Lego The Hobbit im Test

Die Straße gleitet fort und fort...

Lego The Hobbit im Test: Die Straße gleitet fort und fort... Lego The Hobbit im Test: Die Straße gleitet fort und fort...
Von |

Lego The Hobbit im Test | PlayStation 4 Die Straße gleitet fort und fort... 6 Fotos

Die Klötzchen erobern Mittelerde: Auch in der Versoftung zum Kinofilm von Peter Jackson und dem Buch von Tolkien macht sich Bilbo Beutlin als kleiner Hobbit auf zur Abenteuerreise.

Wie die Geschichte ausgeht? Weiß man nicht! Denn genauso wie die Filme, welche auf drei Teile gestreckt wurden, hört auch der Lego Hobbit einfach „mittendrin“ auf und lässt uns mit einem Knurren im Bauch traurig zurück. Nicht falsch verstehen: Die Geschichte ist auch im Spiel perfekt umgesetzt und lässt Euch sogar in den Rückblenden in die Vergangenheit der Zwergenriege Anteil an ihrem Schicksal haben. Dennoch ist der (nach dem Ende des zweiten Films „Smaug's Einöde“) gesetzte Schlusspunkt ein unnötiger Schnitt, der ähnlich wie bei dem gewaltigen Film-Triumvirat einfach nur laut „Abzocke!“ schreit. Wetten dass wir in spätestens zwei Jahren Lego The Hobbit 2 vor uns liegen haben?

3290_4c4b74fab369edc8bbafebb96e26ae1a_800x600r (image/jpeg)

 

Eigentlich wollte ich nicht negativ beginnen. Lego The Hobbit verdient alleine deswegen eine positive Einleitung, weil so unglaublich viel Herzblut der Entwickler in das Spiel geflossen ist – hier scheint jeder Grafik-, Sound- und Level-Designer großer Fan des ursprünglichen Materials gewesen zu sein. Nebenbei haben die Jungs und Mädels Lego im Blut: Jede Pflanze, jeder Stein in den Minen der Zwerge, jede Goldmünze im gewaltigen Schatz von Zwergenkönig Thráin, jede Brücke in Hobbingen besteht aus Lego. Ein grafischer Aufwand, der beim zarten daher Schlendern kaum ausreichend anerkannt wird.

Weg von der Tür, wo sie begann...

Bevor ich weiter in die Materie einsteige, schon mal eine kurze Beruhigung für alle Lego-Fans da draußen: Wer mit den letzten Spiele-Iterationen glücklich geworden ist, findet auch in Lego The Hobbit ein El Dorado für Klötzchen-Sammler. Nebenbei wirkt der Titel erwachsener und schnittiger, als seine Vorgänger. Hier liegt der Vergleich mit Lego Marvel Super Heroes auf der Hand, welchen der Marvel-Titel jedoch knapp für sich entscheiden kann.

Warum? Ganz einfach: Der Hulk und Spiderman sind wesentlich einfacher zu unterscheiden, als Thorin, Bifur, Bofur, Fili, Kili, Dori, Nori, Ori, Oin, Glóin, Balin und Dwalin. Hier grenzt es schon an ein Wunder sich die Namen merken zu können. In einem Spiel, indem jeder Charakter mit verschiedenen Fertigkeiten daherkommt und diese zwingend zum Vorankommen in Kombination miteinander genutzt werden müssen, haben Leute mit schlechten Augen schnell das Nachsehen.

Um die Unterscheidung der Charaktere noch komplizierter zu gestalten, entpuppt sich auch das Interface von Lego The Hobbit als eher mäßig intuitiv: Per gedrückter Taste wird ein Ringmenü aufgerufen, indem Ihr zwischen den verschiedenen Charakter-Köpfen wählt. Im Film wurden die Zwerge zwar perfekt getroffen, auf Lego herunter stilisiert ergeben sich jedoch Probleme: Zumindest wenn der Charakter-Kopf die Größe von nur wenigen Pixeln auf der heimischen Full HD Glotze abbildet und die Hintergründe einem Wimmelbild ähneln.

Apropos Wimmelbild: Wie bereits Lego Marvel Super Heroes profitiert auch Lego The Hobbit nicht immer von dem extrem hohen Detailgrad (und der Detail-Verliebtheit!) der Szenarien. Da gehen der kleine Hobbit und seine Crew aus Zwergen gerne im Bild verloren, so dass man verzweifelt auf die Sprungtaste hämmert, um seinen Charakter „wiederzufinden“. Weiter verstärkt wird das Problem durch extrem weite Kameraperspektiven, welche Euch zwar einen prächtigen Überblick über die teils epischen Umgebungen präsentieren, den wesentlichen Handelsort des Geschehens aber gerne vernachlässigen.

Das Spiel, welches so sehr auf die Suche nach Geheimnissen und zerstörbaren Gegenständen aufbaut (schließlich wollen wir ALLE Legosteine sammeln!), wird durch diese Entscheidungen der Entwickler leider unnötig erschwert und behindert. Zum Glück sind die weit entfernten Kamera-Perspektiven nicht in jedem Spielabschnitt enthalten: Bei Eurer Reise durch Mittelerde abseits der Geschichte könnt Ihr die Kamera sogar vollkommen frei bewegen, was diese Abschnitte in Sachen Benutzerfreundlichkeit merklich aufwertet.

Ein Zwerg, sie zu knechten

Auch die eigentliche Spielmechanik abseits des Interface wird von der schieren Auswahl an Zwergen negativ beeinflusst: Beinahe jeder Zwerg kommt mit seiner eigenen, distinktiven Fertigkeit daher, vom Bogenschuss, über Äxte, Schwerter, einer Schaufel... irgendwie hat jeder der kleinen Mistkerle gleich zwei Gegenstände in seinem persönlichen Inventar, nach denen Ihr erst mühevoll suchen müsst. Hier heißt es ganz klar: Zu viele Zwerge verderben den Brei! Von Gandalf, Bilbo und Co. will ich erst gar nicht anfangen.

3289_ae5873fa71580c3cd7a2592c70f4e069_800x600r (image/jpeg)

 

Doch es gibt noch weitere Neuigkeiten für Lego-Spieler: Neben den typischen Lego-Steinen sammelt Ihr in Lego The Hobbit auch Gold, Stahl, Holz und weitere Materialien, um aus ihnen besondere „Schlüssel“-Gegenstände zu bauen. An anderer Stelle kommt das neue Lego-Baukasten-Feature zum Einsatz: Findet so schnell wie möglich das richtige Lego-Teil aus einem Kreis-Menü und kassiert Lego-Steine, je nachdem wie schnell Ihr gewesen seid.

Letzteres ist zwar ebenfalls ein wenig unübersichtlich, aber ein netter Kniff um dieses jugendliche Gefühl des "Verdammte Hacke, wo ist jetzt nochmal DAS Teil in DIESEM Haufen von Lego-Steinen?" wieder aufleben zu lassen. Daumen hoch dafür! Ebenfalls neu ist das "Buddy"-Feature: Verbindet Eure Helden zum schlagkräftigen Duo, um besonders fiesen Gegnern Herr zu werden.

Weit Überland, von Ort zu Ort

Die Geschichte von Legot The Hobbit unterhält Euch für gute 6 bis 8 Stunden. Zur Unterhaltung tragen dabei im wesentlichen die zahlreiche Zwischensequenzen bei, welche wieder mit typischem Lego-Humor daherkommen. Den Trend der letzten Lego-Spiele aufnehmend „sprechen“ die Figuren auch wieder miteinander: Mit einer kleinen Träne im Auge weinen wir den kultigen Slapstick-Einlagen älterer Lego-Spiele hinterher und freuen uns gleichzeitig über teils extrem gut gesprochene Dialoge, welche sich stark an den Filmen orientieren.

Kurios: Neben zahlreichen O-Ton Dialogen wirken einige Sprecher seltsam deplatziert, auch der Soundtrack konnte scheinbar nur zum Teil lizenziert werden. Letzteres fällt vor allem bei der lustigen Zwergenparty in Bilbo's Bude negativ auf, vor allem da die Szene noch von einem eher „müßig-simplen“ Rhythmus-Spiel untermalt wird.

3291_4a26eb31d5dea6101687bb3bf113365c_800x600r (image/jpeg)

 

Wem die 6 bis 8 Stunden reine Spielzeit nicht reichen, der vergnügt sich beinahe endlos in Mittelerde: Nach jeder abgeschlossenen Hauptmission „poppen“ neue Nebenmissionen auf der Weltkarte auf, welche teils ziemlich dumpf, teils richtig gut und mit fiesen Rätseln versehen sind. Das streckt die Spielzeit auf das vier- bis fünffache; wer ein „100 Prozent“ Rating anstrebt, der sollte sich besser für die nächsten Monate Urlaub nehmen.

Fazit

Hobbit- und Mittelerde Fans freuen sich über einen gewaltigen Batzen Inhalt mit extremer Liebe zum Detail. Punktabzüge in der B-Note kassiert der Lego Hobbit durch das visuell schlecht präsentierte Interface und zahlreiche Stolpersteine im Wechsel zwischen den Helden.

Lego The Hobbit ist für Xbox One, Xbox 360, PlayStation 4, PlayStation 3, PlayStation Vita, PC, Wii U und Nintendo 3DS erhältlich. Getestet wurde die PlayStation 4 Version, welche inhaltsgleich zur Xbox One- und PC- Version ist.

"Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach, 
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Die Straße gleitet fort und fort
Durch Berg und Schlucht, durch Feld und Tann,
Bald säumend hier, bald eilend dort,
Hin zu der Tür, wo sie begann.
Das Aug, das Feuer sah und Schwert,
Gefahr und Greuel ohne End,
Nun schaut es wieder, heimgekehrt,
Baum, Bach und Hügel, die es kennt."

3113_dd54f53c86f3a758d6aed2fd707be416_800x600r (image/jpeg)