"Diablo 3: Reaper of Souls" im Test

Die „Himmel und Hölle“ Wortspiele sind uns ausgegangen

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Macht aber nichts, denn bei Diablo 3 dürften die meisten ohnehin sofort wissen, worum es geht. Wir zeigen, wie das Add-on Reaper of Souls den Titel zu altem Glanz zurückführt. 

Da ist sie wieder, die Blizzard-Sucht. Kaum ein Hersteller kann von seinen Videospielen wohl behaupten so süchtig zu machen, wie das kalifornische Entwicklerteam. World of Warcraft bekleidet in dieser Hinsicht sicher den ersten Platz, doch auch Starcraft und Diablo brauchen sich nicht schüchtern in die Ecke zu stellen.

„Easy to learn, hard to master“ - dieser Leitspruch moderner Spiele-Entwicklung wurde nicht umsonst von Blizzard selbst erfunden und bis zur Perfektion getrieben. Es sind Mechaniken, die fluppen, die Grafiken und glasklaren Menüstrukturen, die selbst Einsteiger schnell mit allen wichtigen Infos versorgen, der Sound und die Atmosphäre, welche den Spieler nicht mehr loslassen und epische Geschichten, von denen wir in Zukunft vielleicht einmal unseren Kindern erzählen werden. Damals, mit Arthas, Kerrigan und dem Seelenstein, das waren noch Zeiten!

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Insbesondere Diablo musste seit Erscheinen des dritten Teils im Mai 2012 einiges an Kritik über sich ergehen lassen. Derweil versandete das Interesse an World of Warcraft langsam, aber stetig: Der MM-OPA bekommt 2014 noch ein weiteres Add-on namens Warlords of Draenor spendiert, beklagt aber weiterhin sinkende Nutzerzahlen. Starcraft 2 auf der anderen Seite verblasst ein wenig im aktuellen Hype von MOBA-Titeln wie League of Legends und Dota 2. Kurz: Da sind erste Kratzer im Lack von Blizzard!

Zur Veröffentlichung von Diablo 3: Reaper of Souls hat sich die Situation erstaunlich schnell zum Besseren gewandt: Mit der Abschaltung des viel kritisierten Auktionshaus am 18. März, sowie einer dicken Portion Fein-Tuning im Patch 2.0.1 zogen bereits erste Recken ihre alten Helden aus der Mottenkiste, um Diablo erneut eins auszuwischen und Loot abzustauben. Jede. Menge. Loot.

Wenige Wochen später steht jetzt Reaper of Souls im Regal und erweitert die Verbesserungen des Patches nochmal um ein Vielfaches. Ich habe das Add-on eifrig angezockt und kann schon im Voraus ein erstes Fazit ziehen: Die Rückkehr in die Hölle lohnt sich! 

Der fünfte Akt ruft!

Zuerst hätten wir da den fünften Akt, welcher die Geschichte rund um den Seelenstein und den darin gefangenen Diablo weiterführt. Schutzengel und neuer Story-Führer Tyrael hat wenig Lust den Stein im Himmel aufzubewahren und versteckt ihn daraufhin mitsamt seiner Horadrim an einem unbekannten Ort. Es kommt, wie es kommen muss: Blizzard zückt mit dem früheren Erzenel der Weisheit Malthael die „Bösewicht-Karte“ und übergibt den Seelenstein in dessen Hände.

Der nun als Engel des Todes in Vollzeit beschäftigte Fiesling will nichts anderes, als alle Dämonen auszurotten... und nebenbei die Menschheit vernichten, die ja sowieso vollkommen überschätzt wird. Also schnappen wir uns mit unserem Helden (alias Nephalem) wieder Schwerter, Äxte, Armbrüste und Co. und ziehen erneut in den Kampf!

Die Geschichte war nie die größte Stärke der Diablo-Serie, richtet aber dennoch den passenden Hintergrund für atmosphärisch dichte Ausflüge in Verliese, Sümpfe und Höllenfestungen ein. Tatsächlich überrascht das Add-on an jeder Ecke mit unglaublich detaillierten Umgebungen, unzählbar vielen neuen Kreaturen (eine ekeliger, als die andere), sowie fantastischen Licht- und Schatteneffekten.

Was bei Blizzard-Spielen generell und in diesem Fall besonders gerne ausgeklammert wird, ist die überragende Nutzerfreundlichkeit und Übersicht des Interface: Karte, Chat, Lebensenergie und Zauber-Reserven, Fertigkeiten und Bedienelemente sind so gut und übersichtlich angeordnet, dass die Perfektion hinter dem Interface im flüssigen Spielvergnügen kaum mehr auffällt. Vom Charakterauswahlbildschirm, über die Wahl des Schwierigkeitsgrad bis hin zum Arrangieren der Ausrüstung: Hier finden sich selbst blutige Anfänger schnell zurecht. Davon sollten sich andere Titel mal eine Scheibe abschneiden!

Der fünfte Akt der Geschichte rund um Malthael ist erstaunlich lang und markiert in seinem Gesamtbild wohl den eindrucksvollst präsentierten Akt der Diablo-Geschichte: So prügeln wir uns durch die Straßen und Gassen einer Stadtkulisse, plündern Keller und vergessene Truhen in der Kanalisation, wagen uns in die Blutsümpfe und später an noch viel schlimmere Orte. Überraschend gibt es dabei auch ein Wiedersehen mit vielen bekannten Charakteren – keine Sorge, hier wird nichts gespoilert, denn das bißchen Geschichte solltet Ihr Euch voll und ganz selbst gönnen!

Die neuen Gebiete sind alle sehr weit verzweigt und setztn stark auf zusätzliche „Events“ - meist verborgen in Nebengassen, kleinen Höhlen oder Hauseingängen. So bekommt man richtig Lust die Karte auszukundschaften, ganz im Gegensatz zu einigen älteren Gebieten, durch die man auch gerne mal hindurch spurtet. Unglaublich gut ist der Soundtrack, der im Hintergrund mal leise schlummert, mal laut pocht oder den Spieler mit einer anhaltenden Steigerung schriller Töne in den Wahnsinn zu treiben versucht.  

Wer mal Probehören will, der surfed hinter diesem Link auf YouTube vorbei. Anspieltipp: Pandemonium! Außerdem empfehlenswert: Die offizielle "Reaper of Souls" Playlist auf Spotify, samt kultiger Songs wie "Don't fear the reaper!". 

Vom Vorgarten in die Höllenfestung 

Apropos „spurten“: Mit 4 bis 5 Stunden reiner Spielzeit liefert der fünfte Akt nur den Vorgarten zur Hölle! Abenteuermodus, Rifts, Kopfgelder, neue Paragon-Level und die finalen Schwierigkeitsgrade, welche sich nochmal von Torment 1 bis Torment 6 erstrecken, bieten für Casual-Spieler selbst nach dem Niederstrecken des Endgegners weitere 10 bis 20 Stunden Spielzeit. Richtige Diablo 3 Zocker lachen über solche Zeitangaben: Sie sind das nächste halbe Jahr in Vollzeit mit dem Titel beschäftigt.

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Beginnen wir mit dem Abenteuermodus, welcher seine Pforten nach dem Abschluss des fünften Akts für Euch öffnet: Hier wählt Ihr auf der neuen Weltkarte die Lokalität Eurer Wahl und könnt in diversen Umgebungen Kopfgelder eintreiben. Diese reichen von „Töte Gegner Drogoblah“ bis hin zu „Töte 150 Gegner in der zweiten Ebene des Labyrinths“. Während Eurer neuen Missionen trefft Ihr auch auf neue Schatztruhen, welche verflucht wurden und solange verschlossen bleiben, bis der Fluch von Euch gelöst wurde. Ich staunte nicht schlecht, als plötzlich der Skelettkönig neben mir auftauchte und ich diesen in einem strikten Zeitlimit erledigen sollte.

Spezielle Aufgaben wie diese verleihen dem Spiel zusätzliche Würze und machen das „erneute“ Durchspielen angenehmer und aufregender. Richtig spannend wird es ohnehin erst im „Torment“ Schwierigkeitsgrad. Einige Werte zum Vergleich gefällig? Im Gegensatz zum „normalen“ Schwierigkeitsgrad (den hoffentlich niemand mehr ernsthaft anfasst!), haben Eure Gegner in Torment 1 um 819 Prozent erhöhte Lebenspunkte und verursachen knapp 400 Prozent mehr Schaden bei Euch! Zum Lohn für die Mühen streicht Ihr aber auch 300 Prozent mehr Gold und Erfahrung ein, während die Chance für Item-Drops natürlich mitsteigt.

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 Das sind wohlgemerkt die Zahlen für Torment 1: Wer so verrückt ist auf Torment 6 zu spielen, den erwarten 8590 Prozent Lebensenergie und 2540 Prozent Schaden seitens der Gegnerhorden. Aua!

Neben Kopfgeld-Missionen reiht sich noch ein weiteres Feature in die lange Extra-Kette von Reaper of Souls ein: Um die „Rifts“ betreten zu können, benötigt Ihr zwar erstmal fünf Rift-Schlüssel (die Ihr wiederum auf Euren Kopfgeld-Missionen erbeutet), dürft danach aber zusätzliche Spielareale betreten und Euch mit extrem starken Bossen herumärgern.  

Um alle Features und neuen Legendaries aufzuzählen, bräuchte ich wohl um die 100 Seiten mehr Platz. Deswegen fix zusammengefasst: Reaper of Souls ist weit mehr, als „nur“ Akt 5 und eine neue Charakterklasse. Weit, weit mehr!

Der Kreuzritter und die Mystikerin

 Apropos Charakterklasse: Der Kreuzritter fügt sich hervorragend als Mischung aus Barbar und „geht's noch mehr tanky?“ Bollwerk ins Spiel ein und kommt mit einer durchaus interessanten Auswahl an Fertigkeiten daher. Die Waffe seiner Wahl ist sein Schild, mit dem er nicht nur ordentlich austeilen, sondern auch einstecken kann. Wer sich vor Einhandwaffen ekelt und lieber mit den "richtig dicken Teilen" auffahren will, der braucht keine Angst zu haben: Per passiver Fertigkeit packt Ihr einfach einen Zweihandhammer oder ein Zweihandschwert in Eure rechte Hand, während in der linken Hand noch immer das zwei Meter hohe und mit Edelsteinen schwer bestückte Schild ruht. Super!

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Neben dem Kreuzritter profitieren übrigens auch Barbar, Mönch, Dämonenjäger, Zauberer und Hexendoktor von neuen Fertigkeiten ab Level 60. Kleiner Malus: Es gibt pro Klasse nur eine wirlich „neue“ Fertigkeit, nebenbei schaltet Ihr für diese aber neue Runen frei und freut Euch über neue passive Boni. Außerdem wurde eifrig an den Werten geschraubt: Viele ehemals nutzlose Fertigkeiten strahlen neu aufpoliert im DPS-Glanz und gestalten das Spiel noch variabler.

Das Crafting-System von Diablo 3 hat sich bislang auf den Artisanen (Waffen und Rüstungen schmieden) und den Juwelier konzentriert. Im fünften Akt von Reaper of Souls feiert eine weitere Crafting-Meisterin ihren Auftritt: die wohlproportionierte Myriam Jahzia wandelt in Zukunft die Werte Eurer Gegenstände um, oder verpasst ihnen per Transmogrifikation ein neues Aussehen. Ihr ärgert Euch über einen häßlichen, aber unglaublich starken Zauberstab? Ab zu Myriam! Ihr würdet den Stärke-Wert Eures Zweihänders lieber in Intelligenz umwandeln? Myriam ist Eure Frau!

Wie auch schon beim Schmied Haedrig und dem Juwelier Covetous dürft Ihr Myriam für viel Geld und einige ganz spezielle Items „aufwerten“: So erhaltet Ihr Zugang zu noch mächtigeren Verzauberungen und Item-Designs. 

Fazit

Mit Diablo 3: Reaper of Souls bringt Blizzard endlich wieder Schwung in die Hölle: Vorbei sind die Tage endloser und langweiliger Grinds, denn der Abenteuermodus gibt der Suche nach „dem“ oder „dem“ besonderen Item endlich einen Kontext. Nebenbei liefert Euch die neue Karte ein schnelleres Interface, mit dem Ihr mit nur einem Knopfdruck bestimmt, wo es als nächstes hingehen soll.

Beinahe alle Kritikpunkte der Vergangenheit wurden ausgemerzt (Goodbye Auktionshaus!), während der fünfte Akt mit beinahe allen bislang gespielten Kapiteln den Boden aufwischt: Details en masse, Anspielungen und Easter Eggs, ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren und ausschweifende Levelkonstrukte, die danach schreien Punkt für Punkt erforscht zu werden: Diablo-Spieler wähnen sich hier schnell im Himmel, obwohl es dann doch eher die „Hölle“ ist.

Zusätzliche Kudos gehen an den fantastischen Soundtrack, an die astreine Spielmechanik und an die neue Charakterklasse „Kreuzritter“, die sich tatsächlich unterschiedlicher spielen lässt, als es zuerst den Anschein hat.

Blizzard hat mit Diablo 3 mit Reaper of Souls generalüberholt und Ihr solltet Euch den Spaß nicht entgehen lassen. Vorsicht, akute Suchtgefahr! Aber sowas kennen Blizzard-Spieler ohnenhin.

Jetzt sind wir gespannt auf das nächste Add-on, denn im Gegensatz zu den vorigen Teilen plant Blizzard tatsächlich ein zweites Add-on für Diablo 3 zu veröffentlichen. Die Umsetzung von Diablo 3 samt Reaper of Souls im Diablo 3 Ultimate Evil Pack für PlayStation 4 und Xbox One steht auch noch an! 

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