Der neue Prachtgaul im Rennstall

Forza Motorsport 6 im Test für Xbox One

Der neue Prachtgaul im Rennstall: Forza Motorsport 6 im Test für Xbox One Der neue Prachtgaul im Rennstall: Forza Motorsport 6 im Test für Xbox One Foto: Microsoft Studios

Mit dem sechsten Teil der Forza-Serie bügelt Microsoft fast alle Ärgernisse aus Teil 5 aus. Dabei entsteht ein großartiges Rennspiel, dem wir im Test genauer unter die Motorhaube schauen.

Microtransactions, eine verschachtelte und langweilige Kampagne und nur wenige Autos in der Garage: Trotz der hervorragenden Grafik brachte Forza 5 zum Start der Xbox One viele Ärgernisse mit sich, welche die Turn 10 Studios aufgrund negativen Feedbacks seitens der Fans über die nachfolgenden Monate verzweifelt versuchten auszubügeln.

Nachdem 2014 ganz im Zeichen des Open-World-Serienbruders "Forza Horizon 2" stand und uns quer durch die Toskana rasen ließ, geht es 2015 wieder zurück auf die Asphalt-Kurse.

"Vrrrrooooom" Forza Motorsport 6 - Screenshots 14 Fotos

Eine "Simulation" im Sinne von "Project CARS" oder "Assetto Corsa" ist auch "Forza Motorsport 6" nicht geworden, wohl aber um einiges realistischer als "Horizon": Jedes Auto wurde bis in den kleinsten Pixel perfekt modelliert, bietet ein detailliertes Innenleben und brettert mit heulenden Motoren über die Straßen. Eher ein kleines Detail, aber tatsächlich neu in der Serie ist die Option den männlichen Fahrer durch ein weibliches Modell auszutauschen. 

In Sachen Vielfalt hat Turn 10 erheblich aufgestockt: Über 450 Wagen stehen zur Auswahl, darunter der Shelby GT350 Mustang und der neue Ford GT, und können auf 26 unterschiedlichen Kursen Gassi geführt werden. Dabei kommt jeder Kurs zusätzlich mit verschiedenen Layouts daher, was die Anzahl an Strecken weiter in die Höhe treibt.

Zudem rechnen wir fest damit, dass Turn 10 für die Zukunft DLC-Erweiterungen eingeplant hat: Bereits vorgestellt wurde das "Fast & Furious"-Wagenpaket, welches mit dem 2014 Terradyne Gurkha LAPV und dem 2002 Nissan Fairlady Z auf die entsprechenden Untersätze aus dem gleichnamigen Film setzt.

Regnerisch mit einer Chance auf Aquaplaning

Vorab viel Wirbel gab es um die neuen Wettereffekte: Microsoft und die Turn 10 Studios waren sich nicht zu Schade die realistischen Pfützen auf den Strecken als glorreiches Highlight des Spiels anzupreisen. Umso überraschender ist es, dass die Pfützen das Spielgefühl tatsächlich komplett verändern und dementsprechenden Mehrwert liefern – das hätten wir uns vorher nicht vorstellen wollen.

Wer jedoch mit einer Dolby Viper das erste Mal mit Höchstgeschwindigkeit über die tiefen Tümpel brettert und vom Aquaplaning über die Strecke getragen wird, wobei die Bremsen vor der nächsten Kurve im letzten Moment versagen, dessen Gesicht ist nicht nur aufgrund des virtuellen Regens nass. Kurz: Ein großartiges Fahrerlebnis, welches uns die Turn 10 Studios da auftischen, und eine wohlige Alternative zu Fahrten bei Tag und bei Nacht.

Umso ärgerlicher ist es, dass die Wetterverhältnisse in Forza Motorsport 6 fest vorgegeben sind: An die faszinierenden Wetterumschwünge und Wolkenbilder eines „Driveclub“ kommt das Spiel nicht heran.

Welche Effekte technisch besser sind, vermag ich leider nicht zu sagen: Auch hier würde ich subjektiv eher zum Sony-Konkurrenten Driveclub tendieren. Aber das ist fürwahr Erbsenzählerei, denn die Regen-Raserei ist auch im Forza-Kosmos visuell großes Kino. Schön zu sehen, dass Videospiele der einzige Ort sind, an dem man absolutes Scheißwetter so richtig abfeiern kann.

Verbesserte Kampagne

Für Einzelspieler hält "Forza Motorsport 6" eine mit Inhalten bis zum Tankdeckel gefüllte Karriere bereit, welche euch in fünf Staffeln vom "Super-Straßenrennen" bis hin zum "Ulitmativen Motorsport" aufsteigen lässt. Nach drei festgesetzten Tutorial-Strecken müsst ihr dabei keine mangelnde Auswahl fürchten: Meist wählt ihr aus drei unterschiedlichen Serien (Nachtrennen, Regenrennen, "Europa-Tour") und aus sechs verschiedenen Fahrzeugklassen, darunter Supersportwagen, Muscle Cars und japanischen Straßenflitzern.

In den Rennen selbst gilt es dann mindestens den dritten Platz zu belegen, um in der Karriere voranzuschreiten. Der Schwierigkeitsgrad auf "Normal" ist dabei nur selten eine wirklich harte Herausforderung. Schön zu sehen, dass auch die "Drivatare" ihre Rückkehr feiern und der künstlichen Intelligenz auf die Sprünge helfen: Gefüttert von den Fahrdaten eurer Freunde und Bekannten verhalten sich die Fahrer nicht nur menschlicher, sondern tragen auch den jeweiligen Freundesnamen über dem Gefährt - ein nicht ganz unerheblicher Faktor, der das Überholen von "Freunden" umso spaßiger gestaltet.

Das von Rennspielen gefürchtete "Rubberbanding", also das Zusammenhängen des Fahrerfelds wie an einer Gummischnur, konnten wir in Forza Motorsport 6 bislang nicht beobachten: Ein weiterer Pluspunkte für die "Drivatar"-Logik hinter der künstlichen Intelligenz. So kommt es immer wieder vor, dass die werten Kollegen von der Strecke abkommen, sich gegenseitig rammen, oder auch mal schüchtern vor einer Kurve bremsen. Die Mischung ist ausgewogen!

Nur eine Kleinigkeit konnten wir während unserer Tests beobachten: Meist setzen sich zwei Fahrer weit nach vorne ab, wer zu viele Fehler macht, kommt da kaum noch hinterher. Apropos Fehler: Die "Rückspulfunktion" ist wieder mit an Bord, kann auf Wunsch aber komplett ausgeschaltet werden. Innerhalb des ausführlich bestückten Optionsmenü könnt ihr ohnehin so ziemlich alles einstellen, was "Fahrhilfen" und "Schwierigkeitsgrad" angeht.

Ebenfalls beibehalten wurde das System rund um Credits, Erfahrungspunkte und Hersteller-Affinitäten: Jedes gewonnene Rennen liefert euch den entsprechenden Schotter zum Freischalten neuer Karren, obendrauf gibt's Pluspunkte wenn ihr einer Marke treu bleibt. Mit jedem aufgestiegenen Level dürft ihr euer Glück zudem an der Lostrommel versuchen, als Gewinne warten Luxuskarorssen und zusätzliche Credits auf euch.

Schade: Zum Ende hin geht der Karriere in Sachen "Spannung" etwas die Puste aus. 

In die Karten geschaut

Brandneu in "Forza Motorsport 6" integriert sind sogenannte "Mod-Pakete", die ihr euch gegen Credits kaufen könnt, oder in besagter Lostrommel zieht. In den Kartenpaketen enthalten sind diverse Spiel-Modifikationen, die euch das Leben erleichtern, oder erschweren können: Erhöht die Leistung eurer Boliden um einige Prozente, verringert die Bremskraft, schaltet das HUD aus, oder fahrt ein Rennen ausschließlich aus der Cockpitperspektive um einen Credit-Bonus abzusahnen. 

Insgesamt unterteilen sich die Mod-Pakete in drei Kategorien, darunter "Boost", "Risiko" und "Crew". Erstere lassen sich nur einmalig verwenden, letztere beliebig oft. Bis zu vier Karten lassen sich "ausrüsten", dabei jedoch nur zwei Boost-Karten, während je ein Slot für "Risiko"- und "Crew"-Karten reserviert ist.

Das System ist schlicht und übersichtlich gehalten und verleiht dem Spiel zusätzliche Würze, fällt insgesamt aber eher in das "Netter Bonus, aber wirklich gebraucht hätten wir's nicht!"-Spektrum.

Frenetisches Feedback: Danke für diesen Controller!

Atemberaubend gut funktioniert die Verbindung aus Xbox One Controller und Forza Motorsport 6: In kaum einem anderen Spiel lässt sich durch die Rumble-Motoren soviel passendes Feedback erzeugen, wie hier. Egal ob harte Bremsung, wilder Drift oder Aquaplaning, der Controller leitet alle Straßeninformationen gleich an eure Hände weiter.

Überhaupt sitzt die Steuerung der Boliden einfach perfekt: Für viele Sim-Fans mag es noch eine Spur zu sehr in Richtung "Arcade"-Fahrspaß gehen, aber durch die deutlichen Unterschiede zwischen den Fahreigenschaften aller Fahrzeuge werden sicher auch Profis genug gefordert.

Richtig aufblühen tut "Forza Motorsport 6" natürlich in Verbindung mit einem Lenkrad und Pedalen: Wer sich den Luxus gönnen kann, erlebt zuhause atemberaubenden Rennspielzirkus im Triple A Format. 

Technisch eine Wucht

Im direkten Vergleich mit Sony-Konkurrent "Driveclub" zieht Forza Motorsport 6 insbesondere in Bezug auf die Umgegbungskulissen den Kürzeren - wohlige Ausnahmen sind die fantastisch aussehenden Stadt-Kurse in Prag oder Rio De Janeiro.

Dafür kommt Forza mit einem nicht ganz unerheblichen Pluspunkt daher: Butterweichen 60 Frames pro Sekunde, die der Racer brutal auf einer Linie halten kann und damit die Konkurrenz grinsend im Rückspiegel an sich vorbeiziehen lässt.

Dieser technische Vorsprung ist nichts anderes als eine Meisterleistung: Mit 24 Fahrzeugen auf der Strecke, dichtem Regentreiben, spiegelnassen Strecken, aufpeitschender Gischt und dem gebotenen Detailgrad der Karossen kommen wir nicht umher alle Daumen hoch in die Luft zu strecken. Saubere Arbeit, Turn 10, saubere Arbeit!

Wer nicht genug von den Wagenmodellen bekommen kann, darf diese zusätzlich im Forzavista betrachten: Hier könnt ihr alle 450 Flitzer von Vorne, Hinten und von Innen betrachten. Da kann man sich den Besuch im örtlichen Autohaus durchaus sparen.

Ebenfalls genial: Im laufenden Rennen könnt ihr jederzeit in den "Foto-Modus" wechseln und das Geschehen aus allen möglichen Blickwinkeln fotografieren und mit verschiedenen Effekten veredeln. 

Größter Minuspunkt ist und bleibt das Schadensmodell, welches wahrscheinlich abermals aus Lizenzrechtlichen Gründen eher bescheiden ausfällt. Ob die Kratzer im Lack auch Auswirkungen auf den Spielverlauf haben, entscheidet übrigens weiterhin ihr selbst im Optionsmenü.

Die Kollegen von "Gamereactor" haben in einem Video den grafischen Vergleich zwischen Forza 5, Forza 6 und Project CARS gezogen. Dieser bietet einen guten Blick auf die augenscheinlichsten Unterschiede zwischen den Forza-Generationen und dem Sim-Konkurrenten:

Fazit

Wo uns "Forza 5" bereits einen Vorgeschmack auf "Next Gen"-Rennspiele gab, zündet "Forza Motorsport 6" bereits den Turbo und rast mit Höchstgeschwindigkeit über die Ziellinie. Aktuell braucht der Titel in seinem Segment eigentlich keine Konkurrenz fürchten - nur die härtesten Sim-Fans flirten mit der Konkurrenz, werden vom knackigen Grafik-Hintern von Forza aber sicher ebenso abgelenkt. Der Vergleich mit "Driveclub" dagegen fällt flach - beide Titel verfolgen ganz eigene Motive und setzen andere Highlights.

Kurz: Mit einem potentiellen Gran Turismo Nachfolger am weit entfernten Horizont, macht es sich "Forza Motorsport 6" erstmal bequem auf dem Rennspiel-Thron und rechtfertigt für Genre-Fans den Kauf einer Xbox One.

"Forza Motorsport 6" rast an 5 von 5 Drivataren vorbei, schießt 9 von 10 unvergesslichen Fotos in der Altstadt von Prag und zischt mit 92 Prozent Benzin im Tank an die Spitze des Fahrerfelds.

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