Coronakrise in Düsseldorf

Mitarbeiter starten Rettungsaktion für die Zicke

Coronakrise in Düsseldorf: Mitarbeiter starten Rettungsaktion für die Zicke Coronakrise in Düsseldorf: Mitarbeiter starten Rettungsaktion für die Zicke Foto: Anne Orthen
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Jürgen Wahl geht es wie so vielen Gastronomen in Düsseldorf – er bangt um seine Existenz. Seit dem 18. März hat er das Bistro an der Bäckerstraße geschlossen. Sein Team hat einen Spendenaufruf gestartet.

Drei Teppichrollen lehnen im Eingangsbereich an der Wand, die Tische und Stühle hat Jürgen Wahl beiseite geräumt. Zwei Männer hocken auf dem Boden, der eine misst die Abstände bis zur Leiste, der andere zeichnet mit einem Stift Markierungen ein.

Jürgen Wahl und sein Team nutzen die Zeit, von der sie wegen der Corona-Krise momentan viel zu viel haben. Sie versuchen, das Beste draus zu machen, streichen die Wände und Decken, schleifen Türen ab, fixieren die Poster an den Wänden, restaurieren die bemalte Theke. Und hoffen, dass sie bald das Bistro Zicke an der Bäckerstraße wiedereröffnen können. Bis dahin kommen sie alle, der Koch und der Kellner, der Tellerwäscher und der Chef selbst – alle, ohne Geld dafür haben zu wollen, um die Zicke ein bisschen aufzuhübschen. Sonst ist dafür keine Zeit, ganz gleich, ob mittags oder abends: Selten bleibt ein Platz leer in dem Lokal.

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Weil Jürgen Wahl keinen seiner 35 Mitarbeiter entlassen wollte, wird es langsam eng mit den Finanzen. Er hat Kurzarbeit angemeldet, damit niemand gehen muss, die Gehälter für den letzten Monat vorfinanziert. Der 64-Jährige wollte bei seiner Bank einen Kredit beantragen, „aber ich muss mich gedulden, weil mein Sachbearbeiter im Urlaub ist“. Mit Bauchschmerzen schaut er auf das Monatsende, am 28. April muss er wieder Gehalt zahlen, 40.000 Euro, ohne auch nur einen Cent einzunehmen.

Kurz nachdem die Stadt die ersten Einschränkungen für das öffentliche Leben verfügt hatte, versuchte Jürgen Wahl noch, den Betrieb in der Zicke aufrechtzuerhalten. Ganz klein, für die Nachbarn, die immer zum Mittagessen kommen. „Aber das ist nicht wirtschaftlich gewesen“, sagt Wahl, der am 18. März die Türen der Zicke schloss.

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Ihm geht es wie so vielen anderen Gastronomen, die derzeit um ihre Existenz bangen. Deshalb haben seine Mitarbeiter einen Spendenaufruf gestartet, damit das Bistro die Krise überlebt. Am 26. März ist die Sammelaktion online gegangen, „an Jürgens Geburtstag“, erzählt Michelle Wellner (26) aus dem Service. Das sei schon eine Überraschung gewesen für den 64-Jährigen, dem das Ganze anfangs ein bisschen unangenehm war, der aber immer noch zutiefst gerührt ist, dass er so viel Unterstützung von seiner Crew und den Düsseldorfern erfährt.

Mehr als 7000 Euro sind bereits zusammengekommen, „damit kann ich einen Teil der Gehälter zahlen“, sagt Wahl, der eigentlich Rechtsanwalt ist und durch einen Zufall zur Zicke gekommen ist. Der damalige Eigentümer und der Geschäftsführer hatten einen bitterbösen Streit, Wahl kannte beide, versuchte zu vermitteln. Mit dem Ergebnis, dass der Jurist den Laden für fünf Jahre übernehmen sollte.

Aus den fünf Jahren sind fast 20 geworden, „ich erinnere mich noch gut, als ich den Vertrag unterschrieb“, sagt Jürgen Wahl: „An 9/11.“ Der Tag, an dem Terroristen Flugzeuge ins World Trade Center und das Pentagon steuerten, „wir waren nicht mal sicher, ob Gastronomie danach überhaupt noch funktioniert“.

Jürgen Wahls Angst war unbegründet, die Carlstadt ohne Zicke ist nicht mehr die Carlstadt. Loriot saß schon am Thresen, „und er trank mehr als eine Flasche Rotwein“, erzählt Wahl. 1993 ist das gewesen, von seinem Besuch zeugt ein Poster, das weit oben an einer Wand hängt, ein Poster, das für seine Ausstellung im Stadtmuseum gedruckt wurde. „Er hat es unterschrieben“, sagt der 64-Jährige. Der Gewerkschaftsfunktionär Frank Bsirske ist regelmäßig Gast, genauso wie die FDP-Oberbürgermeisterkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

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Es sind Künstler und Akademiker, Studenten und Handwerker, die in die Zicke kommen. Bunt gemischt, „so wie das Team“, sagt Jürgen Wahl, der eine Atmosphäre geschaffen hat, die irgendwo zwischen französischem Bistro und Berliner Eckkneipe ist. „Und wir versuchen, die Gäste mit unserem guten Essen und den Weinen zu überraschen.“ Alles ist selbst gemacht – das Zaziki und die Thunfischcreme, die Saucen und der Jus. Auf der Karte stehen Maultaschen neben Ochsenbäckchen. Es gibt feste Gerichte in der Zicke und immer eine wechselnde Mittags- und Abendkarte.

„Ich bin abenteuerlustig, esse das, was ich nicht kenne“, sagt der 64-Jährige. Wichtig ist für ihn, dass das Essen Ausdruck und der Koch Charakter haben. Jürgen Wahl ist eben ein Mann, der das Kochen nicht gelernt hat, für den Essen aber Leidenschaft ist, die er mit seinem Team teilt und seinen Gästen.

Jeden Tag schaut er sich den Wetterbericht an, kann anhand der Sonnenstunden und Temperatur sagen, wie viel er eingenommen hätte. Wie lang die Zwangspause noch dauert, das weiß er nicht, viel Hoffnung hat er nicht, dass es schnell weitergeht. „Vielleicht können wir Mitte Mai öffnen, normal wird es dann aber frühestens wieder im Juni sein“, sagt Wahl. Weitere Infos zur Zicke gibt es hier.

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