"Wolfenstein: The New Order" im Test

Die neue Shooter-Referenz?

"Wolfenstein: The New Order" im Test: Die neue Shooter-Referenz? "Wolfenstein: The New Order" im Test: Die neue Shooter-Referenz?
Von |

"Wolfenstein: The New Order" im Test Wolfenstein: The New Order – die neue Shooter-Referenz 7 Fotos

Mit Wolfenstein: The New Order kommt jetzt nach jahrelanger Pause der neueste Teil der Saga: grandios inszeniert, mit Action vollgepackt und samt einer völlig überdrehten Story.

Da ist er wieder: B. J Blazkowicz. Und er hat erneut eine Rechnung offen, mit dem, was in der deutschen Fassung nur das Regime genannt wird. Die Uniformen und Anspielungen sind wie immer sehr eindeutig. Es handelt sich um Nazis, die Blazkowicz aufs Korn nimmt.

Hatten wir das denn nicht schon oft genug!? Fast wäre man geneigt, dem zuzustimmen. Nach der etwas langatmigen und wenig beeindruckenden Intro-Mission, die 1946 während eines letzten verzweifelten Großangriffs der Alliierten auf das Hauptquartier des Generals Wilhelm „Totenkopf“ Strasse spielt, war ich zunächst enttäuscht. Kaum mehr als Durchschnittskost, bis auf die inneren Monologe von B. J. Blazkowicz, die tatsächlich unter die Haut gingen – auch in der deutschen Fassung. Ansonsten wirkte The New Order etwas lahm.

Bis die Intro-Mission nach gut einer Stunde vorbei ist, und das eigentliche Spiel beginnt. Man muss sich auf die verrückte Story einlassen, in der die Nazis mit Superwaffen, Atombomben und Kampfrobotern die Weltherrschaft an sich gerissen haben. Blazkowicz verbringt nach einer Kopfverletzung 14 Jahre im Wachkoma und schreitet erst 1960 wieder ein, als die Welt nicht mehr so ist, wie er sie einst kannte. Das klingt nicht nur völlig überdreht, das ist es auch. Aber Wolfenstein hat diese Story bis ins kleinste Detail grandios inszeniert.

  3928_c1607051b33922d64acad4160dcc594e_800x600r (image/jpeg)

Der Trip nach Berlin zeigt eine Hauptstadt, die sich an den Entwürfen zu Germania anlehnt: Hitlers Wahnvorstellung einer Über-Metropole aus Stahl, Stein und Beton. Die Atmosphäre ist meist beklemmend und bedrückend. Man fühlt sich unwohl in dem totalitären Regime, in dem jeder falsche Schritt dazu führen kann, dass man verdächtig wirkt – und an jeder Ecke Propaganda-Plakate kleben.

Nicht nur das Setting wirkt mit Verstand ausgearbeitet. Selbst Nebenfiguren werden noch überzeugend charakterisiert. Wenn nicht im Spiel selbst, dann in den Dossiers. Und der Gegner ist nicht nur böse. Ihre Briefe schildern die Schrecken des Krieges aus ihrer Sicht und erzählen von den Zweifeln am Regime – oder wie sie sich an der Propaganda festklammern, weil man an etwas Glauben muss, um dem Wahnsinn einen Sinn zu geben.

Zeitungsausschnitte füllen die Lücken der 14 Jahre, in denen Blazkowicz im Sanatorium war und geben der Spielwelt ein neues Fundament: Ein deutscher Astronaut namens Armstark landete 1951 beispielsweise auf dem Mond. Und eine junge, britische Band aus Liverpool nannte sich in die „Käfer“ um, singt auf Deutsch und tourt durch die vom Regime beherrschte Welt. Man findet sogar Platten von ihnen, und die räumen den letzten Zweifel aus, wer damit gemeint ist: die Beatles.Nicht nur da überzeugt der Soundtrack, sondern durchs ganze Spiel.