Civilization: Beyond Earth im Test | PC

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Civilization: Beyond Earth im Test | PC Hinter dem Mond gleich links 8 Fotos

"Beyond Earth" ist nach vier Jahren endlich der neueste Civilization-Ableger. Und weil die Erde zu klein geworden ist, besiedelt man gleich einen neuen Planeten. Potenzial genug für ein grandioses, episches, rundenbasiertes Strategiespiel. Nur leider wird das Potenzial nicht völlig genutzt.

Nachdem im vergangenen Jahr die bislang beste aller Civilization-V-Erweiterung, "Brave New World" veröffentlicht wurde, ist es nun tatsächlich eine "schöne neue Welt": Im jüngsten Sid-Meier-Ableger kolonisieren wir eine zweite Erde. Irgendwo da draußen zwischen den Sternen.

Klar, dass unser Planet mit den bekannten Kulturen und dem Prinzip, ein Volk der Steinzeit bis in die Hightech-Ära zu führen, irgendwann nur noch wenig neues Terrain bieten würde. Klar, dass der nächste Schritt der Aufbruch zu den Sternen sein würde, der in den Teilen zuvor ein mögliches Endszenario war.

Einen ersten Versuch dazu gab es bereits: 1999 mit Alpha Centauri. Doch das erfolglose Strategiespiel war angesichts seiner Komplexität und selbst für damalige Verhältnisse eher mittelmäßigen Grafik nur etwas für beinharte, geduldige Fans der Serie – die sich auf eine epische und teils abgedrehte Science-Fiction-Story einlassen konnten.

Nun kommt Civilization: Beyond Earth um die Ecke und es ist tatsächlich zugänglicher geworden als Alpha Centauri. Civilization-Fans werden sich sofort zurechtfinden. Bei der Grafik gibt es auch auf älteren Rechner kaum etwas auszusetzen. Die Grafik-Engine aus dem Vorgänger hat sich bewährt. Der neue Planet, die zweite Erde, sieht fremd genug aus, um den Forscherdrang und die Neugier zu wecken. Zumal der Planet von exotischen Lebensformen bevölkert wird, und es Spuren einer untergegangenen Hochkultur gibt.

Es sind die besten Zutaten für ein grandioses Spiel. Und das Kalte-Schauer-über-den-Rücken-Intro weckt die Lust darauf, eine völlig neue Zivilisation fernab der irdischen Grenzen aufzubauen.

Unterschiede zwischen den Völkern verwaschen

Danach wird man aber recht schnell von den Sternen auf den Boden zurückgeholt. Die Auswahl der Kultur, mit der man antreten möchte, wirkt überaus steril. Da gibt es beispielsweise Polystralien (Polynesien-Australien) oder Franko-Iberia (Europa). Das ist eine logische Fortführung der irdischen Machtbündnisse, die das Potenzial hätten, Kolonistenschiffe zu bauen. Das klingt zwar abwechslungsreich, aber durch die Wahl von drei aus fünfzehn unterschiedlichen Boni, die für alle Kulturen gleich sind, verwaschen die marginalen Unterschiede.

Die Individualität der Civ-Völker mit ihren historischen Anführern erreichen sie nicht. Zumal die gewählten Boni nur in den ersten Runden Vorteile verschaffen. Auf lange Sicht machen sie kaum einen Unterschied, weil man im Spiel selbst sehr viel bedeutsamere Weichen stellt.

Beispielsweise über die Wahl der Ideologie: "Vorherrschaft" sucht die Verbindung zwischen Mensch und Maschine, führt zu Cyborgs oder Kampfrobotern und ist bereit, das irdische Erbe hinter sich zu lassen – für eine neue Existenzform.

Wer "Reinheit" wählt, führt das irdische Erbe fort und möchte aus der neuen Welt mit allen technischen Mittel eine zweite Erde machen. Und die "Harmonie"-Hippies suchen die Verbindung zur Alien-Fauna, um mit ihr im Einklang zu leben – und kämpfen dafür später mit den exotischen Kreaturen. Nur sind diese Ideologien nicht an eine spielbare Gruppe gebunden, sondern können gewählt werden.

Mit anderen Worten: Es ist egal, welche Kultur ich spiele. Am Ende beugt sich jede Kolonie meinem Willen und verlangt keine eigene Spielweise.

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Dafür macht es Sinn seiner Ideologie treu zu bleiben und nicht ständig zu wechseln. Denn nur so gewinnt man die Vorteile, um aus dem Standard-Soldaten mit der Zeit eine schlagkräftige, der Ideologie entsprechende Elite-Einheit zu formen. Solche Verbesserungen wirken sich zudem nun nach der Auswahl automatisch auf alle Truppen eines Typs aus. Anders als bislang von Civilization gewohnt müssen die Verbesserungen nicht mühsam einzeln gekauft werden.

Die neuen Quests sorge für viel Abwechslung

Die Affinität zu einer Ideologie steigert man unter anderem über bestimmte Forschungsprojekte im neuen, opulenten Technologie-Netz. Zudem – und das ist neu – gibt es immer wieder Quests: Beyond Earth versorgt den Spieler ständig mit neuen Aufgaben, für deren Erfüllung Ihr Boni oder zusätzliche Ressourcen erhaltet.

Unter dieses Quests finden sich auch Entscheidungen, die Ihr treffen müsst: Hat man eine Erdölquelle entdeckt und fördert den Rohstoff, kommt die Frage, was man damit tun möchte. Es für die industrielle Produktion ausgeben oder damit den Lebensstandard der Bürger verbessern? Als Neuankömmling auf dem Planeten sind Ressourcen zunächst beschränkt und müssen überlegt eingesetzt werden.