Komme was Wolle!

Daniel daddelt "Unravel"

Komme was Wolle!: Daniel daddelt "Unravel" Komme was Wolle!: Daniel daddelt "Unravel" Foto: EA

Indie-Entwickler Coldwood Interactive hat mit Unravel den Sechser im Lotto gezogen: Allen voran das knuffige Konzept rund um ein Männchen aus Wolle, welches sich praktisch am seidenden Faden durch die Level schwingt, kam bei Publisher EA so gut an, dass sie die Truppe unter ihre Fittiche nahmen und den eigentlich eher kleinen Titel nun groß rausbringen.

Move Fitness? The Fight? Ongolf? Freakout? Ski-doo Snow X Racing? Nie gehört? Kein Wunder, dass bisherige Line-up an Videospielen von Coldwood Interactive ist überschaubar und am untersten Ende der Popularitäts-Skala angesiedelt. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet diese Schweden mit Unravel dermaßen ins Rampenlicht gezogen wurden. Unvergesslich bleibt der Auftritt von Frontmann Martin Sahlin auf der E3 2015, auf dem er seinen Helden "Yarny" auf höchst schüchterne und charmante Art und Weise dem Publikum vorstellte.

EA's neuer Puzzle Plattformer Unravel - Screenshots 18 Fotos

Immerhin eine Befürchtung ist seitdem übrigens nicht wahr geworden: Unravel ist auch auf Origin kein Vollpreistitel, sondern wird als Download-Game für knapp 20 Euro vertrieben (übrigens ebenso im PSN für PS4 und auf Xbox Live für Xbox One). Gut so!

Skurriler Anfang

Mittlerweile habe ich es tatsächlich auch geschafft mich mit Yarny anzufreunden und eine erste Runde durch Unravel zu drehen. Dabei ist schon der Start vor dem Spiel ungewöhnlich: Anstelle etlicher Publisher- und Grafik-Engine-Logos ploppt eine Dankesmitteilung der Entwickler auf dem Bildschirm auf.

Schwarz auf Weiß bedankt sich die Truppe für das Vertrauen in "Unravel" und dafür, dass ich dem Spiel eine Chance gebe. Das lässt alte Zeiten aufleben, in denen sich auch Nintendo immer wieder dafür bedankte, dass man "ihr Spiel spiele". Eine hohe Kunst der Kundenbindung, die im Laufe der letzten Pre-Order- und Day-1-DLC-Jahre scheinbar in Vergessenheit geraten ist. Daumen hoch dafür!

Ohne Pause geht es dann auch gleich direkt ins Spiel: Eine alte Frau lächelt ein wenig melancholisch in sich hinein, schnappt sich einen Korb mit Wolle und entschwindet über eine Treppe ins Obergeschoss eines rustikalen Hauses, welches von den letzten Sonnenstrahlen in ein unbefangenes Licht gehüllt wird.

Aus dem Korb herausfallen tut ein rotes Stück Garn, welches quer durch die Wohnung kullert und sich schließlich zu unserem charmanten Titelhelden „Yarny“ häkelt. Warum das Vieh so aussieht, wie es aussieht, hat Entwickler Martin Sahlin verraten: Die Puppe stammt aus seiner persönlichen Kindheit und hat ihn auf zahlreichen Urlauben begleitet.

Good Old Times

Und eben dieses Stück "Kindheitsgeschichte" dringt bei Unravel aus allen Poren des Codes: Abseits der wahnsinnig hübschen Grafik lässt mich der Titel an der Kindheit von Sahlin teilnehmen, seinem ersten Baumhaus, einer düsteren Scheune, seinen Erinnerungen an Disteln und einem Sandkasten. Nach dem Abschluss des ersten Levels werden echte – zumindest wirken sie so – Fotos von Sahlin freigeschaltet, wie er als kleiner Lütte irgendwo durch die schwedische Natur rennt. Und noch im Spiel sammelt Yarny "Erinnerungen" an die guten, alten Zeiten, als die Welt noch bunt, die Gerüche noch frisch und die Geräusche der Natur noch neu waren.

Nachdem ich Yarny etwas durch die dämmrige Wohnung gezogen habe, betrete ich das erste Level "Disteln und Gräser" durch ein Bild – noch eine Verneigung vor Nintendo und Super Mario 64.

In Sachen Spielmechanik ist Unravel leider nicht mehr als der x'te Aufguss eines Puzzle-Platformers. Das ist bei weitem keine allzu große Kritik, immerhin nutzt Yarny seinen Faden geschickt und auf kreative Weise aus, um damit diverse Physikrätsel zu lösen. Immerhin ein Alleinstellungsmerkmal hat der rote Garn-Boy also.

Das Hantieren mit dem Faden wird übrigens ziemlich schnell ziemlich knifflig: Werft den roten Faden als Lasso, knotet ihn fest und schwingt euch an den nächsten Ast, wo ihr ihn wiederum erneut festknotet um eine neue Plattform entstehen zu lassen, über die Yarny dann wie auf einem Trampolin weiter nach oben springen kann.

Die Liebe zum Detail ist die Butter auf dem Brot von Unravel: Kurz nach dem Start in die grüne Natur des ersten Levels erschreckt Yarny ein Schmetterling, der von einer Blume davonschwirrt. Nur wenig später kommt Yarny bereits nicht weiter, weil sein Garn aufgebraucht ist: Zum Glück liegen an diversen – meist gut versteckten Stellen – zusätzlich Wollknäuel für Yarny bereit, damit der seltsame Trip weitergehen kann.

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Nach dem Abschluss des ersten Levels habe ich bereits einige Kopfnüsse gelöst und einiges an Geschick beweisen müssen: Hoffentlich zieht der „Nerv“-Faktor im weiteren Spiel nicht weiter an.

Lust auf mehr

In unserem Test zu Unravel verraten wir euch (so bald wie möglich!) den Rest der Geschichte: Bislang bekommt der Titel von mir alleine dafür einen dicken Daumen hoch, weil er mich emotional komplett abgeholt hat.

Vielleicht liegt dies auch an meinem Alter: Ich denke ältere Spieler, die vielleicht selbst bereits Eltern geworden sind, können mit der eigentümlichen Puppe und dem Anklang an die "guten alten Zeiten" mehr anfangen, als jüngere Zocker. Audiovisuell dürfte der Titel jedoch Zocker jeden Alters gleichermaßen verzaubern: Großes Kino!

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