Octodad im Test

Familienvater, Tierfreund, Oktopus

Octodad im Test: Familienvater, Tierfreund, Oktopus Octodad im Test: Familienvater, Tierfreund, Oktopus
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Octodad im Test | Indie Familienvater, Tierfreund, Oktopus 6 Fotos

In unserem Test zum Indie-Spiel "Octodad" geht viel zu Bruch, denn der treuherzige Familienvater hat ein ganz spezielles Problem: Er ist ein Oktopus! 

Entwickelt wurde der Indie Titel von einer Gruppe Studenten der DePaul University in Chicago, welche sich nach dem Erfolg des Projekts unter dem Namen Young Horses, Inc. zusammengeschlossen haben. Wie bei jedem guten Spiel ist die grundsätzliche Mechanik des Spiels extrem simpel: Steuert den Protagonisten durch diverse Umgebungen, sammelt Gegenstände und vollführt ganz alltägliche Aufgaben wie "Vogelhäuschen aufhängen", "Burger zubereiten", "Kaffee machen" oder "Einkaufen". 

Der Clou des Spiels ist nicht nur die Optik des Protagonisten, der als waschechter Oktopode daherkommt (ganz im Gegensatz zu seiner vollkommen normalen Familie), sondern die Steuerung: Mit der linken Maustaste wird das linke Bein des Kopffüßlers ausgewählt und bewegt, mit der rechten Maustaste das rechte Bein. So wird jede normale Bewegung bereits zur Slapstick-Komödie für die Zuschauer und zur Herausforderung für den Spieler. 

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Noch schwieriger wird die ganze Chose, wenn die Arme hinzukommen: Per mittlerer Maustaste wird zwischen Armen und Beinen umgeschaltet, danach bewegt Ihr die Arme mit der linken Maustaste horizontal und passt die Höhe per rechter Maustaste an. Da Octodad von Natur aus ziemlich "biegsam" und "elastisch" ist, könnt Ihr mit den Armen auch um Ecken greifen, oder Ihr verheddert Euch im Einkaufswagen und werdet daraufhin von dessen Besitzerin quer durch den Laden gezogen.

Hinter dem Spiel werkelt eine simple, aber extrem spaßige Physik-Engine, welche alltägliche Dinge wie "Rasen mähen" oder "Holz hocken" in Verbindung mit dieser Steuerung zur Herausforderung werden lassen. 

Abseits des normalen Lebens hat Octodad im Spiel neben der Steuerung aber noch einen ganz anderen Widersacher: Der Chefkoch will den Oktopus am liebsten zu Sushi verarbeiten und überrascht den Familienvater im Laufe des (mit nur wenigen Stunden nicht besonders langen) Abenteuers an diversen Stellen. Diese "Bosskämpfe" sind eines der wenigen Elemente des Spiels, in denen Ihr tatsächlich versagen könnt. Doch keine Sorge: Die Rücksetzpunkte sind großzügig gesetzt und so etwas wie Frust kommt nicht auf - den sparen sich die Entwickler lieber für die Steuerung auf. 

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Musikalisch wird der Titel durch einen extrem coolen, meist groovigen und rockigen Soundtrack von Ian McKinney unterlegt. Noch besser sind die Synchronstimmen der Frau und der Kinder: Glaubt es, oder glaubt es nicht, aber die Charaktere kommen teils charmanter und "echter" rüber, als in vielen anderen Spielen. Damit rechnet man in diesem Setting nicht unbedingt. 

Die wahre Liebe der Entwickler zum Spiel merkt man hingegen in den vielen Kleinigkeiten und Easter-Eggs, welche Euch in den Leveln erwarten: Im Supermarkt findet Ihr zum Beispiel einen Stand mit Minecraft-Goodies, oder dürft Euch "Cynical Biscuits" aus dem Automaten ziehen - eine Anspielung auf den bekannten, englischsprachigen YouTuber. Überhaupt ist es eine Wonne die Level durch die Augen von Octodad zu entdecken - in der Liebe zum Detail erinnert uns der Titel ein wenig an die fantastische Katamari Damacy Serie. 

Fazit:

Octodad ist eine Seltenheit in der heutigen Spielebranche: Ein definitiv einzigartiger Held, eine verrückte Steuerung, unterlegt durch viel Charme und eine virtuelle Welt, in der man sich gerne austobt. Da relativiert sich der größte Minuspunkt des Spiels: Die Spiellänge von gerade mal vier Stunden kann wie Octodad erheblich in die Länge gezogen werden, wenn man tatsächlich alle versteckten Krawatten im Spiel finden will und sich auf die Umgebung einlässt, anstelle hindurchzuhasten. 

Alle Krakenarme hoch!

Octodad gibt es für 13,99 Euro bei Steam. Neben der angesprochenen Maussteuerung lässt sich Octodad übrigens auch mit einem Controller durch die Level haken. Ein lokaler Koop-Modus lässt Spieler 2 die Kontrolle über die Arme oder Beine übernehmen. Cool: Im Level-Editor könnt Ihr über Steam Workshops Eure eigenen Kreationen teilen - die Auswahl dort ist bislang aber noch recht überschaubar.