Watch Dogs im Test

Hacker-Spaß ohne Tiefgang

Watch Dogs im Test: Hacker-Spaß ohne Tiefgang Watch Dogs im Test: Hacker-Spaß ohne Tiefgang
Von |

Watch Dogs im Test Hacker-Spaß ohne Tiefgang 8 Fotos

Ubisoft hat Watch Dogs monatelang mächtig gehyped. Nun ist es raus. Natürlich kann es die übergroßen Erwartungen nicht erfüllen, aber das Spiel wird nie langweilig. Es ist aber keine Open-World-Revolution. GTA bleibt der König.

Jeder hat ein dunkles Geheimnis. Und in Watch Dogs trifft man auf eine ganze Menge davon. Ständig. Wer sein Smartphone zückt und die Passanten checkt, trifft auf Pornosüchtige, auf Anhänger von Verschwörungstheorien, auf Kranke, die auf eine Lebertransplantation warten oder Menschen, die Antidepressiva schlucken. Übertreibung als Stilmittel, das eins deutlich macht: Selbst völlig normal erscheinende Menschen haben düstere bis tragische Geschichten, die in Zeiten des Internets längst nicht mehr so geheim sind, wie viele glauben und hoffen.

Noch deutlicher wird es in Videos, die man findet. In einem beschimpft ein Mann seine schlafende Frau aufs Übelste und steigert sich in Mordgedanken hinein, bis sie aufwacht und er sich in einen mitfühlenden Gatten verwandelt – nur um noch eine heftige Beschimpfung loszulassen, nachdem er die Tür geschlossen hat. Manches bleibt eben besser verborgen. Nur tut es das in der vernetzten Welt nicht, in der alles überwacht werden kann.

Es sind solche beiläufigen Informationshäppchen, in denen der Grundgedanke von Watch Dogs tatsächlich am Stärksten und Spannendsten präsentiert wird. Die Hauptgeschichte trägt das Gerüst dagegen nicht. Vielleicht hat Ubisoft selbst erkannt, dass es bessere Storys und charismatischere Hauptcharaktere als den Helden Aiden Pearce gibt. Denn eine so schnelle und wenig aussagekräftige Einführung eines neuen Franchises habe ich nur sehr, sehr selten erlebt.

Zu Beginn hackt man sich in einem Luxushotel mit der Hilfe seines Komplizen in die Konten der Gäste ein. Irgendein digitales Überwachungssystem erwischt die beiden, irgendeine unbekannte Figur will Aiden eine Lektion erteilen und schon sind elf Monate vergangen. Offensichtlich wurde jemand getötet, der Aiden nahe steht. Er will nun die Drahtzieher finden. Mit kleinen Traumsequenzen erschließt sich dann, dass seine Nichte starb, als auf sein Auto geschossen worden ist. Aha. Spannend und bewegend geht anders.

Leider zieht sich das wie ein roter Faden durch die Hauptgeschichte: Sie ist nicht mehr als Hollywood-Durchschnittskost, die dafür aber immer wieder beeindruckend in Szene gesetzt wird. Nur leider bleibt Aiden Pearce dabei ziemlich blass. Schade, denn Ubisoft zeigt in Watch Dogs, dass es auch anders geht. Fast alle seiner Hacker-Freunde sind deutlich interessanter und vielschichtiger angelegt, als die Hauptfigur.