Karges Angebot an Bars und Restaurants

Oberbilk braucht mehr junge Gastronomie

Karges Angebot an Bars und Restaurants: Oberbilk braucht mehr junge Gastronomie Karges Angebot an Bars und Restaurants: Oberbilk braucht mehr junge Gastronomie Foto: www.die-kassette.de
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Das Angebot an Bars und Restaurants ist bislang karg. Junge Unternehmer wie Tobias Wecker wollen das ändern.

Eigentlich müsste Oberbilk zahlreiche moderne und erfolgreiche Lokale haben. Der Stadtteil ist durch den Hauptbahnhof perfekt zu erreichen, und die Parkplatzsituation ist nicht ganz so schlecht wie etwa in Pempelfort. Außerdem hat Oberbilk mit Flingern und Bilk zwei Nachbarn, in denen die Gastro-Szene lebendig und modern ist, so dass es einen regen Ideenaustausch geben könnte. Trotzdem ist Oberbilk ein schwieriges Pflaster für Gastronomie.

kassette_andreas endermann (image/jpeg) An der Flügelstraße betreibt der ehemalige Volkswirt Tobias Wecker seit Sommer 2012 die Bar "Kassette". Foto: Andreas Endermann Das hat auch Tobias Wecker gemerkt. Der ehemalige Volkswirt wollte sich mit seiner Geschäftspartnerin Kim Thurau den Traum von einer eigenen Bar verwirklichen. Mit einem leerstehenden Lokal im Blick sondierten die beiden die Lage. "Wir gingen in die Kneipen rund um die Oberbilker Allee und sprachen mit Anwohnern", sagt Wecker. Er erfuhr, dass die jüngeren Oberbilker zum Ausgehen nach Flingern und Bilk gingen und er entschied, dieser Abwanderung etwas entgegenzusetzen. Im Sommer 2012 eröffneten Wecker und Thurau die Bar "Kassette".

Gelungene und gescheiterte Übernahmen

Nur ein paar Ecken von der "Kassette" entfernt zeigt der Gangelshof, dass Wirte mit Neueröffnungen in Oberbilk schnell scheitern können. Türen und Fenster des Traditionslokals an der Oberbilker Allee sind seit einem Jahr verschlossen. Mehrere Gastwirte hatten versucht, den Gangelshof zu bewirtschaften, hielten aber kaum länger als ein Jahr durch. Zuletzt versprach eine erst 25-jährige Gastronomin mit ihrem Team, dem Gangelshof neues Leben einzuhauchen. Aber nach wenigen Monaten seien die Mietzahlungen ausgeblieben, berichtete Karsten Wüsthoff, Besitzer des Lokals. Er beendete den Vertrag. Eine Gangelshof-Wiedereröffnung ist nicht in Sicht.

Aber die Übernahme eines Oberbilker Traditionslokals kann auch erfolgreich sein. Im Sommer nahmen Ralf und Janek Prähofer die Zügel des damaligen "Ohme am Markt" in die Hand. Zwar gaben die beiden Brüder der Gaststätte einen neuen Namen – nämlich "Boderhähz" – aber große Veränderungen nahmen die Prähofers nicht vor. "Wir arbeiten in einem gutbürgerlichen Stadtteil, und wir servieren gutbürgerliches Essen – die Einrichtung soll dieses Image auch widerspiegeln", sagt Ralf Prähofer. An den Wänden des Lokals hängen noch immer Regimentsflagge und Königskette vom St. Sebastianus Schützenverein.

Auch der dunkle Holzboden sowie die rustikalen Möbel betonen, dass das Broderhähz an Traditionen festhält. Damit steht das Broderhähz nicht allein da. Auch andere Oberbilker Gaststätten legen Wert auf rustikale Einrichtungen und gutbürgerliches Essen – das Gambrinus an der Oberbilker Allee etwa, oder das Locos an der Linienstraße. Die Lokale sind bei den Oberbilker Stammgästen beliebt, gelten aber für Jugendliche und Studierende als wenig innovativ.

"Bier der Woche"

Kassette - Düsseldorf Bar Kassette Mehr Infos » Tobias Wecker und seine Partnerin Kim Thurau hingegen machten die "Kassette" mit vielen Ideen zu einem besonderen Lokal. Von Schallplatte spielen sie mit Soul der 1960er-Jahre und Indie-Pop der 90er ausschließlich Musik jenseits des Mainstreams, und der Bar-Raum ist mit bequemen Möbeln vom Trödel eingerichtet. Statt stets die gleichen Getränke gibt es Abwechslung mit dem "Bier der Woche".

"Es ist interessant, wie erfolgreich kleine Ideen mit wenig Aufwand sein können", sagt Wecker. Mehr Arbeit hingegen machen die regelmäßig stattfindenden Live-Konzerte mit Musikern aus vielen Ländern Europas.

Die Aktionen haben sich herumgesprochen. Zuweilen kommen zu den Konzerten so viele Besucher, dass sie auf der Straße stehen müssen. Inzwischen konnte das Geschäftsduo die Öffnungszeiten auf die Werktage ausdehnen. So rückte die "Kassette" bereits nach einem Jahr in die Gewinnzone. Eines freut Tobias Wecker besonders: "Unsere Gäste kommen nicht ausschließlich aus Oberbilk, sondern auch aus Bilk und Flingern", sagt der 32-Jährige.