Butze in Derendorf

Das Kneipen-Kollektiv

Butze in Derendorf: Das Kneipen-Kollektiv Butze in Derendorf: Das Kneipen-Kollektiv Foto: C.Reichwein
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In der Butze in Derendorf läuft alles ein wenig anders. Zwar werden dort wie in jeder Kneipe Düsseldorfs literweise Alt und Cola ausgeschenkt, die Geschäftsphilosophie der Wirte will aber mit Grundsätzen des Kapitalismus brechen.

Eigentlich ist Michael Friebe von Beruf Grafiker. Und Sabine Reimann war bisher wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni. Jetzt sind die beiden Kneipenbesitzer - gemeinsam mit elf anderen Düsseldorfern, die damit ihrem alten Job den Rücken zukehren. An der Weißenburgstraße haben sie ihr neues Glück gefunden: Aus der alten Eckkneipe Derendorfer Faß haben sie die Butze gemacht, Düsseldorfs erstes Kneipen-Kollektiv, dessen Geschäftsphilosophie mit den Grundsätzen des Kapitalismus brechen will.

In dieser Kneipe gibt es keinen Chef

"Die Idee vom Kollektiv bedeutet, dass wir hier alle gleich dran verdienen. Jeder von uns bekommt den gleichen Lohn für seine Arbeit und wir haben auch keinen Chef", erklärt Sabine Reimann. Alle treffen alle Entscheidungen gemeinsam, alle bekommen gleich viel Geld, alle tragen die Verantwortung für das Gelingen des Projekts. Seit Anfang des Monats ist die Butze eröffnet, das Geschäft ist gut angelaufen, berichten Sabine Reimann und Michael Friebe. Eine gehörige Portion Idealismus braucht es wohl trotzdem, um ein Geschäft als Kollektiv fernab hierarchischer Strukturen zu führen. "Wir zeigen halt eine Alternative, wie es auch gehen kann", sagt Reimann. In ihren alten Jobs seien die meisten aus dem Kollektiv nicht auf die Dauer glücklich geworden, "viele von uns haben Leistungsdruck und Konkurrenzkampf unter den Kollegen erlebt. Hier ist das nicht so", sagt Reimann. Die Butze ist für sie und ihre Mitstreiter zur Utopie der perfekten Arbeitswelt geworden. Ob sie auch langfristig Erfolg bringt, bleibt allerdings nun erst einmal abzuwarten.

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"Dennoch sind wir bisher ganz zufrieden. Natürlich kann man von dem Lohn noch nicht leben, aber es ist bisher mehr rausgekommen, als ich erwartet hätte", sagt Michael Friebe. Ausgetauscht über das Geschäft fernab des üblichen Kneipen-Konzepts haben er und seine Mitstreiter sich auch mit anderen Cafés, natürlich ist Berlin hierbei wieder einmal Vorreiter. "Dort gibt es schon einige Kneipen, die als Kollektiv funktionieren, und sogar nicht nur Gastronomie sind, sondern richtige soziale Zentren, wo man sich trifft", sagt Reimann.

Tatortgucken und Sprachcafé

Das wünscht sie sich für die Butze auch. Die Leute sollen nicht nur kommen, um ein Bier zu trinken, sondern auch, um sich auszutauschen. Deshalb trifft man sich bereits jetzt sonntagabends zum Tatortgucken und zum Sprachcafé. "Am zweiten Weihnachtstag laden wir außerdem zum Brunch ein. Und der soll dann nach dem Pay-as-you-can-Prinzip funktionieren", sagt die Wirtin. Das bedeutet, jeder bezahlt einen Mindestpreis, darf aber, wenn er will, noch mehr dazugeben. Ob sowas wohl wirklich funktioniert? "Doch, doch, viele nutzen dieses Prinzip schon, zum Beispiel Museen", sagt Michael Friebe. Und in den allermeisten Fällen käme da wirklich mehr Geld als bloß der Pflichtteil zusammen.

Ganz ohne den Kapitalismus geht es aber auch beim Kollektiv nicht: Um das Vorhaben auch rechtlich korrekt auf den Weg zu bringen, mussten die Wirte eine Rechtsform auswählen - und entschieden sich für die GmbH. Ob für die Butze-Genossen nicht eine andere Form naheliegender gewesen wäre? "Nein," sagt Michael Friebe und lacht. "Die GmbH kommt tatsächlich unserer Vorstellung vom Kollektiv am nächsten. Eine Genossenschaft kam für uns nicht in Frage."

Es ist eben nicht alles sozialistisch in der Butze. Und auch die Wände sind nicht rot, sondern blau gestrichen.Butze, Weißenburgstraße 18, geöffnet di-sa 17 bis 1 Uhr, so 15 bis 23 Uhr, Infos gibt es unter www.butze.org.

Quelle: RP