Child of Light im Test

Was reimt sich auf "super"?

Child of Light im Test: Was reimt sich auf "super"? Child of Light im Test: Was reimt sich auf "super"?
Von |

Child of Light im Test Was reimt sich auf "super"? 11 Fotos

In Child of Light wird viel gereimt. Tatsächlich endet jeder der vielen Dialoge im Spiel auf einem Reim. Das wirkt öfters befremdlich, hin und wieder lustig: Vor allem wenn der Harlekin Rubella mal wieder derbe im Reim daneben langt und von Heldin Aurora korrigiert wird.

Aber fangen wir vorne an, am Anfang der Geschichte: Die rothaarige Aurora lebt ein ansehnliches Leben als Prinzessin, während ihr Vater glücklich zusammen mit ihrer Mutter für den Wohlstand des Königreichs sorgt. Natürlich währt der Frieden nicht lange: Väterchen liebäugelt mit einer neuen „Dame“, während Aurora von einer düsteren Krankheit dahingerafft wird.

Glück im Unglück: Anstelle zu sterben, erwacht die rothaarige Prinzessin im weißen Kleid in einer anderen Welt, während ihr Vater in der Realität am Kummer um seine Tochter zerbricht. Da heißt es Beine in die Hand genommen und ab auf eine ganz besondere Heldenreise!

Wir haben doch keine Zeit!

Child of Light ist eine extrem wohlschmeckende Mischung aus 2D-Plattformer mit Knobel- und Geschicklichkeitseinlagen auf der einen, sowie einer gehörigen Portion Rollenspiel auf der anderen Seite. Berührte Feinde werfen Euch auf den Kampfbildschirm, wo das aus alten Final Fantasy Zeiten bekannte Active-Time-Battle (ATB) auf Euch wartet: Harrt aus bis Aurora und ihre Freunde an der Reihe sind, wählt eine Option und wartet auf ihre Ausführung.

3682_f8a77065cdd4b2386b4d1eab836b1cdc_800x600r (image/jpeg)

Alle am Kampf beteiligten Figuren teilen sich dabei eine Zeitleiste, auf der die symbolisierten Köpfe nach vorne ziehen. Taktiert wird in Sachen „Geschwindigkeit“: Ein Schwertstreich ist fix ausgeführt, ein Wasser- oder Heil-Zauber hingegen benötigt schon mehr Zeit. Werdet Ihr beim Aufladen Eurer vorbereiteten Attacke vom Feind getroffen ist die Chance groß, dass Ihr in der Zeitliste nach hinten geworfen werdet.

Doch dieser Spieß lässt sich natürlich auch umdrehen: Verlangsamt Eure Feinde und stört sie beim Aufladen mächtiger Attacken mit einem fixen Schwertstreich, um danach selbst die Initiative ergreifen zu können. Später könnt Ihr Eure Geschwindigkeit erheblich erhöhen und Eure Feinde per Zauber verlangsamen, ein Schwertstreich von Norah kann Gegner gar paralisieren.

Ein bunter Haufen: Auroras Entourage

Ihr merkt schon: Aurora ist auf ihrer Reise durch das wunderliche Lemuria nicht alleine unterwegs. Gleich zu Beginn stellt sich mit dem Glühwürmchen Igniculus der in Sachen Spielmechanik wichtigste Begleiter an ihre Seite. So dürft Ihr den kleinen, blauen Punkt mit dem rechten Analogstick vollkommen frei über den Bildschirm bewegen. In dunklen Höhlen spendet Euch Igniculus Licht, in Rätseln aktiviert er für Aurora unerreichbare Schalter und in Kämpfen verlangsamt er Eure Gegner.

Insgesamt schließen sich Euch im Laufe des Abenteuers sechs weitere Mitstreiter an, wobei Ihr mit dem „Golem DLC“ noch eine weitere Figur, inklusive Mini-Quest, freischalten könnt. Im Kämpfen können jedoch maximal zwei Figuren gleichzeitig gegen die düsteren Kreaturen antreten – per Befehl wechselt Ihr die Teammitglieder einfach im laufenden Kampf aus.

3686_9931497f27edae2bfda6f1548170a93c_800x600r (image/jpeg)

Die Rollenspiel-Komponente ist zwar seicht gehalten, verleiht Child of Light aber seinen ganz eigenen Charme: Absolvierte Kämpfe belohnen Euch mit Erfahrungspunkten, wobei Ihr extrem fix im Level aufsteigt. Lästige „Grindings“ entfallen beinahe vollkommen, jeder Mitstreiter kassiert Erfahrungspunkte, ob im Kampf beteiligt, oder nicht.

Beim Stufenaufstieg erhaltet Ihr darüber hinaus einen Talentpunkt: Sowohl Aurora, als auch Rubella, Finn und Co. verfügen über distinktive Talentbäume, in denen sich neue Kampffertigkeiten und passive Attributs-Verbesserungen erwerben lassen.

3684_1723075ee5e18fd82755183245eac877_800x600r (image/jpeg)

Um Eure Truppe weiter zu stärken greift Ihr auf ein simples „Crafting“-System zurück: In Lemuria erbeutete Edelsteine lassen sich zu stärkeren Versionen kombinieren und sorgen in drei unterschiedlichen Ausrüstungs-Slots für Elementarschaden (Waffe), magische Resistenzen und sonstige Boni.

Die Erforschung der Welt bietet nach wenigen Spielstunden einen wesentlichen Clou: Aurora kann fliegen! So schwingt Ihr Euch mit dem rothaarigen Mädel auf in die Lüfte, kämpft gegen Windströmungen an, oder werdet von Wasserfällen zurück auf den Boden der Tatsachen geholt.

Verdammt, das ist ein verdammt hübscher Burger, verdammt!

Wie Ihr schon auf den Bildern sehen könnt, ist Child of Light ein visuelles Meisterwerk: Die handgezeichneten Hintergründe in Wasserfarben-Optik sind so hübsch anzuschauen, dass ich während des Spiels mehrfach einfach stehen blieb und meine Kinnlade am Boden wiederfand. Was sich auf den Bildern leider nicht so schön wiedergeben lässt ist die Lebendigkeit dieser Welt: Kleine Büsche bewegen sich, riesige Windräder werden von Windböen erfasst und im Hintergrund wandeln Riesen über die verträumten Landschaften.

3683_03d01726d40372fc2ec94c047873a10c_800x600r (image/jpeg)

Überhaupt ist Ubisoft Montreal eine fantastische Kombination aus westlichem und japanischem Stil gelungen – eine Verbindung, die sich nicht oft erblicken lässt. Hinter Child of Light werkelt dieselbe Grafik-Engine, wie bereits in Rayman Origins und Rayman Legends: UbiArt Framework ist scheinbar ein hervorragender Spielplatz für handgezeichnete Figuren und Hintergründe.

Beinahe noch besser als die visuelle Seite gefiel mit der fantastische Soundtrack von Child of Light: Die kanadische Sängerin und Song-Writerin Béatrice Martin (besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Coeur de Pirate) entfacht ein Glanzstück aus tief-traurigen, meist von Geige, Cello und Piano begleiteten Arrangements. Auf Spotify könnt Ihr Euch davon auch selbst überzeugen.

Apropos „traurig“: Trotz des Namens und der bunten Bilder solltet Ihr Euch nicht beirren lassen, denn Child of Light zieht viel von seiner eher depressiven Grundstimmung. Immerhin müsste Aurora eigentlich tot sein und die Suche nach der Sonne und den Sternen in Lemuria ist manchmal so herzzerbrechend inszeniert, dass selbst gestählten Daddlern hin und wieder eine kleine Träne über die Wangen kullert.

3678_e806dedb6ef802581a86de61c8fd664d_800x600r (image/jpeg)

Dies ändert natürlich nichts daran, dass Child of Light ein fabulöses Spielerlebnis ist. Trotz des recht geringen Schwierigkeitsgrades (Rollenspiel-Profis wählen unbedingt den zweiten Schwierigkeitsgrad!) und der eher seichten Rollenspiel-Komponenten ist die gesamte Spielmechanik perfekt aufeinander abgepasst. Allen voran Forschernaturen werden in den teils sehr großen Gebieten immer wieder für ihre Neugierde belohnt.

Auch die Entscheidung keine Zufallskämpfe ins Spiel zu intergrieren, sondern alle Feinde sichtbar durch die Welt stapfen zu lassen, kann nur begrüßt werden: Im Gegensatz zum typischen, japanischen Rollenspiel fühlen sich Kämpfe hier nie aufgezwungen an.

Wo Licht, da auch Schatten

So viel Lob, so wenig Kritik: Tatsächlich finde ich in Child of Light nur wenige Punkte, welche mir im knapp 14 bis 16 stündigen Abenteuer missfallen haben. So vermisse ich eine „Speicher“-Option: Child of Light speichert scheinbar ziemlich oft ab, allerdings weiß ich nie genau wann ich das Abenteuer beruhigt schließen kann. Ebenso wenig habe ich mich an ein „neues Spiel“ gewagt – zu groß war die Angst vor einem Verlust des Speicherplatzes. Das hätte man besser lösen können!

Kritikpunkt 2 ist die Steuerung von Igniculus in Kämpfen: Standardmäßig lasst Ihr das Glühwürmchen über einem ausgesuchten Gegner schweben und verlangsamt diesen per gehaltener „L“-Taste. Dieses Halten der Taste verstärkt zwar das Gefühl im Kampf involviert zu sein, erweist sich auf Dauer jedoch nervig bis unpraktisch: Vor allem wenn Ihr beim Aktivieren von Zaubern und Aktionen den linken Trigger noch immer krampfhaft nach unter drückt.

3679_af7eabbd72bcf8546d9a49b3b822aa4e_800x600r (image/jpeg)

Viel gescholten wird die DLC-Politik seitens Ubisoft: Bereits zum Start von Day of Light wurden die Online-Stores mit mehr und weniger sinnvollen Erweiterungen überschwemmt. Die größte Menge dieser DLCs könnt Ihr getrost ignorieren, sie gewähren Euch lediglich Edelsteine und sonstige Goodies, die sich auch ganz normal im Spiel finden lassen. Einzig der bereits angesprochene Golem als neuer Charakter hat echten Nutzen für das Spiel: Mit 2,99 Euro ist dieser nicht wirklich billig, aber auch weit entfernt von „gnadenlos überteuert“.

Seht es mal so: Child of Light kostet mit 14,99 Euro nicht wirklich die Welt und bietet Euch stolze 15 Stunden hervorragender Unterhaltung. Da sind die knapp 3 Euro für den Golem eigentlich mehr ein „Danke!“ an den Entwickler, als eine fiese Abzocke Eurerseits.

Fazit:

Child of Light bekommt von mir 4 von 5 Glühwürmchen, 9 von 10 Sternen und eine Sonne obendrauf. Kurz: Einer der besten – ich scheue das Wort in Verbindung mit Ubisoft, aber die künstlerische Ausrichtung des Titels lässt mich nicht daran umher kommen – INDIE-Titel des Jahres und jeden Cent wert!

Child of Light ist erhältlich für PC, Xbox 360, Xbox One, PlayStation 3, PlayStation 4 und Wii U. Nebenbei könnt Ihr den Titel auch als „boxed“ Deluxe-Edition im Handel erwerben: Das Paket beinhaltet einen Download-Code für das Spiel, den Golem und „Dark Aurora“, sowie ein Artbook, eine Keychain, sowie ein fabulöses Child of Light Poster, gemalt von Final Fantasy Künstler Yoshitaka Amano.

3687_c8b2bb3ba892fd5546b4fdb0d9459790_800x600r (image/jpeg)

 

Die Child of Light Deluxe Edition (Box inklusive Download-Code) könnt Ihr hinter diesem Link auf amazon.de kaufen.