"Tomb Raider: Definitive Edition" im Test | PS4 und Xbox One

Schönheits-Op für Lara Croft

"Tomb Raider: Definitive Edition" im Test | PS4 und Xbox One: Schönheits-Op für Lara Croft "Tomb Raider: Definitive Edition" im Test | PS4 und Xbox One: Schönheits-Op für Lara Croft
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"Tomb Raider: Definitive Edition" im Test | PS4 und Xbox One Schönheits-Op für Lara Croft 7 Fotos

Mit der „Definitive Edition“ bringt Publisher Square Enix das Tomb-Raider-Reboot des vergangenen Jahres nun erneut heraus: für Next-Gen-Konsolen. Am Spiel hat sich nichts geändert. Optisch aber ist es ein Riesensprung. Aber ist das nun 60 Euro wert? 

Tomb Raider war im März 2013 das gelungene Reboot für Lara Croft, auch wenn Square Enix mit mehr als vier Millionen verkauften Spielen nicht zufrieden war – warum auch immer. Schließlich hat sich kein Tomb-Raider-Teil jemals so schnell verkauft wie die Neuauflage. Nun versucht der Publisher die Kasse noch einmal klingeln zu lassen: mit der „Definitive Edition“ für Next-Gen-Konsolen. Das klingt zunächst nach einer verzweifelten Maßnahme zur Profitsteigerung, nach etwas Unverschämten – bis man das Spiel auf einer PS4 zum ersten Mal startet.

Schon im vergangenen Jahr sah Lara Croft alles andere als schlecht aus und beeindruckte das Spiel vor allem auch optisch auf einer PS3. Vergesst es! In der Next-Gen-Variante hat Entwickler Crystal Dynamics nicht nur eine Schippe, sondern gleich eine Wagenladung draufgelegt. Tomb Raider auf einer PS4 wirkt so dermaßen plastisch, dass man meint, Lara Croft stehe im Wohnzimmer. Die Licht- und Partikeleffekte, die Texturen – alles sieht besser, schärfer, detaillierter und beeindruckender aus.

Bevor man jetzt den Programmierern eine Flasche Champagner und einen Kasten Bier schenken möchte: Natürlich haben sie von der PC-Fassung profitiert und mussten weder das Rad neu erfinden, noch alles neu machen. Und dennoch: Bei Tomb Raider sieht man, wie alt die vergangene Konsolen-Generation bereits gewesen ist – auch wenn das Spiel auf einer PS3 immer noch gut aussah. Und mit der besseren Physik für die Umgebung, dem Regen und dem Feuer, sowie den großartigen Lichteffekten wird das Spiel noch intensiver.

Lara sah nie so gut und realistisch aus

Den größten Sprung hat man nach Publisher-Angaben bei Lara Croft gemacht: Ihr Haar wirkt nun dynamischer, und die Strähnen sind animiert. Das gesamte Charaktermodell und die Haut wurden überarbeitet. Die junge Archäologin sah tatsächlich nie so gut und realistisch aus wie in der „Definitive Edition“. Seltsamerweise fällt das aber am wenigsten auf. Optisch ist das Spiel zu beeindruckend, als dass man darauf achten würde – außer in den Close-ups.

Neben der virtuellen Schönheits-OP sind noch ein paar Extras wie ein digitaler Comic dabei, der die Vorgeschichte der Expedition erklärt. Das ist zumindest anfangs hilfreich. In der 2013er Ursprungsfassung entwickelten sich die Nebencharaktere und ihre Beziehungen nur langsam während des Spiels, stilistisch meist über die Aufzeichnungen eines Camcorders wiedergegeben. Mit dem Comic ist der Einstieg definitiv einfacher. Zudem hat Square Enix Tomb Raider auch eine Sprachsteuerung spendiert – für den, der es mag. Eher noch als bei einer PS4 scheint das für die Xbox One sinnvoll. Dafür ertönen Sound-Effekte auch aus dem neuen Playstation-Controller. Und das ist einfach nur cool.

Daneben sind alle DLCs in der „Definitive Editon“ enthalten. Das betrifft zwar vor allem den Multiplayer-Part, ist aber dennoch eine gute Entscheidung von Square Enix gewesen – die den Kaufpreis von 60 Euro nicht ganz so schmerzhaft erscheinen lassen. Zumindest für die Besitzer der „alten“ Version, die noch nicht alle DLCs gekauft haben. Einen generellen Rabatt für Vorbesitzer gibt es dagegen nicht.

Am Spiel hat sich nichts geändert

Am Spiel selbst hat sich nichts geändert: Es hat die gleichen Stärken und Schwächen. Gut sind die packende, düstere Story und ihre Inszenierung, die Entwicklung der jungen Lara Croft, das Gameplay und das Crafting-System. Nervig sind immer noch die häufigen Feuergefechte. Dafür hätte man dem Spiel ein paar mehr Physikrätsel spendieren können. Das Rollenspiel-Element ist zwar gut integriert und motivierend, aber es ist zu wenig ausgearbeitet.

Ist die Definitive Edition nun 60 Euro wert?

Wer das Spiel noch nicht, aber eine Next-Gen-Konsole hat, kann zugreifen. Bedenkenlos. Zumal es derzeit noch recht wenig Games für die Xbox One und die PS4 gibt.

Wer das Spiel aber auf einer alten Konsole bereits gespielt hat, gewinnt optisch und bei den DLCs – sofern man sie nicht schon gekauft hat. Ob man dafür aber 60 Euro ausgeben und nicht lieber Ende Februar in das tatsächlich neue Thief von Square Enix investieren möchte, muss jeder selbst entscheiden. Zwingend ist es nicht.