Dark Souls 2 im Test

Auf die Plätze, fertig,... Tod!

Dark Souls 2 im Test: Auf die Plätze, fertig,... Tod! Dark Souls 2 im Test: Auf die Plätze, fertig,... Tod!
Von |

Dark Souls 2 im Test Auf die Plätze, fertig,... Tod! 8 Fotos

Keine Angst vor dem virtuellen Bildschirmtod: Obwohl Dark Souls 2 immer noch so schwer ist wie der Vorgänger, werden Neueinsteiger behutsamer in die faszinierend düstere Welt eingeführt. Für Spieler, die den ersten Teil verschlungen haben, ist der Nachfolger ohnehin ein „Muss“.

Die Dark Souls / Demon's Souls - Serie des japanischen Entwicklers From Software hat in den letzten Jahren für viel Diskussionsstoff gesorgt. Zum einen verbergen die Titel dank ihres europäisch geprägten, audiovisuellen Stils gekonnt ihre japanische Herkunft und erfreuen sich deshalb auch im Westen großer Beliebtheit, zum anderen gelten sie als „hartes Brot“, welches nur Joypad-Virtuosen und ausdauernd-masochistisch geprägte Spielernaturen genießen können.

Wo der fiese Schwierigkeitsgrad im ersten Teil noch schlicht „vorgegeben“ war, hat sich From Software die Spielmechanik mittlerweile zum Werbeslogan patentieren lassen: „Prepare to die!“ - „Macht Euch bereit zu sterben!“ lautet der Leitspruch der Titel, in denen Ihr anfangs selbst gegen Skelette und Zombies keine Chance habt, im Laufe des Abenteuers jedoch selbst übermächtig wirkende, teils mehrere Meter hohe Gegner wie lästige Mücken an die Wände klatscht. Übung macht den Meister... und diese Serie lässt Euch viel „üben“!

2931_f121fd7bb70a0c5580724eaea1383253_800x600r (image/jpeg)

Dementsprechend erhaben ist das Gefühl des Erfolgs, wenn mal wieder ein riesiger Drachen, oder ein mehrere Meter hoher Riese vor Euch im Staub landet: Ein Erfolg, den man sich selbst erarbeitet hat, ein Erfolg für den man zig qualvolle, virtuelle Tode sterben musste.

Die Faszination von Dark Souls wird auch im zweiten Teil wieder aufgegriffen: Mit polierter Spielmechanik, einigen netten Features für „Anfänger“, allgemein gestraffter Benutzerfreundlichkeit und einem ganz Schwall neuer Monstrositäten versucht die Fortsetzung an den Erfolg der ersten Teile anzuschließen. Operation gelungen? 

Neue Welt, neue Geschichte, neuer Held

Im Gegensatz zum Erstling spielt Dark Souls 2 nicht in Lordran, sondern im schwierig zu buchstabierenden und noch schwieriger auszusprechenden Drangleic. Ihr spielt "den Verfluchten", der den „Fluch der Untoten“ und den damit verbundenen Hunger nach den Seelen der Welt aufheben will.

Oder kurz: Die Story ist nach dem Intro-Video ziemlich egal, spannende Wendungen oder aufwändige Zwischensequenzen könnt Ihr gleich abhaken. Händler und NPCs werfen Euch in nur teilweise vertonten Monologen diverse Texthülsen an die Backe, wirklich sinnvoll sind diese aber nur in wenigen Fällen. Kontextuell ist mit dem „Fluch“ alles für die Spielmechanik getan: In Dark Souls 2 geht es darum möglichst viele Seelen zu sammeln!

Tatsächlich funktionieren die Seelen als einzige Währung im gesamten Dark Souls Universum: Mit ihnen kauft Ihr bei Händlern ein, verbessert beim Schmied Eure Waffen oder levelt Euren Helden auf. Neben den Seelen, die Ihr von gefallenen Gegnern einsammelt, lassen die dicksten Viecher in Dark Souls 2 sogenannte „Boss-Seelen“ fallen. Diese werden im späteren Spielverlauf bei einem Händler gegen sehr mächtige Waffen eingetauscht, um euren Helden fit für die nachfolgenden Bosse zu machen.

2936_df1d5c423fd72d62a49e2aae7af9cc56_800x600r (image/jpeg)

Der Clou: Wer stirbt, der verliert alle seine Seelen, so wie Sonic bei Feindkontakt alle seine Ringe verliert. Das kann Euch im schlimmsten Fall die mühsame Sammelarbeit von mehreren Stunden kosten. Zum Glück bekommt Ihr aber eine Chance die verlorenen Seelen am Ort Eures Ablebens wieder einzusammeln – sterbt Ihr auf dem Weg dorthin erneut, sind die Seelen für immer verloren. So verwandeln sich einige Einsammel-Aktionen in nervenaufreibende Spießrutenläufe zwischen Skelettbogenschützen und Zombies vorbei zum Ort des Todes.

Auf die Plätze, fertig,... Tod!

Zu Beginn des Spiels wählen wir eine von mehreren Charakterklassen, welche das spätere Spiel und das Vorgehen im Kampf teils drastisch modifizieren: Als Magier beharkt man die Gegner am besten aus der Ferne mit Zauberei und Hexerei, Pyromanten setzen Gegner in Brand und Kleriker greifen auf sogenannte „Wunder“ zurück. Selbst Krieger, Soldaten und Schwertkämpfer unterscheiden sich teils stark voneinander: So haltet Ihr als Soldat mehr aus und teilt als Schwertkämpfer mit zwei Waffen in den Händen mehr aus.

Ganz harte Naturen versuchen sich am „nackten“ Charakter: Dieser startet stilecht in Unterhose und nutzt im Kampf einen popeligen Dolch. So bekommen die ohnehin harten Kämpfe gleich noch etwas mehr Würze verliehen!

Um Neueinsteigern einen leichteren Einstieg zu ermöglichen, wird man kurz nach Beginn in einem Tutorial mit den grundlegenden Kniffen bekannt gemacht: Ausweichrolle, Blocken, Heiltränke nutzen und Fackeln entzünden wollen schnell verinnerlicht werden, denn abseits des Tutorials dreht der Schwierigkeitsgrad gleich gehörig auf. Eure wichtigste Ressource im Kampf (abseits von Lebensenergie) heißt übrigens „Ausdauer“ - und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint, denn mit jedem Schlag und jeder Rollbewegung leert sich die grüne Leiste, bis Ihr den Gegnern plötzlich nichts mehr entgegensetzen könnt. Da heißt es „Haushalten!“.

Keine Angst: Dark Souls Veteranen können das Tutorial überspringen, indem Sie einfach an den Trainingshöhlen vorbeihuschen. Abseits des Tutorials dürfen sich auch „alte Hasen“ auf einige Luxus-Features freuen, welche das Spiel komfortabler, aber lange nicht einfacher gestalten. So teleportiert Ihr Euch jetzt per Schnellreisefunktion von Lagerfeuer zu Lagerfeuer und Eure Ausrüstung repariert sich nun automatisch an Lagerfeuern. Hinzukommt, dass Gegner nach dem zehnten bis zwölftem Ableben nicht mehr wiederbelebt werden – so bleiben einige Wege endlich sicher für Euch.

2935_56644e1c5b0cd2045c3b6559116521e4_800x600r (image/jpeg)

Apropos „sterben“: Sobald Euer Held stirbt, wechselt Euer Status passenderweise zu „Untod“. In diesem Zustand wirkt Ihr nicht nur optisch ein wenig „wackelig“ auf den Beinen, sondern erhaltet einen fiesen Malus auf Eure Lebensenergie. Noch schlimmer: Mit jedem Tod addiert sich der Effekt – zum Glück könnt Ihr aber nie unter die Hälfte Eurer Gesamtlebensenergie rutschen. Um Eurem Helden wieder Farbe ins Gesicht zu zaubern und die Mali zu beseitigen, greift Ihr zu einem speziellen Gegenstand: dem Menschlichkeitsbild.

Düstere Wälder, epische Schlösser, romantische Sonnenuntergänge

Lagerfeuer sind in Dark Souls 2 Euer bester Freund im Kampf gegen die Dunkelheit und die vielen, vielen Monstrositäten: Hier könnt Ihr Eure müden Knochen ausstrecken und den Spielstand abspeichern. Das Hauptlagerfeuer liegt in der anfangs mysteriösen, verschlafenen Küstenstadt Majula, eingebettet in ein wirklich atemberaubendes Küstenpanorama bei Sonnenuntergang. Als Hub-Level gehen die meisten Eurer Abenteuer von hier aus. Ebenso beheimatet Majula einige der wichtigsten Händler und NPCs des Spiels.

Neu dabei in Dark Souls 2: Die Smaragd-Botin am Lagerfeuer ist Eure zentrale Anlaufstelle beim Level-Aufstieg. Für Seelen steigt Ihr im Level auf und erhaltet wertvolle Skill-Punkte, die Ihr in einen von neun Charakterwerten investieren könnt. Was auf den ersten Blick simpel wirkt, entfaltet im Laufe des Abenteuers erstaunlich viel Tiefe: Konzentriert Euch entweder auf einen bestimmten Wert (als Magier zum Beispiel Intelligenz), oder versucht Euch an sogenannten Mischklassen: So könnt Ihr auch als Magier eine dicke Hellebarde schwingen, wenn Ihr es denn wollt.

Noch besser: Im Gegensatz zum ersten Teil könnt Ihr in Dark Souls 2 mit dem seltenen Gegenstand Seelengefäß Eure bislang ausgegeben Skill-Punkte komplett zurücksetzen und neu verteilen. Perfekt für alle Spieler, die nach vielen investierten Spielstunden nochmal etwas Neues ausprobieren wollen!

2937_961691c13bb1a304dad1e11464fad221_800x600r (image/jpeg)

Die kleine Siedlung Majula bietet somit alle praktischen Shops und Möglichkeiten zur Charakterentwicklung auf einen Schlag an einem Ort: Super! Nebenbei findet Ihr in Majula noch viele Geheimnisse, die wir euch an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten wollen. Wäre ja sonst langweilig.

Abseits der recht sicheren Stadt führt Euch ein wahres Labyrinth aus kleinen Pfaden, engen Gassen und Höhlen immer tiefer in die faszinierende Welt von Drangleic hinein. Auf Euren Reisen macht Ihr unter anderem Halt in gigantischen Kathedralen, Schlössern, nebeligen Wäldern, Steinbrüchen, einer Schiffswerft und – natürlich! - einem düsteren Dungeon nach dem nächsten.

Während die Oberwelt mit teils atemberaubend schönen Panoramen begeistert, sind die Dungeons das heimliche Atmosphäre-Highlight des Spiels. Besonders wichtig für letztere ist die neue „Fackel“, mit der Ihr nicht nur für einen unruhigen Flackerschein an den Moos-behangenen Wänden sorgt, sondern hier und da auch stationäre Feuerstellen entzündet. Zum Glück spenden diese dann dauernd Licht, ohne erneut von Euch entzündet werden zu müssen.

2934_a54c607654bc433ee4bd4cf33ed0a897_800x600r (image/jpeg)

Zu Beginn des Spiels ist die Größe von Dark Souls 2 kaum abzuschätzen: Erst weit später wird klar, dass Euch diese Welt mit unzähligen Geheimnissen und versteckten Schätzen für weit mehr als 80 Stunden beschäftigen kann. Wer wirklich alles sehen will und keinen Stein umgedreht lässt, der darf diese Zeitangabe gerne noch weiter nach oben schrauben. Kurz: In Sachen Inhalt präsentiert sich Dark Souls 2 als wahrer Zeitfresser!

Online stirbt es sich noch schneller!

Neben dem klassischen Einzelspieler-Modus seid Ihr bei Dark Souls 2 stets verzahnt mit dem Online-Modus. Hierbei findet Ihr zum Beispiel Hinweise von anderen Spielern in Form von Rufzeichen, welche Euch vor fiesen Fallen warnen oder wichtige Strategien für schwierige Boss-Gegner verraten.

Doch damit nicht genug: Mit speziellen Beschwörungszeichen könnt Ihr tatsächlich schlagkräftige Hilfe in Eure Welt teleportieren. Die werten Mitstreiter bleiben Euch bis zum nächsten Tod erhalten und vereinfachen den ein oder anderen Bosskampf. Neu mit dabei: Per Sprachchat dürft Ihr endlich vernünftig miteinander kommunizieren!

Wer mal keine Lust auf Friede, Freude, Eierkuchen hat, der packt sein inneres Arschloch raus und sucht andere Spieler als „rotes Phantom“ heim: Euer einziges Ziel in der Invasion eines anderen Spielers ist dessen Tod. Diese lästigen „Phantome“ können übrigens auch jederzeit in Eurer eigenen Welt auftauchen und sind ein nicht zu unterschätzender Schockeffekt. Seid also stets auf unliebsamen Besuch vorbereitet!

2932_9c3bfda06c0349f3283f3a23204fbff3_800x600r (image/jpeg)

Doch wofür ist der Stress spielerisch gut? Im Spielverlauf könnt Ihr Euch diversen „Gemeinschaften“ anschließen, welche sich einem höheren Ziel verschworen haben und zielgenau daraufhin arbeiten. So will die ruchlose Blutsbruderschaft beispielsweise so viele andere Spieler wie möglich zurück in die Hölle befördern, während der Blaue Pfad auf genau diese Attacken reagiert und Euch den werten Kollegen bei einer gegnerischen Invasion zur Hilfe eilen lässt. Weitere Gemeinschaften versuchen ein bestimmtes Gebiet zu bewachen.

Der Lohn für die Mühen sind meist exklusive Waffen und Zaubersprüche. Wer tatsächlich vollkommen abgetrennt vom Internet zockt, der darf sich übrigens über K.I. Kollegen und K.I. Invasoren wundern, die ihren Job ebenfalls erstaunlich gut erledigen.

Audiovisueller Augenschmaus mit zu wenigen Frames

Grafisch ist Dark Souls 2 ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite stehen die unglaublich ausdrucksstarke Level-Architektur, die fantastischen Monster-Designs und die erhabenen Panoramen über eine Welt, in welche man sich trotz ihrer brutalen Härte gerne verlieben würde;  auf der anderen Seite ächzen Xbox 360 und PlayStation 3 aus allen Platinen. Kurz: Das Spiel ruckelt gerne und häufig, Texturen sind bei näherer Betrachtung teils extrem niedrig aufgelöst und die Animationen von weiter entfernter Gegner wirken abgehackt. Ein Kunststück, dass die Grafik trotz dieser Schwächen im Gesamtbild dennoch stimmig bleibt.

2933_8862030c5d49d2e4dfbf7b9cb2ee34a6_800x600r (image/jpeg)

Auch der Soundtrack hat zwei verschiedene Seiten: Einerseits plätschert er in den einzelnen Abschnitten nur sporadisch im Hintergrund, dreht in einigen Bosskämpfen aber richtig auf. Hier wird es dann richtig episch. Selbst reinhören könnt Ihr hinter diesem Link.

Fazit

Suchtpotential pur: From Software und Bandai Namco Games haben mit Dark Souls 2 einen gelungenen Nachfolger geschaffen und sinnvolle Änderungen vorgenommen. Neueinsteiger finden nun besser ins Spiel hinein und sich in dieser dunklen Welt besser zurecht.

Dank extrem viel Inhalt, tiefgreifender Charakterentwicklungsmöglichkeiten und der noch immer astreinen Spielmechanik, welche sich selbst einigen grafischen Rucklern nicht geschlagen geben muss, steht hier allen willigen Spielern ein extrem zeitintensives, aber auch unglaublich lohnendes (und belohnendes) Abenteuer bevor.

Lasst Euch nicht von der Schwierigkeit abschrecken: Die Erfolgsgefühle sind umso schöner! Auf die Plätze, fertig... Tod!

Dark Souls 2 erschien am 14.3.2014 für die Xbox 360 und die PS3. Die PC-Version soll am 25. April erscheinen und sollte die grafischen Widrigkeiten der Konsolenfassung (hoffentlich) ausmerzen. Mehr Infos dazu werden wir nochmal separat zum PC-Release veröffentlichen!

Hinter diesem Link könnt Ihr Dark Souls 2 über amazon.de (vor-)bestellen.