Rheinturm-Barkeeper Claus Liebscher

Ein guter Cocktail entsteht nicht an der Bar

Rheinturm-Barkeeper Claus Liebscher: Ein guter Cocktail entsteht nicht an der Bar Rheinturm-Barkeeper Claus Liebscher: Ein guter Cocktail entsteht nicht an der Bar Foto: Andreas Bretz
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Eigentlich wollte er Physiker werden, doch jetzt mixt Claus Liebscher Cocktails im Rheinturm – trotz Höhenangst.

Er hat schon einen ganz besonderen Arbeitsplatz. In 172,5 Metern Höhe managt Claus Liebscher die Bar Qomo im Rheinturm und hat dabei den besten Blick über die Stadt. „Hier zu arbeiten, hätte ich mir früher niemals vorstellen können“, sagt er. Gerade am Anfang war die Höhe seiner Wirkungsstätte eine große Herausforderung für den Barmixer. „Ich bin bis heute nicht so richtig schwindelfrei. Auf einem drei Meter hohen wackeligen Baugerüst stehen, das geht gar nicht. Aber bei 172,5 Meter massivem Beton bin ich relativ schmerzfrei, selbst wenn der Rheinturm oben schwankt.“ Schlimmer sei das Aufzugfahren gewesen. „Wenn man innerhalb kurzer Zeit oft hoch- und runterfahren muss, wird einem schon mal dizzy und wenn sich zusätzlich die Plattform des Restaurants dreht, wird es noch schlimmer.“

Der ausgiebige Blick aus den Panoramafenstern gehört für Liebscher zum Tagesablauf. „Ich finde es jeden Tag aufs Neue faszinierend, welche Aussicht sich bietet.“ Er schaut dem vorbeifliegenden Falken zu, der dort nistet, beobachtet die Jachten, die im Hafen anlegen und wirft ein Auge auf das Feuerwehr- und das Polizeiboot. Und bei besonderen Veranstaltungen wie dem japanischen Feuerwerk oder der großen Kirmes hat der 35-Jährige einen Logenplatz. „Ich kann sogar den ‚Rhein in Flammen’ in Köln sehen.“

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Der Mixologe hat ein großes Interesse an dem, was er sieht, und kann viele Fragen zur Stadt beantworten. „Stadtpläne haben mich schon immer fasziniert.“ Und auch wenn Liebscher nicht im Turm ist, scheint dieser sein Mittelpunkt zu sein. „Immer wenn ich in Düsseldorf unterwegs bin, schaue ich, ob ich den Turm sehe. Meine Freundin findet das immer sehr lustig.“

Eigentlich wollte Liebscher Physiker werden. Während seines Studiums in Münster arbeitete er in einer Kneipe an der Bar, da wurde seine Leidenschaft für die Gastronomie geweckt. In Dortmund wurde er ins kalte Wasser geworfen, als er in einer Bar alleine für alles verantwortlich war. „Ich habe unter der Theke mit dem Smartphone nach den bestellten Cocktails gegoogelt“, erzählt er lachend. Eine Barschule oder Cocktailkurse hat er nie besucht. Was er kann, hat er sich selber beigebracht und von einem Koch gelernt, bei dem er gearbeitet hat. „Ein guter Cocktail entsteht nicht an der Bar, sondern davor. Viele Zutaten für die Cocktails mache ich selber, wie zum Beispiel den Sirup. Gute Qualität ist mir wichtig. Damit heben wir uns im Qomo auch von anderen ab“, so der 35-Jährige.

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Auch wenn Liebscher das Physikstudium nicht beendet hat, das Interesse an der Naturwissenschaft hat ihn nie verlassen. Mit Begeisterung erzählt er davon, wie sich die Gesetze der Thermodynamik auch in seinem Job anwenden lassen und er es hinbekommt, dass außen am Glas Eisstückchen wachsen. Und auch für Biertrinker hat der Barmanager gleich einen Tipp parat. Warmes Bier lässt sich ganz schnell herunterkühlen indem man die Flasche in Eiswürfel steckt und mit Zuckerwasser übergießt.

Der 35-Jährige liebt es, zu experimentieren und neue Zutaten oder Verfahren auszuprobieren. So entstehen seine neuen Kreationen wie der „Top of Düsseldorf“. „Das ist ein ganz leichter und beschwingter Drink. Schmittmann-Korn wird mit dem zitrusnotigen Sansho-Pfeffer gewürzt und mit Soda aufgegossen. Wie der Düsseldorfer ist der Drink spritzig und prickelt. Dekoriert wird er mit Blattgold. Das darf in Düsseldorf nicht fehlen.“ Für Liebscher hat der Cocktail eine innere Schönheit, bei der die Zutaten wie Puzzleteile zusammenpassen.

Und wenn Liebscher mal nicht im Qomo ist, freut er sich über seine Wohlfühlzeit zu Hause. Dann geht er seinem großen Hobby, dem Kochen nach, und genießt einen Sherry, den er immer im Kühlschrank hat. „Der ist meine heimliche Leidenschaft. Als ich zum ersten Mal einen getrunken habe, war das wie Liebe auf den ersten Schluck.“

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Quelle: RP