Trotz Coronavirus weiterhin in Düsseldorf geöffnet

"Friseure sind systemrelevant!"

Trotz Coronavirus weiterhin in Düsseldorf geöffnet: "Friseure sind systemrelevant!" Trotz Coronavirus weiterhin in Düsseldorf geöffnet: "Friseure sind systemrelevant!" Foto: Shutterstock, Didecs / Alessandro Braia, Carolin Hofer, Apostolos Bailas

UPDATE, 23. März 2020: Wie am Sonntag bekannt gegeben wurde, gelten seit Montag einheitliche Regeln für Dienstleistungsunternehmen: Cafés, Restaurants und Kneipen sind fortan zu schließen. Geschlossen werden müssen ebenso Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Dienstleistungsbetriebe für Körperpflege. 

UPDATE, 22. April 2020: Ab dem 4. Mai werden wieder Haare geschnitten. Alle Infos findet ihr hier! 

Friseure wieder geöffnet: Haare schneiden, färben und föhnen während Corona-Krise Friseure wieder geöffnet Haare schneiden, färben und föhnen während Corona-Krise Zum Artikel »

Hier der ursprüngliche Artikel über die Friseure in Düsseldorf:

In der Gastronomie gab es einen Aufschrei, weil Restaurants anders als Discos und Clubs, weiterhin geöffnet bleiben sollen bzw. dürfen. Dann sind da natürlich noch die Supermärkte, Apotheken und Drogerie-Märkte, die weiterhin geöffnet bleiben sollen und müssen, um die Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten aufrecht zu erhalten. Verständlich! Ebenfalls weiterhin geöffnet: Friseure. Das erzeugt bei vielen Fragezeichen. Dabei herrscht in der Friseur-Szene Uneinigkeit. Die einen haben ihre Betriebe „auf eigene Kosten“ berteits geschlossen, andere würden gerne schließen, fürchten aber dann keine finanziellen Hilfen zu bekommen und nach der Corona-Krise vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Und es gibt auch welche, die über jeden Tag froh sind, an dem sie noch Kunden empfangen dürfen. Zu dieser Gruppe gehören auch Apostolos Bailas und Carolin Hofer. Alessandro Braia sieht es anders.

Es sind eigenartige Zeiten. Vor allem, wenn man das Haus verlässt und in den Supermarkt oder zum Bäcker geht. Überall soll ein Mindestabstand von 1,50 Meter gehalten werden. Doch wie ist das bei Friseuren? Wie soll der Nacken, das Gesicht oder die Kotletten rasiert werden, die Augenbrauen gezupft oder die Haare anständig geschnitten werden? Apostolos Bailas (Foto, rechts) betreibt mit Bailas Contemporary Coiffure an der Achenbachstraße 131 einen einzigartigen Salon. Hier wird immer nur eine Kundin oder ein Kunde vom Chef persönlich betreut. Es gibt also nur einen Stuhl. Keine Mitarbeiter. Keine Azubis. Trotz aller Hygiene-Maßnahmen und obwohl die Kunden in der Regel alleine in sein Geschäft ankommen, hat er zurzeit ein mulmiges Gefühl: „Mit der Hygiene war ich schon immer sehr kleinlich. Nun habe ich noch einen draufgelegt. Ständiges Desinfizieren, dazu kein Händeschütteln, keine Umarmungen.“ Das fällt Apostolos Bailas jedoch schwer:

Friseur-Besuch ist ein emotionales Erlebnis

„Die Kunden kommen zu mir nicht nur, um ihre Haare zu schneiden. Der Friseur-Besuch ist ein emotionales Erlebnis. Unsere Kanzlerin sagte in ihrer Rede am Mittwoch, dass unsere Berufsgruppe zu denen gehört, die weiterhin arbeiten darf, ja vielleicht sogar muss. Unter den ersten Reaktionen gab’s viel Kopfschütteln und Unverständnis. Doch wir verkaufen nicht nur Haarschnitte, Haarfarben und Frisuren. Wir verkaufen Schönheit, gute Laune und ein besonderes Wohlbefinden. Das ist in schwierigen Zeiten wie den heutigen sehr wichtig für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Daher sind Friseure systemrelevant, wie es auch Angela Merkel in ihrer Rede angemerkt hat.“ Bis zu dieser Rede am vergangenen Mittwoch liefen die Geschäfte auch ganz normal. Im Anschluss kamen die ersten Absagen:

„So lange ich darf und die Gesundheit mitspielt, möchte ich weiterhin arbeiten. Damit dies auch so bleibt, bitte ich meine Kunden den Termin nur wahrzunehmen, wenn sie sich absolut gesund fühlen und keinerlei Kontakt zu kranken Personen hatten. Ich habe in meinem Atelier alle möglichen Vorkehrungen getroffen und werde versuchen so viel Abstand, wie möglich zu halten. Bevor wir zum Begrüßungsgetränk und die Beratung übergehen, bitte ich meine Kunden im desinfizierten Becken gründlich die Hände zu waschen.“

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Immerhin nur um eigenes Schicksal kümmern

Dass er keine Angestellten hat, lässt Apostolos Bailas einigermaßen ruhig schlafen. Denn wenigsten muss er sich, wie viele andere Besitzer von Friseur-Salons, keine Sorgen um die Angestellten machen: „Ich möchte jetzt nicht in der Haut meiner Kollegen stecken, die 3, 4 oder mehr Mitarbeiter haben und diese erstmal auf Kurzarbeit runterstufen oder gar entlassen müssen. Ich höre aus der Friseur-Szene, dass es vielen Chefs sehr schwer fällt. Daher bin ich erleichtert, dass ich mich immerhin nur um mein eigenes Schicksal kümmern muss.“

Carolin Hofer Coiffeur über jeden Tag froh

Auch Carolin Hofer (Foto, mitte) hat ihr sehr schönes Geschäft auf der Königsallee 27 noch geöffnet. Bei Carolin Hofer Coiffeur hat sie momentan neun Mitarbeiter - davon drei Azubildende. Die Reaktion der Kunden ist bei ihr total gegensätzlich. Die einen sagen ab, weil ihnen die Ansteckungsgefahr des Coronavirus Angst macht und sich so fast stündlich die Termine ändern. Die anderen haben davor Angst, dass sie keine passende Frisur, Farbe, Strähnen mehr bekommen, bevor die erwartete Ausgangssperre in Kraft tritt und wollen am liebsten sofort einen Termin. Insgesamt kamen in den letzten Tagen etwa ein Drittel weniger Kunden, was auch dabei half die notwendigen Maßnahmen zu treffen:

„Dadurch, dass weniger Kunden da sind, können wir die Abstände der Bedienungsplätze auf etwa drei Meter vergrößern. Desinfektion von Geräten und Handdesinfektion gehören natürlich zum Standard und Gesichtsbehandlungen wie Wimpern oder Augenbrauen färben und Make-up werden zurzeit nicht mehr durchgeführt.“

Und wie finden es die Angestellten, dass der Salon noch geöffnet hat?

„Die Begeisterung hielt sich anfangs in Grenzen, bis dann allen klar wurde, was Kurzarbeit bedeutet. Nämlich 60 Prozent vom Netto-Gehalt. Und damit sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“

Die Corona-Krise bedeutet für Carolin Hofer eine wirtschaftliche Katastrophe mit allen Folgen. Dennoch gibt sie nicht auf und freut sich über jeden Tag, den sie geöffnet haben darf.

Alessandro Braia sieht es anders

Alessandro Braia (Foto, links), Inhaber des Salons Haarscharf auf der Grafenberger Allee 143 und stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Düsseldorf, sieht die Situation ganz anders. Er findet es nicht gut, dass die Friseure weiterhin geöffnet haben:

„Wir haben einen direkten Kontakt mit den Kunden. Das Risiko der Virus-Übertragung ist bei uns enorm. Wir können auch nicht den vorgegebenen Abstand halten, da wir sonst unsere Arbeit nicht verrichten können. Anfang März sind schon viele Kunden nicht gekommen oder haben ihre Termine abgesagt und in den letzten Tagen sind die Kundenbesuche rapide gefallen.“

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Er kann es seinen Mitarbeitern auch nicht wirklich erklären: „Denn es wird immer wieder darauf hingewiesen, wenig bis gar keinen Kontakt zu anderen Menschen zu haben!“ Was Alessandro Braia am meisten stört ist nicht nur der Einbruch im geschäftlichen Sinne: „Es geht auch an die Psyche. Die Angst gepaart mit Ungewissheit plagt uns enorm!“

Und wie geht es weiter?

„Wenn ich andere Länder beobachte, ganz besonders mein Heimatland Italien, dann sollten wir auf gar keinen Fall dieselben Fehler machen. Deswegen ist eine komplette Ausgangsperre mit drastischen Konsequenzen richtig, wenn die Regeln nicht befolgt werden. Zudem sollte alles geschlossen werden. Bis auf Supermärkte, Apotheken und Krankenhäuser. Nur so haben wir die Chance das Virus einigermaßen in Griff zu bekommen.

Auch wenn die Drei eine unterschiedliche Meinung zur derzeitigen Situation haben, sind sie sich in einem einig: Friseur sein ist kein Beruf, es ist eine Berufung!

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