Malmö

Songcontest-Marathon startet in Malmö

Malmö: Songcontest-Marathon startet in Malmö Malmö: Songcontest-Marathon startet in Malmö Foto: dpa, mop cv
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Wenn die Wettbüros zum "Eurovision Song Contest" richtig liegen, dann war der diesjährige Gewinner-Song gestern 13.30 Uhr zum ersten Mal auf der riesigen Bühne in der Malmö-Arena zu hören: Emmelie de Forest könnte mit dem leicht balladenhaften Song "Only Teardrops" den Grand Prix nach Dänemark holen.

Der Song besticht durch typische ESC-Erfolgselemente wie Windmaschine, Panflöten-Folklore und stampfende Trommeln, vor allem aber auch durch die 20-jährige blonde Dänin, die offenbar international so überzeugend ist wie zuletzt Lena 2010.

Malmö fest in Blondinen-Hand: Der Eurovision-Countdown läuft Malmö fest in Blondinen-Hand Der Eurovision-Countdown läuft Zum Artikel » Der 58. Eurovision Song Contest, bereits der fünfte in Schweden, fällt mit Rücksicht auf die Kosten etwas kleiner aus als seine Vorgänger in Baku und Düsseldorf. Dafür leistet sich der schwedische Sender SVT eine eigene Hymne zum ESC. Die ließ er sich von den beiden früheren "Abba"-Frontmännern Benny Andersson und Björn Ulvaeus schreiben, die vor knapp 40 Jahren den ESC mit "Waterloo" gewannen, und von DJ Avicii arrangieren. Zu hören sein soll die Hymne erst beim Finale am 18. Mai.

Ansonsten ist beim ESC 2013 vieles wie in den Vorjahren: Ralph Siegel ("Ein bisschen Frieden", 1982) kann es immer noch nicht lassen und darf erneut für San Marino antreten, obwohl er 2012 nicht einmal das Finale erreichte. Valentina Monetta, die schon in Baku und Düsseldorf ihr Glück versuchte, muss diesmal ein Siegel-Liedchen mit dem Titel "Crisalide" vortragen, in dem Siegel italienischen Schmacht-Pop mit Disko-Beats mischt.

Deutsche ESC-Entscheidung: Cascada fährt nach Malmö Deutsche ESC-Entscheidung Cascada fährt nach Malmö Zum Artikel » Großbritannien nutzt den ESC erneut als musikalisches Dschungelcamp, in dem Größen von gestern recycelt werden. Nach Engelbert im Vorjahr (Platz 25 von 26) ist es diesmal Rockröhre Bonnie Tyler, die mit "Believe In Me" ein nettes, harmloses und einigermaßen chancenloses Liedchen anstimmt. Die inzwischen 61-Jährige nimmt es locker, weil es eine gute Reklame für ihr aktuelles Album ist. Im Interview mit einem deutschen Privatradio verriet sie kürzlich, dass das Schminken in ihrem Alter nun jeden Tag länger dauere, aber: "Gott sei Dank gibt's Botox, dazu stehe ich."

Zu Tylers Ehrenrettung ist zu sagen: Botox ist bei vielen ESC-Teilnehmern vor allem aus den osteuropäischen Ländern noch die harmloseste aller Gestaltungssünden. Zur Folklore gehören neben geschmacklosen Kostümen auch die jährlichen Mätzchen aus Weißrussland, wo Dikator Alexander Lukaschenko gern Songs und Interpreten persönlich auswechselt oder von der Europäischen Rundfunk-Union dazu gezwungen wird. Die 2012 gefeuerte Alyona Lanskaya darf diesmal singen, aber natürlich ein wieder einmal geändertes Lied, das mit etwas Glück beim ersten Semi-Finale am 14. Mai rausfliegt.

Das kann "Glorious" von Cascada nicht passieren – der deutsche Beitrag ist fürs Finale gesetzt. Die ARD hat nach mehrmaligem Hören beschlossen, dass es bei "Glorious" nicht um ein missglücktes Plagiat des schwedischen Sieger-Titels "Euphoria" von Loreen handelt. Beide Songs jedoch im Finale zu hören, wird die deutschen Chancen nicht vergrößern, auch wenn die Wettbüros Cascada aufgrund der europäischen Beliebtheit noch unter den ersten zehn Titeln sehen.

Mit Spannung darf man erwarten, wie sich die Niederlande diesmal schlagen. In den vergangenen Jahren gaben sie sich mit Auftritten von Comic-"Frau Antjes" und Indianerverkleidungen erfolgreich alle Mühe, schon vor dem Finale rauszufliegen, was diesmal schade wäre. "Birds" der niederländischen Rocksängerin Anouk ist musikalisch sicher einer der besten Songs, aber sehr ESC-untypisch. Anouk hält ihr Lied für einen "Killersong", ihr letzter echter Hit war jedoch "Nobody's Wife" – ihr Durchbruch 1995.

Derzeit sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus zwischen dem dänischen und dem norwegischen Beitrag "I Feed You My Love" von Margaret Berger: Sie ist noch blonder als Emmelie de Forest, noch schmachtender (und das ohne Windmaschine), und ihr Lied ist mit rabiaten Elektro-Beats versehen.

Quelle: RP Online