Der Inbegriff von "Sandkasten"-Videospiel

Mad Max im Test für PlayStation 4

Der Inbegriff von "Sandkasten"-Videospiel: Mad Max im Test für PlayStation 4 Der Inbegriff von "Sandkasten"-Videospiel: Mad Max im Test für PlayStation 4 Foto: Warner Bros. Interactive

Der perfekte Spielplatz für Helden: Die endlose Endzeit-Wüste aus „Mad Max“ bietet den Hintergrund für unzählige Abenteuer und eine ganze Liste an Aufgaben. Leider werden diese nur bedingt durch die dünne Handlung und blasse Charaktere zusammengehalten. Wir liefern den Test.

Mad Max hat es nicht leicht: Seine Familie ist dem „Ende der Welt“ ebenso zum Opfer gefallen, wie Recht, Ordnung und feste Straßenbeläge. Inmitten einer gigantischen Wüstenlandschaft fährt der grimmige Max jetzt in seinem treuen Gefährt von Ort zu Ort, stets auf der Suche nach Benzin, Wasser und Nahrung.

Leider trifft er dabei auf "Scabrous Scrotus", den selbst ernannten Herrscher über das Ödland. Die Begegnung verläuft nicht zum Vorteil von Max: Seine treue Karre wird gestohlen, er selbt kommt nur knapp mit dem Leben davon.

Jetzt sinnt Max natürlich auf Rache. Zusammen mit dem schrillen und minimal-bekloppten Mechaniker Chumbucket schraubt sich Max eine Karre zusammen, die alle anderen Fahrzeuge in den Schatten stellen soll: das Magnus Opus. Doch bis es soweit ist, müssen erst unzählige Bauteile besorgt und Aufgaben gelöst werden.

Vorsicht Sandsturm!

Ausnahmsweise zuerst ein Wort zur technischen Seite von Mad Max: Die Wüstenlandschaften sehen einfach fantastisch aus und übertragen gekonnt die Weite der Landschaft. An vielen Stellen ragen die letzten Mahnpfeiler der zerstörten Zivilisation aus dem Sand heraus, die unterschiedlichen Gebiete der riesigen Karte lassen sich distinktiv voneinander unterscheiden. Für zusätzliche Atmosphäre sorgen zufällige Wetter-Phänomene wie Sandstürme und Blitze, die im Sekundentakt in den Boden schießen und dabei gerne auch mal euch selbst und eure Gegner vom Bildschirm pusten.

Mad Max (4) (image/jpeg)

Das visuell größte Lob haben sich die Fahrzeuge verdient, die ebenso wie im filmischen Vorbild aus unzähligen Schrottteilen zusammengesetzt sind und schwere Waffen mit sich führen. Während die Konsolenfassung hier und da mit kurzen Einbrüchen der Bildrate zu kämpfen hat, erfreut sich der Titel insbesondere auf PC einer technisch nahezu perfekten Umsetzung inklusive aller nötiger und zusätzlicher Grafikoptionen. So lässt es sich als PC-Spieler leben!

Der Grund warum wir bei der technischen Seite angefangen haben? Die starke Atmosphäre und das audiovisuelle Effektgewitter überdecken die Schwierigkeiten in der Spielmechanik genug, um aus Mad Max einen genialen Ritt zu machen.

Checkliste für den nächsten Urlaub im Ödland

Wirklich schwerwiegende Vergehen hat Mad Max jedoch auch in Sachen Spielmechanik nicht verbrochen. Vielmehr liegt es am nervigen Open-World-Mantra, dass der Titel sich bisweilen mehr wie „Arbeit“, als nach „Spiel“ anfühlt: Zwischen Ruinen, Industrie-Anlagen und verworrenen Höhlen reist ihr von Punkt zu Punkt und werdet mit Aufträgen beinahe erschlagen. Sammelt Briefe, schmackhafte Nahrung wie Hundefutter und Maden, besorgt Schrottteile, entschärft Minenfelder, verbündet euch mit den Bewohnern der Welt und befestigt diverse Festungen, die ihr nachfolgend auch als „Schnellreisepunkt“ nutzen könnt.

Die Liste wird immer größer und größer und verliert sich nach etlichen Stunden Spielzeit in einer Art „Dauertrott“: Aufgrund der eher lahmen Handlung und der mangelnden Charaktertiefe erkennt ihr bisweilen nicht wirklich, warum ihr die Arbeit – abseits der spielerischen Vorteile – überhaupt noch auf euch nehmen sollt. Immerhin locken Rüstungs- und Fahrzeugs-Upgrades auch visuell und werden nicht bloß in kalten Zahlen dargestellt.

Twisted Metal

Überraschend gut gefallen die Kämpfe in Mad Max: Im Nahkampf gegen die Schergen des Ödlands setzt Max auf wuchtige Kombos im Batman-Stil, nutzt Konter-Attacken und greift sich kurzfristig in der Umgebung verstreute Gegenstände als Aushiflswaffen (Brechstangen, Messer). Wer mehrere Attacken hintereinander landet, versetzt Max in den Wut-Modus, der ihn noch härter zuschlagen lässt.

Insgesamt erreichen die Kämpfe zwar nicht die Klasse eines Batman, können sich aber mehr als blicken lassen: Dank der dichten Soundkulisse und der hohen Brutalität gestaltet sich auch noch der hundertste Kampf gegen Gangster und Psychopathen spannend. Was auch daran liegen mag, dass viele Kämpfe modifiziert werden können, je nachdem wie ihr euch dem Feind nähert: Snipert die Bösewichte aus weiter Entfernung aus eurem Wagen heraus, schleicht euch an ihnen vorbei, oder nutzt die Umgebung zu eurem Vorteil.

Fallout 4, Star Wars Battlefront und Metal Gear Solid V Top 20 Videospiele Highlights im Herbst / Winter 2015 21 Fotos

Noch einen obendrauf setzen die Fahrzeugkämpfe: Natürlich trefft ihr auf euren Ausflügen durch das Ödland auf jede Menge Wagenkolonnen, die nichts Gutes im Schilde führen. Ein Schuss mit eurer Schrotflinte lässt feindliche Fahrzeuge meist augenblicklich in einer dicken Explosion in den Himmel schießen, alternativ greift ihr zur Ramm-Attacke oder lasst den verrückten Kollegen Chumbucket an die Harpune: Mit dieser könnt ihr in voller Fahrt Türen, Reifen und die Panzerung von den Fahrzeugen herunterreißen.

Open-World-typisch kommen die vielen Kampfoptionen mit einem Problem daher: Die Steuerung ist überladen und nicht selten müsst ihr euch wieder in den Kopf rufen, welcher Knopf nun welche Aktion auslöst.

Mad Max (5) (image/jpeg)

Fazit

Unterm Strich ist und bleibt Mad Max bei aller Kritik über die dünne Handlung, die repetitiven Aufgaben und den blassen Hauptcharakter, ein extrem spaßiges Open-World-Vergnügen, dass allen voran von seiner endzeitlichen Kulisse profitiert: Diese will einfach zu keiner Sekunde langweilig werden und stiehlt den anderen Elementen jederzeit die Show. Nebenbei motiviert der Bau des Magnum Opus durch unzählige Tuning-Optionen.

In diesem Sinne ist Mad Max zwar kein grandioses Highlight, welches man unbedingt gespielt haben sollte, wohl aber ein Titel, mit dem sich perfekt einige kalte Herbsttage verbringen lassen. Wirklich bereuen wird den Ausflug in die Wüste sicher niemand – es bleibt nur die Frage, wie viel Zeit ihr dort verbringen wollt.

Mad Max erhält von uns 4 von 5 wertvollen Schrottteilen, 8 von 10 per Schrotflinte zum Mond geschossene Wüstenbuggys und einen Benzingehalt von 82 Prozent.

Mad Max ist erhältlich für Xbox One, PlayStation 4 und PC. Hinter diesem Link findet ihr den Titel auf amazon.de.

A Hideo Kojima Game: "Metal Gear Solid V: The Phantom Pain" im Test für PlayStation 4 A Hideo Kojima Game "Metal Gear Solid V: The Phantom Pain" im Test für PlayStation 4 Zum Artikel » Der neue Prachtgaul im Rennstall: Forza Motorsport 6 im Test für Xbox One Der neue Prachtgaul im Rennstall Forza Motorsport 6 im Test für Xbox One Zum Artikel » "Bat Boys, Bat Boys, whatcha gonna do!": "Batman: Arkham Knight" im Test für PlayStation 4 "Bat Boys, Bat Boys, whatcha gonna do!" "Batman: Arkham Knight" im Test für PlayStation 4 Zum Artikel »