"XCOM: Enemy Within" im Test

Der Feind in meinem Körper

"XCOM: Enemy Within" im Test: Der Feind in meinem Körper "XCOM: Enemy Within" im Test: Der Feind in meinem Körper
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Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung des Strategiekrachers XCOM - Enemy Unknown bringen Publisher 2K und Entwickler Firaxis mit "Enemy Within" nun ein Add-on raus: Es bleibt zwar das gleiche Spiel – und doch ist es anders.

Ich bin kein Freund von Add-ons, die oft etwas vom Reste-Essen haben: zu wenig Inhalt und Altes nur neu aufgewärmt. Dafür aber sind die Zusatzpakete meist zu teuer. Selbst wenn sie neue Elemente einführen und die Story erweitern, leiden sie darunter, dass sie Monate später kommen – wenn ich mich längst von dem Game verabschiedet habe. Nein, ich halte nichts von Add-ons oder DLCs.

Manchmal aber überraschen mich ein Publisher und ein Entwickler. So wie 2K und Firaxis. Denn mit dem Add-on "Enemy Within" beginnt man in XCOM ein neues Spiel und lädt keinen alten Speicherstand. Es ist kein angepappter Inhalt, der die Story irgendwie fortsetzt. Vielmehr steckt ein anderer Taktik-Ansatz dahinter: Gleich zu Beginn entdecken die XCOM-Soldaten seltsame Kanister der Aliens. Wenn man die brav einsammelt und erforscht, stößt man schnell das Tor zu dem auf, was tatsächlich neu ist. In den Kanister befindet sich "Meld". Was im Deutschen etwas seltsam klingt, bedeutet im Englischen "Verschmelzen". Und genau das tun die Nano-Maschinen der Aliens. Sie verbinden biologisches Material mit Maschinen.

Die irdischen Wissenschaftler entdecken auch zwei Anwendungsmöglichkeiten: Ein Soldat lässt sich Arme und Beine amputieren, verschmilzt dann mit einer Hightech-Rüstung unumkehrbar zu einem wandelnden Panzer und wird zum Cyborg. Oder aber menschliche Zellen werden mit "Meld" selbst zu Mini-Maschinen: Scharfschützen können dann direkt auf Dächer springen. Oder die Körper von Sturmsoldaten heilen sich selbst. Wahlweise verändern Soldaten auch ihre Augen, um nach jedem Fehlschuss treffsicherer zu werden. Der Zusatz "Enemy Within" ist eben Programm: Mit Alien-Technik wird aus der XCOM-Squad eine Einheit von Supersoldaten, die dafür einen Teil dessen opfern, was sie zu Menschen macht. Alles, um gegen die außerirdische Bedrohung zu bestehen.

Mit Supersoldaten neue taktische Möglichkeiten

Am spielerischen Grundgerüst hat sich indes kaum etwas geändert. Immer noch zieht man wie beim Schach Runde um Runde mit seinen Kämpfern ins Gefecht, wartet auf den Gegenzug der Alien-Invasoren und reagiert dann darauf. Neu ist indes, dass man nun doch ein wenig unter Zeitdruck steht.

Die "Meld"-Kanister zerstören sich nach wenigen Runden selbst. Bis dahin sollte man sie also gefunden und eingesammelt haben. Denn ohne diese Ressource gibt es keine Supersoldaten. Und gerade durch ihre neuen Fähigkeiten ergibt sich ein anderes XCOM: Der schwer bewaffnete Cyborg kann aus der Ferne Deckungen zerstören oder aber los stürmen, um mit einem Faustschlag die Aliens buchstäblich umzuhauen. Oder er stellt sich selbstmörderisch dem Feuer der Außerirdischen entgegen, erzeugt einen fragilen Schutzschirm und bietet so den Kameraden Deckung. Die Fähigkeiten hängen nicht nur von der Menge an "Meld" ab, die man investieren möchte, sondern auch davon, was die Soldaten vor ihrer "Umwandlung" waren: Experten für schwere Waffen entwickeln sich zu anderen Cyborgs, als Sturmsoldaten.

Der weit weniger drastische Weg sind gezielte, gentechnische Eingriffe. Und je nachdem, welcher Körperteil verändert wird, wird aus dem bislang eher trägen Scharfschützen, den man taktisch geschickt aufstellen musste, eine überaus flexible und bewegliche Einheit. Oder ein Support-Soldat tarnt sich wie ein Chamäleon automatisch hinter der Deckung. Auch wenn es immer noch rundenbasierte Gefechte sind, wirkt XCOM dadurch dynamischer und schneller als zuvor. Zumal auch die Aliens aufgerüstet haben: Sie setzen nun ebenfalls Cyborgs ein, oder "Seeker": Tentakel-Absurditäten, die sich unsichtbar machen und dann plötzlich die irdischen Soldaten aus dem Hinterhalt angreifen.

Um den Kampf gegen die Außerirdischen noch fordernder zu gestalten, gibt es eine weitere Front: EXALT. Die menschliche Untergrund-Organisation hortet Alien-Technologie, um damit die Weltherrschaft an sich zu reißen. Dafür bedienen sich EXALT-Zellen hemmungslos an den XCOM-Ressourcen, agieren im Verborgenen und müssen enttarnt und neben den Aliens bekämpft werden. Auch dafür stehen neuen Technologien, Waffen und Gadgets zur Verfügung, die erforscht werden können.

Feinschliff am Hauptspiel

Firaxis hat aber auch die Kritik am Hauptspiel aufgegriffen und 47 zusätzliche Karten integriert. Im alten XCOM war die Bandbreite an Karten nicht sonderlich groß, die Schauplätze wiederholten sich schnell. Die Soldaten reden zudem nun in ihrer Landessprache. Das trägt zur Atmosphäre bei.

Auch am grundsätzlichen Gameplay wurde etwas Feinschliff betrieben: Die Kämpfer können nun nicht nur ein Gadget mit sich tragen, sondern gleich zwei – was angesichts der vielen neuen, unterschiedlichen Granaten-Typen auch dringend nötig ist. Zudem gibt es nun eine Funktion, um verletzten Soldaten die sündhaft teure Ausrüstung mit einem Button abzunehmen – damit ein gesunder Rekrut sie benutzen kann. Und der erhält nun nicht nur mit der steigenden Zahl von Einsätzen neue Fähigkeiten: Den Soldaten kann man ab und an Orden verleihen, die dem Träger einen Bonus bescheren.

Auch wenn man XCOM schon einmal durchgespielt hat, kann man sich mit "Enemy Within" noch einmal in das Taktik-Gefecht stürzen und ein tatsächlich anderes Spiel erleben. An der Faszination und dem Suchtfaktor hat sich zum Glück nichts geändert.

Das Add-on gibt es aber nur für den PC als Download. Konsolenspieler müssen zur Commander-Edition greifen, die noch einmal das Hauptspiel auf Disc inklusive aller bislang erschienen Add-ons beinhaltet. Das Software-Paket sei zu groß gewesen, um es auf Konsolen als DLC zum Download zur Verfügung zu stellen. 

Screenshots XCOM: Enemy Within 5 Fotos