Jazz-Festival in neuer Location

Sommer, Sonne, Jazz beim "Moers Festival"

Jazz-Festival in neuer Location: Sommer, Sonne, Jazz beim "Moers Festival" Jazz-Festival in neuer Location: Sommer, Sonne, Jazz beim "Moers Festival" Foto: TONIGHT.de/Robin d'Alquen
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Moers als Hochburg des Jazz. An den heißen Tagen über das lange Pfingstwochenende gab es viel Sonne, kühle Drinks und aufregende Konzerte. TONIGHT.de-Reporter Robin d’Alquen war für euch mittendrin, um die neue Location des "Moers Festival" etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Moers Festival auf neuem Gelände

voll (image/jpeg) Kaum Platz zum Relaxen. Hier ist noch Nachholbedarf fürs nächste Jahr! Pfingsten 2014. Temperaturen weit jenseits der 30 Grad, einzigartige Musik und entspannte Gesichter, wohin das Auge reicht. So wünschen es sich die Fans des traditionsreichen Festivals, eines der Highlights im jährlichen Jazz-Kalender. Daher ist es verständlich, dass vor allem alteingesessene Gäste – viele kommen seit über 20 Jahren regelmäßig – sich schwer taten mit den neuen Rahmenbedingungen, die durch den Wechsel des Festivalgeländes zustande gekommen sind. Vorher im Schlosspark umgeben von viel Grün, jetzt in einer umgebauten Tennishalle mit vielen anliegenden Parkplätzen. Hier sorgten vor allem die neuen Platzverhältnisse für viel Gesprächsstoff bei den zahlreich erschienen Besuchern.

Es war alles eine Spur enger im ersten Jahr nach dem - von vielen in ins Herz geschlossenen - Zirkuszelt. Anstelle eines Rundgangs über das große Gelände an den Händlern vorbei, endete man dieses Jahr häufig in einer Sackgasse. Das Sichtreibenlassen durch die Menge war weniger entspannt als aus der Vergangenheit gewohnt.

bassmasse (image/jpeg) Eng geht es zu auf einer Bühne mit über 30 Kontrabässen.

Neue Bühne in neuem Licht

Aber genug gemeckert. Das "Moers Festival" hatte dieses Jahr auch Neues zu bieten, das sich als durchweg positiv bewerten lässt. Vorne weg, die Acoustic der neuen Halle. Der Sound wurde nahezu nahtlos in jede Ecke des Gebäudes transportiert und insgesamt wirkte die Bühne deutlich internationaler und professioneller. Das ist nicht unbedingt nötig gewesen, machte aber phasenweise richtig Spaß. Vor allem die großen Ensembles dürften davon profitiert haben. Eines davon: die Eröffnungsnummer am ersten Tag. Sebastian Gramms "Bassmasse" hauchte mit einem Arrangement von über 30 Kontrabässen der Halle Leben ein und bescherte der neu geschaffenen Bühne eine Feuertaufe nach Maß. Ein erstes Highlight war dem Veranstalter damit gelungen und viele hofften bereits, dass sich das Niveau über die gesamten vier Festivaltage fortsetzen würde.

Finnische Balance

Beim Jazz ist es – auch wegen der vielen verschiedenen Geschmäcker – nahezu unmöglich, ohne Höhen und Tiefen im Programm auszukommen. Das finnische HipHop Trio "Julkinen Sana" war einer dieser Tiefpunkte. Da konnte auch die musikalisch einwandfreie Begleitung in Form der Ricky-Tick Big Band nicht viel rausreißen. Mit schnell gesprochenen finnischen oder schwer zu verstehenden englischen Texten hielt es nicht viele Leute auf ihren Sitzen, und die Halle leerte sich leider schnell. Naja, Tag eins war damit überstanden und dank den Jungs aus Finnland konnte der zweite Tag nur besser starten.

geiger (image/jpeg) Das "Orchestre National de Jazz" mit Olivier Benoit.

Ein kühles Bad an heißen Tagen

Neben der Musik geht es bei einem Festival natürlich noch um ganz andere Dinge: Eignet sich der Campingplatz für entspannte Stunden am Feuer? Gibt es genug Platz, um sich auszutoben? Kann ich auch Spaß abseits vom Festivalgelände haben?

Eines der größten Pluspunkte – bei Temperaturen von über 30 Grad – war dieses Jahr das Naturfreibad keine zehn Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt. Hier gab es eine ordentliche Abkühlung an den heißen Tagen über Pfingsten. Da der Eintritt für Festival-Gäste frei war, konnte man ein- und ausgehen, wann immer eine Ganzkörpererfrischung von Nöten war.

Die Ironie des Jazz

Frisch gebadet und gut gesonnt hat man sich dem Flair des Festivals voll hingeben können. Als ironisch anzusehen ist vielleicht, dass das mit Abstand beste Konzert – Sarah Neufeld und Colin Stetson als unschlagbares Bühnen-Duo – gratis in der Night-Session am Sonntag zu sehen war. Da kann man sich bei Ticketpreisen von 120 Euro (Festival) oder 60 Euro für die Tageskarte auch schnell mal fühlen wie in einem schlechten Film. Trotzdem, ohne den Einfluss der beiden Ausnahmekünstler hätte dem "Moers Festival" nicht nur ein Highlight gefehlt, sondern auch ein triftiger Grund, sich nächstes Jahr vielleicht doch wieder durch die zu engen Gassen treiben zu lassen. Also, vielleicht bis nächstes Jahr...