Farbrausch oder Tintenkiller?

"Splatoon" im Langzeit-Test für die Nintendo Wii U

Farbrausch oder Tintenkiller?: "Splatoon" im Langzeit-Test für die Nintendo Wii U Farbrausch oder Tintenkiller?: "Splatoon" im Langzeit-Test für die Nintendo Wii U Foto: Nintendo

Beinahe zwei Monate toben sich Wii U Spieler bereits im knallbunten Shooter "Splatoon" aus. Es wird Zeit für den Langzeit-Test: Hat Nintendo zu viel versprochen?

Es ist ein schwieriger Spagat, der über die letzten Jahre nicht unbedingt einfacher wurde: Wann lohnt es sich ein Spiel zu testen, um sich ein möglichst gutes Bild davon machen zu können, ohne etwaige Vorbesteller und „Day 1“-Käufer zu verprellen?

Meine Sicht dazu hat sich spätestens 2015 fast um 180 Grad gewendet: Eigentlich war ich immer der festen Überzeugung, dass man genau DAS testen sollte, was da am ersten Tag im Laden auf euch wartet.

In Farbe! Und BUNT! Splatoon - Screenshots 50 Fotos

Mittlerweile bin ich davon nicht mehr ganz so überzeugt: Day-1-Patches sind längst die Regel, zusätzliche Inhalte und Anpassungen in den Wochen danach ebenso. Man kann es eigentlich nicht anders sagen, aber wer ein Spiel noch immer am ersten Verkaufstag kaufen muss – viele ausführliche und „ehrliche“ Tests sind zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht online – der muss auch mit den Risiken leben können. Gute Beispiele hierfür sind der miserable Start von Driveclub und der berühmt-berüchtigten "Halo: The Master Chief Collection".

Gleiches gilt für Vorbesteller, wenn auch im größeren Rahmen: Immerhin erhalten die Publisher ihr Geld für Vorbestellungen praktisch im Voraus, was die Anstrengungen bezüglich einer möglichst fehlerfreien Version am Erstverkaufstag ad absurdum führen. Bevor das jetzt in einen epischen Blog über Tests und Vorbestellungen ausartet (mehr zum Thema findet ihr hinter diesem Link), ziehe ich mir lieber fix den Tintenfischanzug über: Lasst uns endlich über Splatoon reden!

Der größte Kritikpunkt von Splatoon zum Start am 29. Mai war der mangelnde Inhalt: 5 magere Arenen versprachen nicht gerade die Langzeitmotivation, die man sich sonst wünschen würde.

Heute lässt sich zumindest dieser Kritikpunkt streichen: Nintendo versorgt Splatoon mit regelmäßigen, kostenlosen Updates, welche nicht nur neue Arenen, sondern auch unzählige, neue Waffen und sogar neue Spiel-Modi in den Titel integrieren. DLC-Abzocke? Nicht in der bunten Welt von Nintendo! So ist die Auswahl an Arenen mittlerweile von anfänglich 5 auf bereits 9 gewachsen: Wenn das so weitergeht, macht Nintendo bis Ende des Jahres die 20 voll.

Immerhin eine Kleinigkeit gibt es, die Nintendo zusätzliches Geld einbringt: Die im Handel erhältlichen Splatoon-Amiibos schalten – wenn ihr denn mal an sie herankommen solltet – insgesamt 20-Extra-Herausforderungen für Einzelspieler frei. Zur Belohnung dürft ihr exklusive Ausrüstung und ein paar Minispiele einsacken.

Nach über einem Monat „Splatoon“ wage ich es endlich ein finales Urteil zum Spiel zu sprechen, ohne auf ominöse Hoffnungen zurückgreifen zu müssen. Denn, soviel steht fest: Nintendo hat nicht zu viel versprochen!

Spaßiger Shooter für Kinder und Erwachsene, Anfänger und Profis

Doch fangen wir vorne an: Was ist Splatoon? Und warum ist es einer der spannendsten, kreativsten und spaßigsten Shooter der letzten Jahre?

Das Konzept ist so genial einfach, wie motivierend: In kleinen Arenen treten vier gegen vier Spieler gegeneinander an und versuchen so viel Farbe wie möglich auf dem Boden zu verteilen. Wer am Ende am meisten Grund mit der Farbe seines Teams eingesaut hat, gewinnt. Das Problem: Werdet ihr selbst von Waffen wie der „Tintzooka“, dem „Junior-Kleckser“ oder einem „Klecksroller“ getroffen, segnet ihr das Zeitliche und werdet nach kurzer Zeit am Startpunkt zurück ins Spiel geholt.