EA hört auf seine Fans

NHL 16 im Test für PlayStation 4

EA hört auf seine Fans: NHL 16 im Test für PlayStation 4 EA hört auf seine Fans: NHL 16 im Test für PlayStation 4 Foto: EA
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„Hört auf Eure Fans!“ Diesen Satz möchte man Fußball-Vereinen, Rockbands und auch Spiele-Entwicklern gerne mal um die Ohren schmeißen. Dann, wenn sie an den Bedürfnissen der zahlenden Kundschaft vorbei spielen, musizieren oder entwickeln.

Dieses Kunststück gelang Electronic Arts im vergangenen Jahr mit NHL 15, das als einer der wohl misslungensten Serien-Ableger in die Konsoleneishockey-Geschichte eingehen wird. Wie eine bessere Demo kam NHL daher, mit einem überragenden Spiel auf dem Eis – aber sonst einem Umfang, für den „dürftig“ noch ein zu charmantes Adjektiv gewesen wäre. Notdürftige Download-Nachbesserungen rundeten das desaströse Gesamtbild nur noch ab.

„Hört auf Eure Fans!“ Man kann sagen: Das tat EA. Und wie. Schonungslos durften die Konsumenten der Eishockey-Serie ihre Meinungen, Kritik und Wünsche für das neue NHL 16 kundtun. Und man kann sagen: EA hat gut zugehört. Die abgespeckte Vorgängerversion kann man getrost in die Tonne kloppen.

Alles drin, alles dran 

Endlich sind schmerzlich vermisste Spielmodi wie eine Saison (ernsthaft - eine stinknormale NHL-Saison fehlte im Vorgänger!), Shoot-Outs oder ein liebevoll verpackter Karriere-Modus wieder da. Dort können verdiente Attributverbesserungen nicht mehr wie früher nach dem Gießkannenprinzip über den selbst erstellten Spieler ausgeschüttet werden: Das System erkennt, was im Spiel gut geklappt hat und was nicht. Werden bestimmte Schüsse oft und gut ausgeführt, verbessert sich der Wert – genau so sinkt er nach wiederholten missratenen Aktionen. Stark – und realitätsnah.

Im „Be a GM“-Modus lenkt man die Geschicke einer NHL-Organisation, kann einen Fantasy-Draft ausspielen – und das neue Moralsystem bestraft kaltherzige Personalentscheidungen sofort.

Auch das Geschehen auf dem Eis wurde überarbeitet: Die ganze Palette der NHL-Arenen ist liebevoll modelliert, bei Toren hüpft selbst das Original-Maskottchen der NHL-Teams an der Bande herum.

Und der Sport kracht. Gerade für Fortgeschrittene ist dieses NHL (bei den richtigen Einstellungen) eine fast perfekte Eishockey-Simulation. Spieler prallen glaubwürdig zusammen, die Puckkontrolle wirkt realistisch – und der Spielaufbau scheitert wie im echten Leben auch gerne schon an der blauen Linie.

Neu ist zudem eine „On-Ice-Hilfe“ für Anfänger und Fortgeschrittene, die während des Spiels eine mögliche Aktion vorschlägt und hinterher auch anzeigt, wie gut diese ausgeführt wurde. Für Anfänger sicherlich hilfreich – und auch die Profis können so ihre Checks und Bully-Qualitäten noch einmal feinjustieren.

Fazit

Kommen wir zum Negativen. Denn das gibt es natürlich auch. So originalgetreu alles ist, was mit der NHL zu tun hat, so lieblos sind Mannschaften aus Europa integriert. Die Kader sind auf Vorjahresstand, Original-Arenen sind so gut wie Fehlanzeige. Außerdem springen kleinere Grafik-Fehler in den Zwischensequenzen ins Auge – so verschwinden Handschuhe beim Torjubel immer noch ganz gern im Rücken des Mitspielers.

Grafisch leistet NHL trotzdem eine Menge – ohne jedoch die realistische Darstellung eines NBA 2K16 zu erreichen. Das alles sind jedoch Kritikpunkte auf einem hohen Niveau. EA musste sich das Vertrauen der Eishockey-Gemeinde zurückerarbeiten und hat das mit NHL 16 weitgehend eindrucksvoll geschafft. Suchtgefahr!

NHL 16 schlägt 8 von 10 Zähnen aus 4 von 5 vor Freudentränen benetzten Gesichtern furioser Eishockey-Spieler, die 84 von 100 Spielen fortan am liebsten virtuell  antreten. Ice, Ice, Baby!

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