Äpfelschlaat in Düsseldorf

Wo sich alles um die Kartoffel dreht

Äpfelschlaat in Düsseldorf: Wo sich alles um die Kartoffel dreht Äpfelschlaat in Düsseldorf: Wo sich alles um die Kartoffel dreht Foto: Andreas Endermann
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Im Restaurant Äpelschlaat wird die Beilage zum Hauptgericht befördert. Die Kartoffel kommt in mehreren Varianten auf die Teller.

Eine Regel in der Gastronomie lautet, sich auf eine Spezialität zu konzentrieren. Hungrige Gäste mögen es gar nicht, erst Seite für Seite durch eine übertrieben lange Speisekarte zu blättern. Besser ist es, wenn sich ein Gast mit wenigen Blicken zurechtfindet und schnell etwas Leckeres für sich aussucht. Diese Ratschläge haben sich Anna Chyla und Carsten Reiners zu Herzen genommen, als sie sich mit ihrem Lokal "Äpelschlaat" an der Friedrichstraße selbstständig machten.

"Äpelschlaat", so erklären die Inhaber, sei Düsseldorfer Mundart und bedeute auf Hochdeutsch "Kartoffelsalat". Tatsächlich aber gibt es auch andere Schreibweisen. "Ähpelschlaat" zum Beispiel oder "Ähdähpelschlaat" - je nachdem, welcher Mundart-Fachmann gefragt wird. Aber wie auch immer: Touristen, Zugezogenen und auch manchem jüngeren Düsseldorfer dürfte das Wort fremd sein. Und so fragt Anna Chyla beim Aufnehmen der Bestellung meist als erstes: "Habt ihr schon gewählt oder darf ich euch die Karte erklären?" Erklären, bitte - denn Namen wie "Us'm Jahde", "Fleesch" und "Schlach et dech drop" erscheinen doch fremd.

"Wir reiben große Kartoffeln mit Salz und Öl ein, backen sie dann in einem Ofen", erklärt Chyla. Dann, so fährt sie fort, löffelt sie die gare Kartoffelmasse aus, um die Schale noch einmal im Ofen knusprig zu dünsten. Auf dem Teller wird beides wieder vereint und mit dem, was der Gast bestellt hat, angerichtet.

Zur Wahl steht eine vegetarische Variante (gebratenes Gemüse, Hartkäse und Tomatensalsa, 6,90 Euro) sowie vegane (mit Soja-Quark und Traubenkernöl, 5,50 Euro). Beides erinnert letztlich an den Klassiker "gebackene Kartoffel": Die aufgeschnittene Knolle ist bedeckt mit einer bunten Salatvielfalt, für die Optik gibt es frische Kleckse von Salsa und Quark auf den Teller. Lecker dazu: die hausgemacht, schön saure Limonade.

Jehacks on Tomätche

Zur Kategorie "Fleisch" gehört das noch recht einfache Gericht "Jehacks on Tomätche": Hackfleisch mit Tomatensoße, Hartkäse und Crème fraîche (6,90 Euro). Das "Jeflögelfleesch" aber ist ein echter gastronomischer Hit. Das Gericht mit Fleisch von Grillhähnchen, Rucola, Kirschtomaten, Ajvar und in Honig karamellisierten Nüssen ist köstlich - eine kuriose Mischung aus purem Kartoffelstampf wie bei Mutti, einer fruchtigen Süße und Nussgeschmack (7,90 Euro).

Eigentlich sehen die Gerichte nicht so aus, als könnten sie einen hungrigen Kerl satt machen. Die stärkehaltigen, großen Kartoffeln (etwa 400 Gramm schwer), das Fleisch und das Grünzeug füllen aber jeden Bauch schnell, so dass für einen Salat (ab 3,50 Euro, plus Gemüse oder Fleisch zwei Euro extra) oder eine Suppe (5,50 Euro) erst einmal kein Platz bleibt. Ob es aber einen Kartoffelkuchen gibt? Leider nein, sagt Anna Chyla. "Heute haben wir Kirschstreusel von meiner Oma." Wer da ablehnt, würde es bereuen. Der Kuchen ist köstlich kirschig, die Streusel knusprig, der Boden schön weich (2,50 Euro).

Das Äpelschlaat ist passend zum Speiseangebot eingerichtet. Die Holztische sind schwer und rustikal, die Wände sind verputzt mit einem Lehm-Stroh-Gemisch, aus dem die Halme noch herausragen - so wie es vor Jahrzehnten in Ställen und Bauernhäusern war.

Geschmückt wird das Lokal durch ein von der Decke hängendes Wagenrad aus Holz, an dem Blechkannen baumeln. In Regalen stehen Tonfiguren, auf den Tischen werden Kerzen durch übergestülpte Flaschenbäuche geschützt. Dieses Bauernladen-Design ist gemütlich und soll zudem betonen, dass Anna Chyla und Carsten Reiners ihre Ware fast ausschließlich von Landwirten aus der Region bekommen. "Denn wir sind im Herzen echte Rheinländer", sagt Carsten Reiners.

Quelle: RP