Gastronomie

Alles neu in der Altstadt

Gastronomie: Alles neu in der Altstadt Gastronomie: Alles neu in der Altstadt Foto: Andreas Bretz/Grafik: KLXM.DE
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Eines ist in Düsseldorfs guter Stube beständig: der Wechsel. In den vergangenen Wochen haben etliche Lokale und Cafés geschlossen. Das Gute: Es dauert nie lange, bis der Nächste kommt und sich an einem neuen gastronomischen Konzept versucht.

Karte Altstadt Veränderungen Juli 2011 (image/jpeg) Zum Vergrößern auf die Lupe klicken! Dass die Altstadt ein problematisches Pflaster hat, wissen wir seit kurzem. Dass sie auch ein schwieriges Pflaster ist, hingegen schon seit langem. Restaurants kommen und gehen, Cafés öffnen und schließen, auf Fisch wird Fleisch, und aus Schnitzeln werden Tacos. Und in der Bergerstraße steht ein Chinese neben einer Bratwurst neben einem Koreaner neben einem Mexikaner ... Doch der Reihe nach: Die Gastronomie wird derzeit heftig durcheinandergewirbelt. Ein Rundgang über die längste Theke der Welt.

Offenbar rechnet sich auch in einer gut gehenden Café-Kette nicht jedes Haus: Das Woyton hat seine Filiale in der Grabenstraße nahe dem Wilhelm-Marx-Haus dichtgemacht. Statt Kaffee gibt es dort jetzt die passendere Garderobe zum Kaffeetrinken: Eingezogen ist ein Modegeschäft. Damit setzt sich der Trend fort, dass die Grabenstraße immer mehr zu einer Mini-Modemeile entwickelt.

Woyton-Freunde haben es aber nicht sehr weit: In der Mittelstraße kann der Kaffeedurst gestillt werden. Des Weiteren hat die Kette sieben Shops in Düsseldorf.

Aus der berühmten Künstlerkneipe Marktwirtschaft an der Benrather Straße vis-à-vis des Carlsplatzes soll ein Nobellokal werden. Die legendäre Wirtin Bim Reinert war vor wenigen Wochen gestorben. Bevor dort Edelfisch und feinste Weine serviert werden, ist allerdings erst einmal ein Umbau von Nöten. Für den Durchblick und für schöne Einblicke sollen breitere Fenster sorgen.

Das Le Pain Quotidien an der Ecke Carlsplatz / Berger Straße hat dichtgemacht. Für Betriebsleiter Arthur Fuchs lief der Ableger einer belgischen Butterbrotkette alles andere als gut. Fazit: Nach nur einem Jahr und neun Monaten ist Schluss. Derzeit verabschiedet sich das Team per Brief am Eingang von seinem Publikum: "Leider mussten wir die Entscheidung treffen, das Restaurant zu schließen. Falls Sie frühstücken oder zu Mittag essen wollen, empfehlen wir Ihnen gerne das Bastians gegenüber."

Das Unternehmen Apeiron Restaurant und Retailment Management hatte in der Landeshauptstadt testen wollen, ob das Angebot mit französischen Spezialitäten in Deutschland angenommen wird. Und anfangs klang es auch noch danach, dass das Konzept funktioniert: Kunden können Brot und Backwaren einkaufen, aber auch gleich vor Ort frühstücken oder zu Mittag essen. Zuletzt häuften sich allerdings Klagen über den Service.

Wer dem "täglichen Brot" (so die Übersetzung von pain quotidien) treu bleiben möchte, dem werden die Filialen am Münchner Gärtnerplatz und am Frankfurter Flughafen ans Herz gelegt. Na ja, wenn man mal in der Nähe ist. Dem Vernehmen nach zieht ein Italiener in die Räume an der Berger Straße – dann wird das Gleichgewicht zwischen italienischen und spanischen Restaurants in der Altstadt wiederhergestellt.

Schwein gehabt – oder nicht? Ein paar Meter weiter Richtung Rathaus wurde an der Berger Straße aus einem Schnitzelladen ein Mexikaner. Der asiatische Kellner dort sah sich am Donnerstag allerdings nicht in der Lage, über das Ola Mexico zu plaudern: "Ich habe keine Zeit. Bin allein hier." Die hohe Miete war der Hauptgrund für den Auszug des "Schnitzelhubers" nach fünf Jahren. Ein anderer: Das zum Teil aggressive Publikum in der Altstadt. Ob das Geschäft unter den Fittichen des mexikanischen Adlers besser läuft? Draußen warteten gestern Mittag zehn Gäste auf Tacos und Enchilada. Drinnen saß niemand.

Nur wenige Meter weiter, ebenfalls in der Berger Straße, das umgekehrte Bild: Draußen vor der Pforte des Shangri-La saß nur ein einzelner Gast; drinnen brummte der Laden. China schlägt Amerika – nicht nur in der großen Wirtschaft: Nach der Pleite des kurzlebigen US-Lokals Hooters (auffällig waren nur die Kellnerinnen in extrem knappen Hot Pans) ist die Besitzerin des Nachfolgers Shangri-La, Liushu Zhu, zufrieden: "Es läuft gut hier." Anscheinend stimmt das Konzept: "Essen so viel Sie wollen" zum Festpreis (statt Neudeutsch "all you can eat"), und das bei einer Auswahl an mehr als 50 Gerichten: "Wir mixen hier die Küchen aus China, Japan, Thailand, Malaysia und Indonesien. Nur der Nachtisch ist europäisch."

Traurig der Anblick des geschlossenen Pilsner Urquell an der Marktstraße: Die Getränkekarte ist abgehängt, die Türe bleibt geschlossen, nur der Schriftzug zeugt von besseren Zeiten der Kneipe in bester Rathausnähe. Weder zum plötzlichen Garaus noch zu einer Reanimation der urigen Wirtschaft mochte sich der geschäftsführende Gesellschafter Frank Marliani gestern äußern: "Darf ich nicht." Erst vor anderthalb Jahren war die Kneipe von der Graben- zur Marktstraße gezogen.

Der Hummer als Firmenlogo klebt noch an der Hauswand, doch statt Schalentiere und Fisch werden an der Ecke Bolkerstraße / Hunsrückenstraße Steaks und anderes deftiges Grillgut serviert. Gosch war gestern, BBQ Grill ist heute. Es ist kein Geheimnis, dass Flaschenkontrollen und Baustellenslalom das noble Sylter Fischnetzwerk vertrieben haben. Aber auch "BBQ"-Geschäftsführer Ingo Hackbarth ist nicht gut auf die Stadt und deren Auflagen zu sprechen.

Fleisch statt Fisch, wie verkauft sich das? "Wenn Gosch am Wochenende die Läden schließt, dann fangen wir erst richtig an", sagt Hackbarth. "Hier kann man aber nicht einmal richtig Werbung machen. Das ist eine der problematischsten Ecken in der Altstadt. Aus der Not geboren, erwarten die da oben, dass wir von der Gastronomie erst einmal Millionen reinstecken, damit der Laden läuft."

Die Metamorphose der Gastronomie ist damit gewiss noch nicht beendet. Aber in der neuen, sich wandelnden Altstadt wird ja bekanntlich nicht einmal das Altbier alt...

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Quelle: RP