Battlefield 4 im Test

Willkommen zurück, Commander

Battlefield 4 im Test: Willkommen zurück, Commander Battlefield 4 im Test: Willkommen zurück, Commander
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Gewaltige Multiplayer-Schlachten, taktischer Tiefgang in Gefechtssituationen, ein Sound wie aus einem Spielfilm und eine Grafik, bei der jeder Spieler ins Staunen gerät. Der schwedische Entwickler Dice und Publisher Electronic Arts läuten die nächste Runde im Zweikampf mit Call of Duty ein. Ein Battlefield-Veteran, Michael Grünewald, und eine Battlefield-Newbie, Ludwig Jovanovic, machen den Test.

Michael, der Veteran: Was fällt einem ein wenn man an Battlefield denkt? Große Karten, viele Waffen, 64 Spieler auf einem Server, Panzerfahren, Helikopterfliegen und eine Einzelspielerkampagne. Eine Einzelspielerkampagne? Genau, denn wie bereits in Battlefield 3 erfüllen die Entwickler ihre Pflicht und spendieren dem Shooter einige mehrstündige Solomissionen. Genauso lieblos, wie es sich anhört, waren die Missionen dann auch. Trailer und Gameplay-Videos der neuen Kampagne in Battlefield 4 ließen die Spieler mehr erhoffen.

Zugegeben, Battlefield sieht mal wieder grandios aus, hat packende Actionszenen und auch Missionen die mir noch etwas länger im Gedächtnis bleiben werden, dennoch fehlt der Geschichte der Tiefgang und die Emotion, um den Spieler wirklich fesseln zu können. Zudem umfassen die sieben Missionen lediglich eine Spielzeit von 5-7 Stunden. Ein bisschen dürftig.

Ich muss gestehen, ich bin ein großer Fan der Battlefield-Reihe. Ich habe alle Vorgänger ausgiebig gespielt, aber eine Solokampagne habe ich nie vermisst. Dafür sind für mich Spiele wie Half-Life, Prey oder Bioshock zuständig, nicht der Multiplayer-Shooter Battlefield. Aus diesem Grund möchte ich auch beim neuesten Ableger nicht zu viele Worte über die zugegeben durchschnittliche Einzelspielerkampagne verlieren, sondern mich direkt auf das Wesentliche konzentrieren – die Multiplayergefechte.

Ludwig, der Newbie: Was ist das denn, Dice? Die Solo-Kampagne sieht zwar überragend auf der Konsole aus. Aber das ist nicht mehr als ein Demo. Eine lange Demo. Schaut her, was Battlefield 4 alles sein kann. Danke Dice, aber dafür hätte eine längere Mission gereicht. Von einer Solo-Kampagne erwarte ich mehr, als dass ich die Rolle eines gesichts- und sprachlosen Squad-Leaders übernehme, dessen Untergebenen ohnehin tun, was sie wollen, selbst die Befehle geben oder sogar noch vor mir als Vorgesetzten in geheime Missionen eingeweiht werden.

Ein wenig komme ich mir wie ein kleines Kind vor, der für präzise Schüsse ein Lob erhält. Quasi einen virtuellen Lutscher für das Battlefield-Küken und dann geht es weiter gegen Reihen von Gegner. Weder die blassen Charaktere noch die inhaltsleere Story motivieren mich aber, weiterzumachen. Ich habe es getan, weil ich es tun muss. Aber selten habe ich etwas Langweiligeres und Uninspirierteres gespielt als diese Solo-Kampagne. Ich verstehe es nicht. Man hat sehr viel Aufwand betrieben, um alles zu inszenieren. Optik und Sound sind beeindruckend. Das Drehbuch aber fehlt.

Bitte Dice, beim nächsten Mal lasst die Solo-Kampagne weg oder lernt endlich, dass sie mehr sein kann als ein notwendiges Übel. Betrachtet es doch mal als eine Art Bonus für die Spieler. Bei der Call-of-Duty-Konkurrenz scheint man sich bei Ghosts mehr Gedanken gemacht zu haben.

Levolution = Evolution?

Michael, der Veteran: Eines der großen neuen Features, die in Battlefield 4 integriert wurden, ist "Levolution". Eine Mischung aus Level und Evolution. In der Praxis bedeutet das: Im Laufe einer Partie verändert sich das Level-Design signifikant. Dadurch soll mehr Dynamik und Abwechslung in die Partien kommen. Auf der Karte "Paracel Storm" zum Beispiel rammt ein amerikanischer Flugzeugträger in einem aufkommenden Orkan eine Insel und verändert dadurch die Gegebenheiten auf der Karte enorm. Oder im Häuserkampf in Shanghai kollabiert mitten im Spiel ein mehrere hundert Meter hoher Wolkenkratzer ins Hafenbecken, wodurch ein neuer Kontrollpunkt entsteht, um den sich beide Teams duellieren müssen.

Die oben erwähnten Veränderungen sind nur ein paar Beispiele dafür, wie sich das Spiel während einer Mehrspielerpartie verändern kann. Schon bekannt aus dem Vorgänger, aber natürlich wieder mit von der Partie, ist die Möglichkeit, Wände, Dächer oder Häuser dem Erdboden gleich zu machen. Durch die neue Generation der Frostibe Engine, durch die Battlefield 4 noch ein bisschen besser aussieht als der dritte Teil, ist noch mehr Zerstörung möglich.

Am Ende einer Runde ist die Karte kaum mehr wiederzuerkennen. Besonders Einsteiger könnten dadurch Probleme haben, sich in Battlefield 4 zurecht zu finden. Die Schlachten werden durch diese beiden Aspekte deutlich dynamischer, aber eine Revolution für Multiplayershooter sind diese beiden Features mit Sicherheit nicht.

Ludwig, der Newbie: Viele Jahre habe ich einen Bogen um die Mehrspieler-Kampagnen gemacht. Zu hektisch, zu nervig, zu langweilig – was soll ich da? Ich will Spiele genießen, nicht völlig geschafft sein. Nun wage ich den ersten Versuch. Und der Einstieg ist auch für Neulinge schnell möglich. Man drückt ein wenig auf den Gamepad herum, findet sich dann aber sehr schnell zurecht. Dann das erste Gefecht: Ich habe den Aufklärer gewählt – weil ich lieber im Hintergrund bleibe. Und nach zehn Sekunden ist meine Partie beendet, weil mich jemand abgeschossen hat, noch bevor ich mich überhaupt auf der Karte im hektischen Durcheinander orientiert habe. Das erzeugt Frust. Sogar echten Controller-Wegwerf-Frust.

Aber gut, der zweite, der dritte, der vierte, der fünfte Versuch – und es gelingt mir immer besser. Tatsächlich ist es nicht egal, welche Rolle man übernimmt. Man muss lernen, diese Rolle auch auf dem Schlachtfeld zu übernehmen. Als Aufklärer gewinne ich mit jeder Partie mehr einen Blick dafür, wo eine taktisch günstige Position ist. Ich lerne, auf meine Squad zu achten und erahne langsam, wo sich Gegner verstecken könnte. Das verhindert nicht, dass ich mehrmals abgeschossen werde. Aber es dauert immer länger, bis es so weit ist, und ich gehe nicht mehr wehrlos unter, sondern hole auch einige Punkte.

Ich gebe zu, meine Vorurteile waren unberechtigt. Nach dem Frust-Tief zu Beginn macht es tatsächlich Spaß, in den Multiplayer-Kampagnen aufzusteigen. Es ist eine sportliche Herausforderung. Allerdings muss man bereit sein, eine Menge einzustecken. Buchstäblich. Es dauert eben etwas, bis man gelernt hat, in Battlefield erfolgreich zu sein. Zumindest halbwegs erfolgreich. Und es macht sehr viel mehr Spaß als die Solo-Kampagne, die dadurch noch enttäuschender wirkt und noch mehr in meinem Ansehen sinkt.

Hilfe von Oben

Wer schon seit Battlefield 2 der Serie treu die Stange hält, wird sich noch daran erinnern können, wie viel Spaß es macht, in die Rolle des Commanders zu schlüpfen. In dieser Rolle ist es dem Spieler möglich, die Truppenbewegungen dank Radar zu beobachten und das eigene Team mit Versorgungskisten, Luftschlägen und Aufklärung zum Sieg verhelfen zu können. Dice hat die Battlefield-Veterane, die sich dieses Feature zurückgewünscht haben, erhört und spendiert dem neusten Ableger der Serie erneut einen Commander-Modus. Ab Level 10 kann sich jeder Spieler für diesen Posten bewerben. Der mit den meisten Stimmen gewinnt und darf von da an die Truppen passiv unterstützen. Auf Tablets ist es sogar möglich mitzuspielen, ohne am Computer sitzen zu müssen, eine tolle Idee.

In Sachen Spielmodi hat sich im neuen Battlefield hingegen nicht viel getan. Abgesehen vom Obliberation-Modus ist alles beim Alten geblieben. In Obliberation müssen die beiden Teams eine auf der Karte platzierte Bombe finden, sie zu einem Gegnerischen Ziel bringen und detonieren lassen. Welchem Team das drei Mal in einer Runde gelingt, entscheidet das Scharmützel für sich. Neben vielen neuen freischaltbaren Objekten, Waffen und Erweiterungen hat sich im Vergleich zu Battlefield 3 in dieser Hinsicht nicht viel getan.
Never change a winning team

Dass sich in spielerischer Hinsicht in Battlefield 4 nicht besonders viel getan hat, stimmt. Dennoch war bereits der dritte Teil der Serie, besonders in Verbindung mit den fünf DLCs, als Multiplayer grandios gut. Der neue Ableger der Battlefield-Familie hat alles, was der Vorgänger zu bieten hatte – aber eben mit ein paar Extras. Aus diesem Grund kommen Fans der Serie am neuen Teil nicht vorbei, und Neueinsteiger bekommen das beste Battlefield, das je gab.

Abzuwarten bleibt, in wie weit sich mit DLCs und neue Karten das Spiel in Zukunft entwickelt. Bereits in einem Monat erscheint die erste Erweiterung "China Rising". Freunde von taktischen Shootern haben aber bereits jetzt alles, was man für einen spannenden Abend an der Konsole oder dem PC braucht. Auch wenn eine Kinoreife und fesselnde Story bei Battlefield 4 fehlt. Einziger Wermutstropfen: So hundertprozentig stabil läuft Battlefield auf Konsolen nicht immer. Nach einigen Stunden auf der PS3 friert das Spiel gerne mal ein.  

Screenshots Call of Duty: Ghosts 10 Fotos