Zu Pfingsten unterwegs in der Düsseldorfer Altstadt

Party trotz Pandemie

Zu Pfingsten unterwegs in der Düsseldorfer Altstadt: Party trotz Pandemie Zu Pfingsten unterwegs in der Düsseldorfer Altstadt: Party trotz Pandemie Foto: Hans-Juergen Bauer
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Restaurants und Kneipen an der längsten Theke der Welt sind wieder geöffnet. Von den alten Umsätzen sind die Wirte noch weit entfernt. Aber der Andrang am Samstagabend war groß – und der Mindestabstand spätestens in den Schlangen vor den Imbissbuden vergessen. Ein Rundgang.

Wer als Türsteher in der Altstadt arbeitet, der muss viel diskutieren. Richy macht den Job schon lange und hat damit eigentlich kein Problem, doch die Corona-Verordnungen stellen ihn vor eine neue Herausforderung. Der breit gebaute Türsteher von „Peters Treff“ steht am Eingang der Kneipe und setzt sich mit zwei jungen Männern darüber auseinander, ob sie erneut das Kontaktformular ausfüllen müssen, wenn sie später zurückkehren. Beide sind angetrunken, haben ihren Mundschutz abgenommen und stehen direkt vor dem Türsteher.

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Es wird an diesem Samstagabend nicht das letzte Mal sein, dass Richy so ein Gespräch führen muss. „Die Leute halten sich nicht an die Regelungen und man muss sie immer wieder daran erinnern“, erzählt der Türsteher und zuckt müde mit den Schultern, während er den Stapel mit den Zetteln ordnet, an denen sich die Gäste laut behördlicher Vorschrift eintragen müssen, um im Falle eines Corona-Ausbruchs auffindbar zu sein. Hinter ihm hängen zwei große, gelbe Schilder, die an die Maskenpflicht und den Mindestabstand von 1,5 Meter erinnern.

Der Türsteher berichtet, dass sich die Besucher zunehmend weniger an die Anweisungen halten wollen: „Anfangs waren die Leute noch vorsichtig. Jetzt ist es vielen egal. Dass die Beschränkungen weiter gelockert wurden, macht die Sache nicht unbedingt einfacher.“

Um die Beobachtungen des Türstehers zu bestätigen, reicht ein Rundgang durch Düsseldorfs legendäres Partyviertel zwischen Bolker- und Ratinger Straße. Restaurants und Kneipen dürfen wieder öffnen, wenn sie sich an die Hygienevorgaben halten. Das gilt in den meisten Fällen auch für reine Bars ohne Speiseangebot, es darf aber nur noch an Tischen bedient werden. Die meisten Läden sind wieder in Betrieb. Discotheken wie das Oberbayern müssen noch auf die Erlaubnis der Behörden warten. Erstmals fährt an diesem Wochenende auch die Rheinbahn wieder mit dem vollen Nachtfahrplan – so langsam kommt die Altstadt wieder in Gang.

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Zusammenkünfte von bis zu zehn Personen sind ab diesem Samstag in NRW ebenfalls wieder erlaubt. Davon wird reichlich Gebrauch gemacht: Viele größere Gruppen spazieren durch die Straßen und entlang des Rheinufers. Im Vergleich zu sommerlichen Samstagabenden vor der Pandemie ist die Altstadt immer noch spürbar weniger besucht, dennoch kommt es auch immer wieder zu größeren Ansammlungen, bei denen von Mindestabstand nichts mehr zu sehen ist. Das beste Beispiel ist die Treppe am Burgplatz, einer der klassischen Treffpunkte der Altstadt. Die Menschen sitzen eng an eng auf den Steinstufen und genießen mit Bier in der Hand den Sonnenuntergang – fast wie in alten Zeiten.

Ein Zeichen für eine Normalisierung ist es auch, dass die Situation im Laufe des Abends zunehmend unübersichtlich wird. Mit dem steigenden Promillespiegel der Besucher wächst die Unbekümmertheit. Von Polizei und Ordnungsamt, die Kontrollen angekündigt haben, ist wenig zu sehen. Vor allem in Fast-Food-Restaurants und vor den Imbissbuden kommt es zu Gedränge. Auf engstem Raum warten die Menschen aufs Essen, manchmal mit, manchmal ohne Maske. Schilder an den Fensterscheiben erinnern auch hier an die gebotene Abstandsmarke von 1,5 Metern, aber meistens dürften es nicht einmal 30 Zentimeter sein, die die Menschen trennen. Wegen des großen Andrangs kommen die Mitarbeiter mit ihren Ermahnungen nicht mehr hinterher.

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Finanziell bedeutet die rege Kundschaft für die Gastronomen nur ein erstes kurzes Durchatmen nach der Zwangsschließung, berichten sie. „Unter der Woche ist quasi gar nichts los. Das Restaurant haben wir deswegen auch nur für fünf Stunden geöffnet“, erzählt Yalcen Süfer, Betreiber vom „Colopic Ristorante“. „Wir machen zurzeit die Hälfte unseres normalen Umsatzes, aber müssen weiter die volle Miete zahlen. Das kann so einfach nicht funktionieren.“

Auch die Wirte sind weiterhin in Sorge. Wegen der Abstandsregelung können sie nicht so viele Tische anbieten wie sonst, aber das ist für manche gar nicht das größte Problem. „Wir haben hier eigentlich genug Platz, aber das bringt uns nichts, wenn die Leute nicht kommen“, sagt Peter Schilden, der Inhaber vom Weißen Bären, und deutet auf die leeren Tische vor seinem Lokal. „Das Öffnen lohnt sich im Moment nicht wirklich. Aber was sollen wir machen?“ Mit tiefen Sorgenfalten im Gesicht steht Schilden an der Theke und beobachtet, wie die Menschen vorbeischlendern.

Viele von ihnen haben Flaschen oder Becher in der Hand, der Verkauf von Alkohol außer Haus ist in der Altstadt ebenfalls wieder erlaubt, weil das Düsseldorfer Verwaltungsgericht das Verbot für nicht zulässig erklärte. „Das Ganze war eh Quatsch. Letztes Wochenende bin ich einfach zwei Stationen mit der Bahn gefahren, habe mir im Supermarkt Bier geholt und bin wieder zurück in die Altstadt“, berichtet Sebastian, der mit fünf Bierflaschen unter dem Arm einen Kiosk verlässt. Dann verschwindet er wieder im Gewimmel auf der Bolkerstraße.

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Quelle: RP