21 Teilnehmer in Amsterdam

Generalprobe für Düsseldorf

21 Teilnehmer in Amsterdam: Generalprobe für Düsseldorf 21 Teilnehmer in Amsterdam: Generalprobe für Düsseldorf Foto: NDR
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Bunt, schrill, jung – und sehr unterschiedlich: Bei "Eurovision in Concert" in Amsterdam gaben 21 Teilnehmer schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was die Fans in den Halbfinals und im Finale in Düsseldorf erwartet.

So etwas hat es wohl selbst in Europas Metropole Amsterdam selten gegeben. Fast 1000 Zuschauer bilden eine lange Schlange vor dem Club "Air". Sie alle sind zur "Eurovision in Concert"-Show gekommen, um schon rund vier Wochen vor dem eigentlichen Wettbewerb die Auftritte von 21 Teilnehmern des Eurovision Song Contests zu erleben und sich somit die Wartezeit auf das große Musikereignis in Düsseldorf zu verkürzen. Nun müssen sie allerdings wegen technischer Probleme erst einmal fast 90 Minuten warten. Dann dürfen die Fans rein – und werden wenig später für ihre Geduld belohnt. Denn schon zum Auftakt bringt Armeniens "Emmy" mit viel Eurovision-Flair, einem eingängigen Refrain und schrillem Outfit die Zuschauer in Stimmung. Ihre Taktik geht auf: Der Refrain "Boom Boom chaca chaca" geht schnell ins Ohr, das Publikum singt spätestens beim zweiten Refrain mit. Emmy besteht ihre erste Prüfung vor Europa.

Eine Prüfung, die an diesem Abend – bei der größten Generalprobe vor den ESC-Finalwochen – schon erste Hinweise liefert, mit wem in Düsseldorf zu rechnen sein wird. Der Abend ist damit auch ein Pflichttermin für die ESC-Fans, die in Amsterdam das erste Mal in diesem Jahr zusammen feiern können. "Man gewinnt Freunde aus ganz Europa, der Song Contest begeistert und verbindet uns", erzählt Dermot Manning, der seit 1993 jeden Song Contest live erlebt hat. So feiern sich die Fans in den Pausen, in denen ein DJ Eurovision-Lieder der vergangenen Jahre auflegt, auch selbst. Sie singen lautstark mit, als Moderatorin Esther Hart "One More Night" vorträgt, mit dem sie 2003 die Niederlande vertrat. Und sie lachen herzhaft, als der deutsche Komiker Sascha Korf in der Pause Nicoles Siegertitel "Ein bisschen Frieden" nicht singt, sondern höchst unterhaltsam als Uptempo-Pantomime vorträgt.

Albanien und Malta

Der Komiker muss sich hinter dem Malteser Glen Villa und seinen beiden Tänzern nicht verstecken, die kurz darauf die spektakulärste Choreographie des Abends abliefern – und das mit Sonnenbrillen in der ohnehin schon recht dunklen Diskothek. Albaniens Aurela Grace setzt den Reigen der Powerfrauen fort. Mit vollem Einsatz steckt sie mit ihrem Lied "Feel the Passion" das Publikum an. Es ist ein glaubhafter Aufruf zur Leidenschaft. Sie wolle noch gerne weitersingen, sagt sie am Ende ihres Auftritts und bleibt mit diesem Wunsch nicht die Einzige an diesem Abend.

Auf tiefgründige Textzeilen hoffen die ESC-Fans vergeblich: Nach Emmys "Boom Boom" macht auch der 21-jährige Finne "Paradise Oskar" da keine Ausnahme. Nach seinem ersten charmanten Großangriff auf Europas Schwiegermütter namens "Da Da Dam" lobt er jedoch das Publikum: "Ihr seid das beste Publikum, das ich je hatte." Der Finne macht sich ein bisschen Mut, er weiß: Statt der 1000 Zuschauer im "Air" erwarten ihn in Düsseldorf im Mai 35 000 Zuschauer. Diese Herausforderung teilt er mit vielen seiner jungen Mitstreiter. Für die meisten ist der Auftritt ihr erster Gehversuch auf europäischer Bühne.

Zypern und Österreich

So zeigen sich bei der Veranstaltung auch gleich die Kräfteverhältnisse unter den ESC-Nationen, zwischen Newcomern und Etablierten. Nadine Beiler (Österreich) und Anna Rossinelli (Schweiz) sind schon einen Schritt weiter, ihre Balladen sitzen. Und wenn es im "Air" erlaubt wäre, würde wohl der eine oder andere Zuschauer sein Feuerzeug zücken. Dafür reicht es bei anderen Künstlern (noch) nicht. So merkt man Christos Mylordos (Zypern), dem Letten-Duo "Musiqq" und auch der Ukrainerin Mika Newton an, dass sie in den kommenden Wochen noch an ihrer Bühnenpräsenz arbeiten müssen.

Eine besondere Lehrstunde gibt es von "Blue". In Abwesenheit einiger Mitfavoriten – unter anderem fehlt die deutsche Starterin Lena – kann die hoch gehandelte britische Popgruppe "Blue" beim Publikum punkten. Die Briten, die in den 90ern schon an der Seite von Elton John sangen, sorgen für den eindrucksvollen Schlusspunkt des Abends, der endet, wie er mit "Emmy" begonnen hatte: mit einem ambitionierten, eingängigen Refrain. "I can", ruft die erwachsen gewordene Boygroup "Blue" für Großbritannien selbstbewusst in den Saal. Und zeigt damit vor allem eines: Dass sie in Düsseldorf auch gewinnen kann.

Quelle: MEYEL LÖNING