Tomodachi Life im Test | Nintendo 3DS

Tyrion Lannister mag Schnitzel mit Pommes

Tomodachi Life im Test | Nintendo 3DS: Tyrion Lannister mag Schnitzel mit Pommes Tomodachi Life im Test | Nintendo 3DS: Tyrion Lannister mag Schnitzel mit Pommes
Von |
Tomodachi Life im Test | Nintendo 3DS Tyrion Lannister mag Schnitzel mit Pommes 8 Fotos

Außerdem: Pamela Anderson grölt einen Metal-Song, Winona Ryder zieht in einen Hinterhof und Slenderman will sich mit Ghandi anfreunden.

Ja, richtig gelesen: In Tomodachi Life lasst Ihr so ziemlich jeden Star, Freund oder Verwandten als Mii aufleben. Es ist so ziemlich das verrückteste Spiel, an welches ich persönlich seit langer, langer Zeit Hand anlegen durfte. Umso erstaunlicher ist der Hype, welchen der Nintendo-Titel auch im eher konservativen Deutschland generiert: Seit seinem Erscheinen ist das Spiel seter Dauergast in den Top-Charts.  

Es beginnt alles ziemlich einfach: Ihr erstellt Euch einen Mii, also ein virtuelles Abbild Eurer selbst, und verfrachtet diesen auf die "Insel". Zur Erstellung des Miis greift Ihr auf zig unterschiedliche Optionen zurück, passt Haut- und Haarfarbe an, legt Körpergröße und weitere Details wie Brillen, Sommersprossen und Bärte fest. Noch einfacher geht's mit der Kamera des 3DS: Knippst ein Foto, oder scanned einen QR-Code ein. 

Mit letzterem Feature dürft Ihr Euch auch auf Seiten wie miicharacters.com austoben: Hier findet Ihr eine gewaltige Auswahl an vorgefertigten Miis aus zig verschiedenen Kategorien wie Stars, TV, Sports, Toons, History oder Music. Ihr wollt das A-Team bei Euch einziehen lassen? Den Joker, King Kong, Mario, Luigi, Prinzessin Zelda, Albert Einstein oder Edgar Allan Poe? Kein Problem! Scanned einfach den QR-Code und der Charakter erscheint binnen weniger Sekunden in Eurer virtuellen Welt von Tomodachi Life!

Nach über 20 Spielstunden kann ich Euch garantieren: Den meisten Spaß habt Ihr mit den Miis, welchen realen Freuden, Bekannten oder der werten Familie nachempfunden sind. Da Ihr die Miis nicht nur visuell bearbeiten könnt, sondern auch deren Wesenszüge festlegt, entpuppen sich die Miis im virtuellen Inselleben teils als erstaunlich originalgetreue Kopien. 

Unter die Wesenszüge fallen unter anderem: Handelt der Mii eher langsam oder schnell? Spricht er sanft oder direkt? Ist sein Ausdruck eher kühl oder lebhaft, seine Denkweise eher vorsichtig oder sorglos? Und ist er insgesamt eher speziell oder normal? Anhand von einer Abstufungsleiste haucht Ihr den Miis mit diesen Parametern schnell ein Eigenleben ein. 

Der größte Star von Tomodachi Life ist jedoch die Wiedergabe von Stimmen: Auch diese könnt Ihr mit einigen Parametern beeinflussen. Wirklich witzig wird es, wenn Ihr Euren Miis sogenannte "Phrasen" beibringt: Erstaunlicherweise hat Nintendo diesmal keinen Schimpfwort-Filter eingebaut, weswegen Ihr Eure werten Kollegen und Freunde schnell Wörter oder kurze Sätze wie "Leck mich fett!" oder "Mit Wonne poppen!" beibringen könnt - vollständig vertont übrigens.

Spätestens wenn Euch dann ein bekannter Freund mit genau der Phrase in seinem Zimmer begrüßt, die er auch im realen Leben immer und immer wieder vom Stapel lässt, sind alle Dämme gebrochen:

Willkommen in Tomodachi Life, Nintendos eigener, perverser Abart der "Sims".

In Sachen Spielmechanik war es das schon fast: Eure Miis ziehen in ein Apartement-Haus, welches sich beinahe beliebig erweitern lässt (keine Angst vor der frühen "Begrenzung" - da kommen noch Stockwerke oben drauf!). Um neue Miis auf die Insel zu locken, schaut Ihr einfach im Rathaus vorbei. Später öffnet sich ein neues Gebiet, in dem Eure verkuppelten Miis in ein eigenes Haus ziehen können. 

Der Rest des Spiels ist als simples "Vorbeischauen" gestaltet: Klickt Euch durch die Zimmer Eurer Miis, schenkt Ihnen diverse Gegenstände, sorgt für Leib und Wohl, zieht Ihnen neue Klamotten und Hüte an, oder lasst das gesamte Team in der Konzerthalle diverse Lieder trällern. Tatsächlich ist auf der Insel immer irgendwas los, was Euch schmunzeln lässt: Streitgespräche im Café, Liebschaften am Strand oder die Ansage der Mii-Nachrichten (zweimal pro Tag) sind teils so hanebüchen bekloppt, dass Ihr wie gebannt auf den kleinen Bildschirm starrt.

Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man seine besten Freunde zusammen mit bekannten Stars in ein Aquarium werfen und ihnen hin und wieder etwas Fischfutter reinstreuen: Die Spielmechanik tendiert gegen Null, der voyeuristische Spaß geht durch die Decke. 

Immerhin: Langeweile macht sich eigentlich nie breit, auch wenn Tomodachi Life sicher kein Spiel ist, welches man mehrere Stunden nacheinander spielen kann. Aber in vorsichtigen Dosen zwei bis dreimal pro Tag fesselt Euch der Titel über die Woche mehr an den 3DS, als so einige, spielmechanisch umso erhabenere Titel. 

Auch die Minispiele überraschen immer wieder: Tomodachi Quest schickt Eure zusätzlich verpixelte Mii-Crew durch einen Dungeon und lässt Euch gegen epische Bosse wie "das Schaukelpferd" oder "die Schaumstoffhand" antreten. Gelevelt wird dagegen auch ganz normal: Jeder Besuch bei Euren Miis und jede erfüllte Aufgabe lassen einige EXP-Punkte auf deren Konto rieseln, während Ihr selbst mit einigen Geldstücken oder Geschenken belohnt werdet.

4382_7d334ab3a8a4761cdb96036f6b45c2e0_800x600r (image/jpeg) Die meisten dieser Geschenke lassen sich im Pfandhaus verkaufen oder weiter verschenken: Viele der einzigartigen Gegenstände lösen kleine Minispiele aus, oder helfen Euren Miis im Alltag (Hustensaft!). Was Eure Miis gerade beschäftigt, erkennt Ihr an den Fenstersymbolen: Ein schwarzer Mii hat irgendein Problem auf dem Herzen, ein grüner Mii will mit Euch spielen, ein orangener Mii sucht neue Freunde... und ein roter Mii mit Herz benötigt Eure Hilfe als Verkuppler.

Ja, richtig gehört: Eure Miis können natürlich auch heiraten! Und Kinder bekommen! Ganz im Ernst: Ich könnte Euch noch den ganzen Tag davon erzählen, was da so alles in Tomodachi Life drinsteckt. Viel besser ist es aber, wenn Ihr es selbst herausfindet! 

Die einzige Schwierigkeit zum Schluss: Tomodachi Life ist extrem schwierig objektiv zu bewerten.

In Deutschland bewirbt Nintendo den Titel vor allem als Spiel für Kinder und Jugendliche, dabei bin ich mir sicher, dass "erwachsene" Zocker genauso (wenn nicht sogar mehr) Spaß mit der schrägen Life-Sim haben können. Es sollte nur jedem klar sein, dass Tomodachi Life in diesem Sinne eigentlich kein richtiges "Spiel", als vielmehr lebendige Puppenkiste ist. 

Wen das nicht stört, der surfed fix bei amazon.de vorbei und sichert sich das Spiel für aktuell 35 Euro. Ganz ernsthaft: Ihr werdet es nicht bereuen! 

4 von 5 Schaukelpferden, 3 von 3 Pfefferminzbonbons, 8 von 7 Schnitzeln mit Pommes und 90 von 100 einsamen Mii-Herzen. Tolles Teil!