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Der Bilker Batman

Stadtteilhelden: Der Bilker Batman Stadtteilhelden: Der Bilker Batman Foto: Andreas Bretz
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Fledermaus-Experte Guido Hoehne führt Bilker auf die Spuren der kleinen nachtaktiven Säugetiere. Ein Besuch.

In den Abendstunden, dann, wenn die Sonne untergegangen ist und die Nacht mit einem rosafarbenen Saum am Horizont aufzieht, schlägt Guido Hoehnes Detektor Alarm. Die klickähnlichen Geräusche mannigfaltig und ungewöhnlich, mal lauter, mal leiser, zeigen plötzlich ein mehr als turbulentes Flugverhalten im nächtlichen Flugraum über dem Friedhof an. Ohne Hoehnes Detektor wäre es eine lautlose Jagd im Dunkel rundherum. Dabei richten sich die komplexen Flugbahnen der Tiere nach ihrer Beute. Nach dem Flugverhalten von Nachtfaltern. Und Mücken.

Und auch, wenn der eher außergewöhnliche Ort auf den ersten Blick etwas morbide erscheinen mag – insbesondere der Himmel über dem Friedhof erwacht Nacht für Nacht zu einem lebhaften Treiben. „Hier finden Fledermäuse einen hervorragenden Lebensraum“, erklärt Guido Hoehne die Vorzüge des weitläufigen Südfriedhofs in Bilk.

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Nicht nur die Größe des Geländes – mit rund 47 Hektar ist der Friedhof nach dem Nordfriedhof der zweitgrößte der Stadt – insbesondere der alte Baumbestand hat es den Tieren angetan und sorgt dafür, dass sie ausreichend Unterschlupf finden. In Baumhöhlen etwa, und in ausreichend großen Astlöchern. Angelegt um 1900, setzten die Planer des Friedhofs – für die damalige Zeit eher untypisch – einst nahezu ausschließlich auf bewährte Landschaftsbäume wie Eiche, Ulme, Linde und Ahorn. Die prägen bis heute vor allem zusammen mit den verschiedensten Landschaftsgehölzen das Bild der parkähnlichen Anlage.

Die ältesten dieser Bäume sind noch heute auf den Seitenwegen als Alleen zu finden und stellen ein Paradies für die kleinen, ausschließlich nachtaktiven Tiere dar, die Hoehne seit Jahren mit stets wachsender Faszination beobachtet. Seit einiger Zeit lässt er auch andere daran teilhaben.

Insbesondere in den Sommerferien bietet er Fledermausführungen an. Dann in den benachbarten Stadtparks in Bilk und Oberbilk. Dabei laden er und seine Frau Judith Funk (43) Interessierte dazu ein, im Florapark und im Volksgarten mehr über die interessanten Tiere zu erfahren. Über deren ausgeprägtes Sozialverhalten, über ihre exponierte Stellung innerhalb der Biodiversität, aber auch über deren möglichen Schutz. Das Besondere: der vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) ausgebildete Fledermausbotschafter ist ehrenamtlich als Fledermausschützer, der sich unter anderem um verletzt oder verwaist aufgefundene Tiere kümmert, in der Stadt tätig.

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Tatsächlich sei er eigentlich über einen Umweg zu den Fledermäusen gekommen, erzählt Hoehne und holt etwas weiter aus. Weil der 45-Jährige seit über 25 Jahren hauptberuflich Kinderzaubertheater spielt und das Kostüm eines seiner Protagonisten – dem zahnlosen Vampir Tiberius Schlabberzahn, der stadtweit Kultstatus genießt – ein wenig auch dem Aussehen einer Fledermaus ähnelt, wurde er von den jungen Besuchern seiner Auftritte immer wieder auch nach den nachtaktiven Säugetieren gefragt.

Hoehne besorgte sich Literatur zum Thema und war selber schnell von den mitunter winzigen, nur vier Gramm schweren Tieren fasziniert. Nicht nur, weil die weltweit rund 900 Fledermausarten – gut zehn davon sind in Düsseldorf, 22 davon in Deutschland heimisch – bis heute erstaunlich wenig erforscht und zudem massiv vom Aussterben bedroht sind. „Schuld daran ist unter anderem der erhöhte Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft“, sagt Hoehne. „Der somit verursachte Rückgang von Insekten nimmt den Fledermäusen häufig die Nahrungsgrundlage.“ Für Hoehne ein weiterer Grund, sich seit 2012 eingehend mit dem Thema zu beschäftigen.

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Natürlich kommen bei seinen unterhaltsamen Führungen, die immer auch ein wenig den Charakter eines Openair-Events haben, die Detektoren, die die Ultraschalllaute der Tiere hörbar machen, zum Einsatz. Andererseits aber versorgt Hoehne die bis zu 100 Teilnehmer bei kleinen Mitmach-Spielen auch mit Basiswissen zu den Tieren und weiteren Details zum Thema Geruchswahrnehmung und Hörempfinden der Tiere.

Von Zwergfledermäusen und dem großen Abendsegler etwa, von Rauhautfledermäusen und der Wasserfledermaus. Und nicht nur bei den zahlreichen Anrufen, die Hoehne als Ansprechpartner täglich über die Hotline der Seite fledermausschutz.de erreichen, auch bei seinen Führungen räumt er auf mit Vorurteilen über Fledermäuse. Etwa dem, dass sich die Tiere gerne in langen Haaren verfingen. „Ganz genau das Gegenteil ist der Fall“, sagt Hoehne. „Der extrem ausgefeilte Peilmechanismus per Ultraschall ermöglicht Fledermäusen, sich bestens im nächtlichen Luftraum orientieren zu können.“ Nur Regisseur Roman Polanski sorgt mit seiner 1967 veröffentlichten Horrorkomödie „Tanz der Vampire“ für die Verunsicherung.

INFO - Ein Zauberer mit Herz für Fledermäuse

Vita Der in Düsseldorf geborene Guido Hoehne (45) arbeitet seit über 25 Jahren als Comedy- und Zauberkünstler im Bereich Kinderkultur. An Schulen bietet er zudem Workshops und wissenschaftliche Experimentalvorträge zum Thema Klimawandel an, um Schüler auf unterhaltsame sowie anschauliche Art für das Thema zu interessieren und zu sensibilisieren.

Im Netz https://www.facebook.com/pg/comedyartist/events/

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Quelle: RP