihen hocken sie, sondern auf Campingstühlen, auf dem Boden, auf der Mauer, rechts vertrocknete Wiese, links Parkplatz und Rhein. Jedes Mal, wenn ein Auto durch die Parkschranke fährt, übertönt der Motor kurz die Lautsprecher des Kinos, die vorbeiziehenden Schiffe auf dem Rhein untermalen mit tiefem Brummen. Hören kann man den Film sonst eigentlich immer. Statt bombastischem Kinosound kommt zwar nur Wohnzimmerlautstärke an, aber das macht den Zaungästen nichts.

Alle haben ihren Kopf ein wenig schief gelegt, nicht viel, nur ein wenig, gerade genug, um die Leinwand etwas gerader im Blick zu haben. Denn das Seherlebnis ist natürlich anders als im Kino. Was auf der Leinwand passiert, sieht man zwar, aber die Figuren der Schauspieler sind verzerrt: Schlanker, gezogener, vielleicht sogar etwas gebogener. Sie bewegen sich auch anders, weniger elegant.

Untertitel sind nicht zu erkennen, vielleicht gibt es keine, vielleicht sieht man sie bloß nicht. Aber was die Russen in „Shape of Water“ sagen, kann sich der Zuschauer zusammenreimen. Der Film spielt schließlich im Kalten Krieg, in den USA, es geht um den Wettlauf ins All. Deshalb hören die Zaungäste nach einer Weile Russisch und hören auf, sich nach den Untertiteln zu recken.

Eine Portion Entspannung: Düsseldorfs erstes "Yoga Beach Festival" steigt im Strandbad Lörick Eine Portion Entspannung Düsseldorfs erstes "Yoga Beach Festival" steigt im Strandbad Lörick Zum Artikel »

Die Zaungäste müssen ihren Platz gut wählen, wenn sie zwischen Laternenpfosten, Verkehrsschild und Kino-Aufbau einen möglichst unverstellten – wenn auch niemals geraden – Blick auf die Leinwand haben möchten. Das Zeltdach des Kinos ist eine besondere Herausforderung. Wer mehr als das halbe Bild sehen will, muss mit den starken Verzerrungen leben.

Aber die Zaungäste sind ja auch nicht wegen der Bildqualität hier, sondern wegen des Films. Und wegen der besonderen Atmosphäre beim Zaungucken. Dabei sind nicht alle Zaungäste jung, hip, cool. Ein Zaungast mit schneeweißem Haar kommt mit Rollator, dreht ihn von der Leinwand weg und verwendet ihn als seinen Sitz, die Arme auf den Griffen abgestützt. Ein Pärchen kuschelt sich auf der Mauer aneinander, Zaungucken als Rendezvous. Zaungast ist man generationenübergreifend.

Die Menschen auf und an der Mauer haben das Zaungucken für sich entdeckt. Wenn dann der Film vorbei ist, springen die Zaungäste von der Mauer, klappen ihre Campingstühle zusammen, und als der Kino-Eingang die Besucher ausspuckt, sind die Zaungäste schon lange in der Nacht verschwunden.

Umsonst und draußen: Golzheim Fest mit Love Machine und Trödelkram Umsonst und draußen Golzheim Fest mit Love Machine und Trödelkram Zum Artikel »

Quelle: RP