Dieses JRPG-Deluxe-Diner hat den Style mit Löffeln gefressen!

Persona 5 im Test für PlayStation 4

Dieses JRPG-Deluxe-Diner hat den Style mit Löffeln gefressen!: Persona 5 im Test für PlayStation 4 Dieses JRPG-Deluxe-Diner hat den Style mit Löffeln gefressen!: Persona 5 im Test für PlayStation 4 Foto: Atlus

2017 geizt nicht mit Ausnahmespielen. Dabei ist das Jahr noch nicht einmal zur Hälfte herum. Auch Persona 5 reiht sich problemlos in die stetig wachsende Liste der Top-Spiele ein - und ist dabei auch interessant für alle, die sonst nichts mit japanischen Rollenspielen anfangen können.

Rollenspiele japanischer Machart erleben einen zweiten Frühling. Nicht zuletzt auch dank des stetig wachsenden Interesses an Retro- und Indie-Spielen, welche den Pixel-Look auch heute noch en vogue machen. Persona 5 verzichtet auf Pixel: Die Mischung aus Tradition und Moderne vereint das Beste aus beiden Welten miteinander. Dabei passt es das Genre behutsam und äußerst clever für eine neue Generation von Rollenspielern an - und zeigt uns einen mehr als beeindruckenden Weg, wie japanische Rollenspiele in der heutigen Zeit funktionieren können.

Wichtige Info für alle Rollenspiel-Neulinge vorab: Persona 5 erscheint hierzulande nur mit englischen Untertiteln und englischer Sprachausgabe – alternativ könnt ihr euch die japanische Sprachversion herunterladen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, dürfte anhand der Vielzahl an Texten vor einem Buch mit sieben Siegeln stehen.

Hinzukommt ein sehr gemächlicher Einstieg, der insbesondere JRPG-Neulingen und Lesefaulen schnell graue Haare wachsen lassen dürfte: Ihr benötigt rund 6 bis 8 Stunden, bis ihr wirklich in die Welt von Persona 5 eingestiegen seid. Dass ihr dabei nicht jederzeit abspeichern dürft, sondern nur an bestimmten Punkten, macht die Sache nicht leichter. Dennoch sagen wir mit gutem Gewissen: Bleibt dran, es lohnt sich!

Vom Schul-Alltag und Luftschlössern

In Persona 5 schlüpft ihr nicht in die Rolle von gefallenen Helden, Thron-Erben oder magisch begabten Ausnahmetalenten, sondern vielmehr in die Haut von ganz normalen Jugendlichen, meist Außenseitern, die ihrem Leben an einer Schule inmitten von Tokyo nachgehen. Dieser ganz gewöhnliche Schul-Alltag ist bereits interessant genug, um ein eigenes Spiel daraus zu basteln – und Persona 5 schafft diese Versoftung des japanischen Alltags wie kein anderes Spiel.

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Obendrauf kommt dann doch ein mystisches Element, eine Parallelwelt zur Realität, in der die Schüler in das Seelenleben ihrer Mitmenschen einsteigen können, um dort ihre tiefsten Bedürfnisse und Wünsche zu stehlen. Die Schüler werden zu sogenannten "Phantomdieben" und in diesen "Schlössern" spielt sich dann auch das eigentliche, klassische Rollenspiel ab, inklusive Rundenkämpfen, Spezialfertigkeiten, Kombos und dem steten Schlagabtausch zwischen fantastischen Wesen ("Personas") und der bunt zusammengewürfelten Heldentruppe.

Das Ziel der Ausflüge in die andere Welt: Ein Sinneswandel beim Herren des Schlosses; eine wunderbare Metapher für die Rebellion von Schülern gegen fiese Lehrer und brutale Gangster.

Das faszinierende an dem Spiel ist die clevere Verzahnung beider Welten: Beinahe jede Errungenschaft in der realen Spielwelt, vom Beantworten einer Frage eines Lehrers an der Schule, bis hin zu alltäglichen Aktivitäten wie dem Lesen eines Buches, dem Nachgehen von Nebenjobs, oder dem Schlürfen einer Nudelsuppe mit einem Freund, hat Auswirkungen auf die Werte des Charakters und seiner Persona, also seiner übernatürlichen Beschwörungswesen.

Letztere versprühen eine Prise Pokémon, inklusive dem obligatorischen Sammelwahn, wenn auch ungleich erwachsener und technisch komplexer ins Spielgefüge integriert. Insgesamt finden sich über 190 Personas im Spiel, jeweils einem von 22 unterschiedlichen Tarot-Karten wie der Sonne, dem Mond, dem Turm, dem Einsiedler und den Liebenden untergeordnet. Wechselwirkungen und Empfindlichkeiten zwischen den Persona-Typen machen die klassischen Rundenkämpfe sehr taktisch.

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Dungeon-Design par excellence

Die Verzahnung von Realität und den Schlössern der Parallelwelt ist nicht nur in Sachen Handlung hervorragend gelöst: Die düsteren, sich an den sieben Todsünden orientierenden Verliese überraschen euch auch immer wieder mit neuen Spielmechaniken und neuen Darstellungsformen.

So nutzt ihr Deckungen und schleicht an Gegnern vorbei. Oder ihr überrascht das fiese Pack hinterrücks, um im Kampf einen zeitlichen Vorteil zu erhalten. Je öfter ihr entdeckt werdet, desto mehr stellen sich die Gegner auf euch ein – bis zum obligatorischen Rausschmiss aus den Hallen. In einigen seltenen Fällen nervt dabei die Kamera-Perspektive und verbaut euch die Sicht aus einer Deckung heraus.

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In einem Museum springt ihr wortwörtlich in diverse Bilder hinein, weicht Lasern aus und sammelt Sicherheitspasswörter. In einer Bank wollen Sicherheitskameras ausgetrickst werden. Der Puzzle-Faktor ist hoch – wer einfach nur Gegner zu Brei kloppen will, wird in den Dungeons von Persona 5 keinen Erfolg haben. Kopfarbeit ist gefragt!

Nebenbei solltet ihr auf die Zeit achten: Für den ersten Palastraub beispielsweise stehen euch nur zwei virtuelle Wochen zur Verfügung, bis euch der fiese Lehrer und Palastinhaber Kamoshira von der Schule schmeißt. Endlos leveln ist also nicht drin. Doch keine Sorge: Meist bleibt euch genug Zeit, so dass niemand gezwungen wird durch das Spiel zu hetzen.

Den Style mit Löffeln gefressen

In Sachen Art-Style ist Persona 5 der neue König im Land der Videospiele: So perfekt durchgestyled ist uns noch kein Titel untergekommen! Das beginnt bereits beim herausragenden Layout für Menüs, Sprechblasen und dem Design diverser Interface-Elemente - und endet bei schrägen Gegner-Kreationen, einzigartigen Charakter-Zeichnungen und einer erstaunlichen Vielzahl von aufwendig produzierter Anime-Sequenzen, welche die spannende Handlung fortsetzen.

Natürlich kann der ein oder andere an der Optik einiger Dungeon-Elemente Anstoß nehmen: Da Persona 5 – zumindest in Japan – sowohl für PlayStation 3, als auch PlayStation 4 erschienen ist, und letztere Fassung technisch auf ersterer beruht, darf man keine Texturen vom anderen Stern erwarten. Bei einigen tristen Gängen fühlt ihr euch durchaus an alte PS3-Rollenspiel-Tage zurückerinnert. Wichtig aber ist: Der Style bleibt homogen, nichts ragt unsanft aus dem Gesamtbild heraus, alles sitzt genau da, wo es hingehört.

Schwächen in der Handlung

Bereits der Vorgänger Persona 4 gilt als eines der besten JRPGs aller Zeiten und hat die Messlatte für ausgeklügelte und spannende Geschichten ganz weit nach oben gelegt. Und eben daran beißt sich der Nachfolger nun (leider!) die Zähne aus: Der Anfang wirkt im Vergleich zäher, die Motivation einiger Figuren nicht ganz so nachvollziehbar, die ein oder andere Überraschung nicht ganz so überraschend.

Zugegeben: Das ist Meckern auf hohem Niveau. Die meisten Charaktere sind toll geschrieben, etwa die selbstbewusste Ann Takamaki, oder der stets coole Ryuji Sakamoto. Die Beziehungen unterhalten wieder für mehrere Stunden und insgesamt saugt einen die Geschichte von Persona 5 ins pulsierende Leben von Tokyo hinein, wie es nur wenige andere Spiele schaffen. Da bringen Logiklöcher und einige lose Handlungsfäden den Putz in der Fassade nur soweit zum Bröckeln, dass es bei so viel Perfektion halt auffallen muss, nicht aber weiter weh tut.

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Fazit

2017 lässt nicht locker mich daran zu erinnern, dass ich dringend mal wieder nach Tokyo fliegen muss: Erst entführte mich das fantastische Yakuza Zero ins Tokyo der 80er Jahre und jetzt zieht mich Persona 5 schon wieder zurück in die Stadt der schrillen Leuchtreklamen, der leckeren Nudelsnacks, der Tempel und gigantischen Einkaufspassagen.

Kurz: Was Atlus hier abliefert, ist gleich an so vielen Ecken und Enden referenzwürdig, dass ich nicht darum umher komme meinen Kopf tief zu verneigen und ein dickes "Domo Arrigato" gen Osten zu flüstern. Die Handlung mag langsam in Gang kommen, lässt euch daraufhin aber nicht mehr los – und die schrägen Dungeons und die aberwitzig vielen Möglichkeiten die Zeit in der "realen" Welt zu verplempern offenbaren sich schnell als wahre Zeitfresser. Durchschnittlich dürft ihr mit rund 90 Stunden alleine für die Haupthandlung rechnen – wer wirklich alles sehen will, kann das gut und gerne nochmal verdoppeln.

Persona 5 bekommt von uns 5 von 5 schrille Gesichtsmasken, 94 von 100 perfekten Diarama-Heilungen und 10 von 10 gelungenen Besuchen im Maid-Café obendrauf. Pflichtkauf!

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