"Metal Gear Solid V: Ground Zeroes" im Test

Snake ist auf einem guten Weg

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"Metal Gear Solid V: Ground Zeroes" im Test Snake ist auf einem guten Weg 7 Fotos

Snake hat eine weite Reise hinter sich, immerhin erschien sein erstes Abenteuer bereits 1987 (!) für MSX2 Computer in Japan. Das Ur-Abenteuer ist bei hiesigen Nerds eher bekannt durch seinem stark veränderten Auftritt auf dem NES

Snake ist übrigens nicht gleich "Snake": Der famose Serienheld lebt nicht nur unter vielen Namen, sondern verkörpert tatsächlich verschiedene Charaktere. So versucht sich in dem hier vorliegenden Metal Gear Solid V: Ground Zeroes nicht "Solid Snake" (Metal Gear Solid, PlayStation One), sondern Big Boss, alias "Naked Snake", alias "Punished Snake" an einer heiklen Rettungsmission. Auch als Synchronsprecher dankt der langjährige "Snake"-Experte David Hayter ab und übergibt die Stimme des Helden an niemand geringeren als 24-Heroe Kiefer Sutherland.

Ihr merkt schon: Um im Metal Gear Universum klar denken zu können, benötigt man einen Haufen Hintergrundinfos. Vier "große" Spiele sind seit dem Release von Metal Gear Solid für die PlayStation One anno 1998 erschienen, die zahlreichen Umsetzungen, HD-Updates und Spin-offs (zuletzt: Metal Gear Rising: Revengeance) mal ganz außen vor gelassen. Jeder Teil führte nicht nur neue Charaktere ein, sondern hüpfte auch munter durch die Timeline der Geschichte: Mal spielten wir Solid Snake, der ein genetischer Klon von Big Boss ist (was die Ähnlichkeiten im Aussehen erklären!), mal huschten wir selbst als Big Boss (Naked Snake) durch's Gestrüpp - wohlgemerkt im dritten Teil der Serie, der im Story-Reigen ganz weit vorne und somit vor den Ereignissen des "Ur" Metal Gear Solid beginnt. 

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Versucht Eure zerebralen Windungen zu entknoten, denn für Metal Gear Solid V: Ground Zeroes spielt zum Glück nur wenig davon eine Rolle. Dennoch ist es Schade, dass sich Konami die Chance entgehen lässt die Geschichte für Neueinsteiger verständlich zusammenzufassen: Als jemand, der die letzten Teile nicht gespielt hat - allen voran Metal Gear Solid: Peace Walker, an dessen Geschichte Ground Zeroes ansetzt - fliegen da erstmal die Fragezeichen durch die Luft. 

Ausgangslage ist folgende: Wir versuchen als Snake eine Armee-Basis zu infiltrieren und zwei ganz besondere Gefangene zu retten. Camp Omega ist dabei vollgepackt mit düsteren Ecken, Wachtürmen, Stacheldrahtzäunen und jeder Menge Wachpersonal: Genau die richtige Aufgabe für Snake! Hier kommt bereits der größte Pluspunkt des Spiels zum Tragen, denn Ihr seid extrem offen in Eurer Herangehensweise. Schaltet Ihr die Wachen in den Wachtürmen per schallgedämpftem Gewehr aus? Oder beobachtet Ihr Eure Umgebung erstmal aus sicherer Entfernung durch's Fernglas, um den perfekten Weg zum Ziel zu finden?

Nichts für Rambos

Wer mit Schleichen nichts anfangen kann, der wird nur wenig Spaß mit Metal Gear Solid V: Ground Zeroes haben: Mit gezückten Waffen und Rambo-Verhalten schließt man den Titel in nichtmal 50 Minuten ab. Ja, richtig gelesen: Ground Zeroes ist ein kurzes Vergnügen. Von Hideo Kojima und seinem Team offiziell als Prolog zum "richtigen", noch immer nicht näher terminierten Metal Gear Solid V: Phantom Pain angekündigt, wird der Titel in Foren mittlerweile gerne als "überteuerte" Demo kritisiert. 

Spätestens hier sollte jeder Interessierte sich vor dem Kauf gut überlegen, ob er "Spaß am Schleichen" hat, denn nur in dieser Form kann Ground Zeroes wirklich brillieren: Belauscht Wachen bei ihren Gesprächen oder überrumpelt eine Wache von hinten und quetscht ihr im eigenwilligen "Verhör" wichtige Informationen zum Standpunkt weiterer Wachleute oder zu versteckten und sammelbaren Kassetten heraus. Beobachtet die Umwelt, welche optisch dank fantastischer Licht- und Regen-Effekte hervorragend herüberkommt und mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Nur so könnt Ihr Euch wirklich auf Euren Auftrag einlassen und die Atmosphäre des Spiels auskosten. 

Weitere Missionen verlängern die Spielzeit

Zudem ist das "Ende" nicht gleich das "Ende": Wer Ground Zeroes auf einer Microsoft-Konsole spielt, darf in einer speziellen Zusatz-Mission als Metal Gear Kollege "Raiden" auf Schleichtour gehen. Raiden ist etwas flotter unterwegs, das Katana hat er aber (leider!) zu Hause gelassen.

PlayStation-Konsoleros hingegen freuen sich auf eine dicke Portion Retro, denn hier findet die exklusive Zusatz-Mission in der Retro-Optik aus dem ersten PlayStation Metal Gear Solid statt. Genial!

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Beide Zusatzmissionen sind jeweils 20 bis 30 Minuten lang, hinzukommen fünf weitere Missionen, in denen Ihr das Camp Omega auch mal bei Sonnenschein erforschen dürft. Lasst Euch also nicht allzu sehr von den "40 Minuten und durch!" Einträgen einiger enttäuschter Fans abschrecken: Metal Gear Solid V: Ground Zeroes ist sicher kein vollwertiges Spiel, bietet aber erheblich mehr, als anfangs ersichtlich ist. Hinzukommt der "geringe" Preis von 29,99 Euro für die physische Version, sowie 19,99 Euro für den Download - da kann man bei der Spiellänge insbesondere beim Download-Preis ruhig ein Auge zudrücken.

iDroid für Euer Smartphone oder Tablet

 Wer Spaß an technischen Spielereien hat, der sollte sich beim Spielen übrigens mal die iDroid-App anschauen: Die kostenlose App spendiert Euch während der Schleich-Action eine Karte der Umgebung auf Eurem Handy oder Tablet.  Zudem könnt Ihr Eure eigene Basis errichten und von den von Euch befreiten Geiseln verteidigen lassen.

Die "Motherbase" soll dann irgendwann auch im Hauptspiel "The Phantom Pain" zum Einsatz kommen. Eine durchaus nette Spielerei, die man sich da kostenlos herunterladen kann!

Grafischer Vergleich

Grafisch präsentiert sich Metal Gear Solid V: Ground Zeroes dank der neuen Fox Engine hervorragend, auch wenn die Kulisse des Abenteuers eher unspektakulär daherkommen mag. Erwartet also keine epischen, architektonischen Meisterwerke, immerhin befinden wir uns hier in Mitten eines schnöden Armee-Lagers! Es sind mehr die Details, die beeindrucken und die Handschrift von Kojima tragen: die von Regennässe glänzende Kleidung von Snake, die im Wind wehenden Haare, die Gischt des Meeres und kleine Ratten, die über das Gelände rennen. Dies alles trägt wunderbar zum stimmigen Gesamtbild bei. 

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Grafische Unterschiede zwischen den Versionen sind minimal, aber durchaus vorhanden: So sichert sich die PlayStation 4 dank Full-HD-Auflösung und flüssgen 60 Frames den ersten Platz, während die Xbox One mit 720p ein wenig hinterherhinkt - der optische Unterschied dürfte aber nur Profis im direkten Bildvergleich auffallen. Überraschend gut halten sich auch Xbox 360 und PlayStation 3: Abseits von niedriger aufgelösten Texturen und weniger Details präsentiert sich Ground Zeroes auch auf der alten Generation noch hervorragend. 

Fazit

Kurz, knackig und dennoch vollgepackt mit liebevollen Eastereggs, Anspielungen an die Vorgänger und einem zum eifrigen Experimentieren einladenden Sandkasten namens Camp Omega bietet Ground Zeroes mehr, als auf dem ersten Blick ersichtlich ist. 

Noch wichtiger: Ground Zeroes legt einen hervorragenden Grundstein für das "richtige" Spiel The Phantom Pain, welches allem Anschein nach erst 2015 auf Xbox One und PlayStation 4 losgelassen wird. Dank der neuen Engine und dem verbesserten Spielfluss (auch die Steuerung wurde erheblich verfeinert!), können wir es kaum abwarten zu sehen, was das Team rund um Kojima 2015 für das Hauptspiel in Petto hat. Bis dahin muss wohl jeder selbst entscheiden, ob die 29,99, respektive 19,99 Euro jetzt "dreiste Abzocke" oder "faires Angebot" sind.

Nach meiner persönlichen Meinung ist zumindest der Download-Preis für den knapp vier bis fünf Stunden langen und hochwertig produzierten Agentenspaß absolut gerechtfertigt. Und ich bin nichtmal großer Serienfan, aber wenn mir wieder sechs Soldaten am Hintern kleben und ich mich verzweifelt in den Zeltstädten des Camps zu verstecken versuche, während mir der Schweiß auf's Joypad tropft, dann kann ich guten Gewissens sagen:

"Snake, du bist auf dem richtigen Weg! Mission accomplished!"

Metal Gear Solid V: Ground Zeroes ist erhältlich für Xbox 360, Xbox One, PlayStation 3, PlayStation 4 und - wenn Kojima so will - irgendwann auch noch für PC. Denn eine PC-Version wurde bislang nicht konkret ausgeschlossen!