"Lego Marvel Super Heroes" im Test

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"Lego Marvel Super Heroes" im Test: Stein um Stein "Lego Marvel Super Heroes" im Test: Stein um Stein
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Lego Marvel Super Heroes Stein um Stein 2 Fotos

Die Lego-Spiele stehen für Rätsel rund um die virtuellen Klötzchen und jede Menge Spaß. Lego Marvel Super Heroes ist der neueste Ableger – der aber mit seinem hohen Nerd-Faktor und verfehlten Witz nicht ganz überzeugen kann.

Bald haben Publisher Warner Bros. und Entwickler Traveller's Tales so ziemlich alles durch, was zur Pop-Kultur gehört: Star Wars, Herr der Ringe, Indiana Jones, Harry Potter, Batman. Und doch haben sie noch etwas gefunden, das die Lego-Spiele nicht durch die Mangel genommen haben: das Marvel-Universum mit den Avengers, den X-Men und Spiderman. Traveller's Tales hat sich dabei nicht nur die Film-Umsetzung zur Brust genommen, sondern gleich fast die gesamte Marvel-Comic-Welt.

Am Spielprinzip hat sich indes nichts geändert: Man rennt mit den Superhelden, deren einzigartigen Fähigkeiten im Spiel sehr gut umgesetzt sind, in Lego Marvel Super Heroes durch New York City. Dabei ist man den Plänen nicht nur eines Überschurken auf der Spur, sondern gleich mehrerer. Denn Dr. Doom möchte Dr. Doom‘s Doom Ray of Doom bauen und hat sich dafür mit Venom, Loki, dem Sandman, Magneto und Dr. Octopus – um nur einige zu nennen – zusammengetan.

Gleich zu Beginn durchkreuzen Iron Man und der Hulk, die später von Spiderman unterstützt werden, den bösen Plan – den man am Anfang nicht wirklich kennt. Aber legotypisch nimmt man erst einmal die Umgebung auseinander. Ab und an kann man aus den Bruchstücken dann neue Gadgets zusammensetzen – die bei der Lösung des Problems helfen.

Keine Innovationen, aber leider auch kaum Ironie und Wortwitz

Alles wie gewohnt. Innovationen sucht man vergebens. Fans der Lego-Spiele erwarten aber zugegeben auch nichts anderes als diese kurzweilige, actionreiche Unterhaltung. Und zumindest verdient sich Traveller's Tales einen Pluspunkt dafür, dass man die Boss-Gegner nicht mit purer Gewalt besiegen kann, sondern mehrere Anläufe unternehmen muss – um den Schurken mal mehr, mal weniger gewitzt zu schwächen. Das funktioniert aber nur, wenn die jeweiligen Helden zusammenarbeiten. Am meisten Spaß macht das im Koop-Modus, wenn mehrere menschliche Spieler die Figuren steuern. Aber auch im Single-Player-Modus funktioniert das ganz gut.

Es ist nicht nur das eher simple Gameplay, das die Lego-Reihe auszeichnet, sondern die Ironie, die sich durch die Spiele zieht – wenn die Popkultur durch den Kakao gezogen wird. Und leider geht dieser Schuss bei Lego Marvel Super Heroes nach hinten los. Ohne eine Film-Vorlage tun sich die Entwickler dieses Mal schwer damit, den Spaß-Hebel anzusetzen. Das ist schade, denn bei Lego Batman 2: DC Super Heroes ist ihnen das im vergangenen Jahr noch gut gelungen – auch ohne einen cineastischen Bezugspunkt. Aber da hat man sich auf Batman, Robin und Superman konzentriert.

Lego Marvel Super Heroes dagegen wirkt wie ein Schaulaufen der Comic-Helden – und Schurken. Am Anfang sind es Iron Man, Hulk und Spiderman, die gegen Sandman antreten. Ist die Mission erledigt kommt ein Haken dran – und dann zieht man mit Captain America und Reed Richards von den Fantastic 4 gegen Dr. Octopus los. Ist das erledigt, verfolgen Hawkeye und Black Widow den Green Goblin und treffen dabei auf Venom. Und so geht es weiter. Wer sich nicht im Marvel-Universum auskennt, fühlt sich sehr schnell etwas verloren und kann die Figuren oder ihre Fähigkeiten nicht einordnen. Und weil die Charaktere ständig wechseln, baut man keine Beziehung zu den Figuren auf – außer man ist ein Comic-Nerd.

Schaulaufen der Superhelden und Überschurken

Zumal man gleich zu Anfang einfach in die Story geworfen wird – ohne Prolog oder eine Erklärung. Und der bei Lego seit Einführung der Sprecher mit Lego Batman 2: DC Super Heroes so gut funktionierende Wortwitz zündet nun so gut wie gar nicht. Spiderman lamentiert immer wieder, dass er sich auf einen Test vorbereiten, für seine Tante etwas erledigen oder Mary Jane erklären muss, warum das Date geplatzt ist. Das ist schon beim ersten Mal nicht komisch, wird aber weiter totgeritten. Und auf dem Niveau geht es weiter. Ab und an wird es zumindest in Ansätzen witzig, wenn gerade der Hulk dabei helfen muss, das Chaos zu ordnen, das die Superhelden angerichtet haben. Das trägt allerdings nicht sonderlich weit.

Dazu kommen einige technische Schwierigkeiten. Wie schon bei vorangegangenen Lego-Titeln neigt das Spiel auf den Konsolen dazu, vor der kleinteiligen Spiele-Welt in die Knie zu gehen. Die Folge ist, dass das Bild immer wieder hakt und stockt. Das nimmt man bei Traveller's Tales anscheinend in Kauf und setzt auf Next-Gen-Konsolen.

Diese gerade bei diesem Titel sehr detailreiche Umgebung sorgt aber auch noch für ein ganz anderes Problem: Man übersieht die Lösung für manche Rätsel schlicht, weil sie in der Spielewelt untergeht. Auch das war in den bisherigen Lego-Spielen besser gelöst. So ganz einig war man sich bei Traveller's Tales zudem nicht, welche Marvel-Version man nun umsetzen möchte. Während Iron Man und Nick Fury an den Avengers-Film angelehnt sind, hat man sich bei Wolverine beispielsweise für die Comic-Variante entschieden und nicht den Kino-Helden. Warum auch immer!?

Für Marvel-Fans ist das Spiel mit seinen vielen Anspielungen auf die Comics und bisweilen auch auf die Filme sicher ein Riesenspaß. Zumal man sich neben der Hauptstory auch noch frei in New York City bewegen, Nebenmissionen absolvieren und viele weitere Marvel-Charaktere freischalten kann. Der Durchschnittsspieler aber, der die Superhelden nur aus der jüngeren Kino-Vergangenheit kennt, hat es schwer, in das Spiel hineinzufinden. Was bleibt, ist das Gameplay, das für Lego-Spiele typisch ist – nicht weniger, aber leider auch nicht sehr viel mehr.