Neuer Spieleheld am Horizont

Der Videogamedad stellt sich vor

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Neuer Spieleheld am Horizont Der Videogamedad stellt sich vor 6 Fotos

Unsere Generation ist mit Videospielen groß geworden. Nun ist es langsam Zeit für Nachwuchs. Die Frage: Wie schlagen sich die schüchternen Nerds von damals als fürsorgliche Väter? Und was hat sich in der Videospiel-Kultur getan, mit dem „wir“ nicht mehr mithalten können? 

Wir führen ein interessantes Gespräch mit dem Videogamedad, der auf seinem persönlichen Blog eben genau dieses Phänomen thematisiert: Call of Duty läuft auf dem Bildschirm, während das Töchterchen schlafen will. Und die holde Maid zockt eh lieber LEGO im Koop.

Das Interview führt Spieleheld Daniel Hecht, Christian Klemm alias „VideoGameDad“ steht Rede und Antwort. Freut Euch schonmal auf seine lustigen Blogs, die in Zukunft auch auf spielehelden.net veröffentlicht werden!

2651_df97e0ce5f598efe28e3a099546b3b68_800x600r (image/jpeg) Daniel: Hi Chris! Schön dich dabei zu haben!

Christian: Hi Daniel, danke, schön dazuzugehören. Die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Nerds verspricht eine Menge Spaß und ich freue mich neue Leser zu erreichen.

Daniel: Ok, fangen wir langsam an. Stell dich doch bitte kurz vor!

Christian: Gerne. Hauptberuflich arbeite ich in der IT-Branche im Vertrieb. Diesen Sommer werde ich 29 Jahre alt und ich bin hoch allergisch gegen Katzen. Noch behaupte ich von mir, einer der wenigen Menschen zu sein, die keine Sorge vor dem älter werden haben. Geburtstage sind für mich vergleichbar mit dem Levelaufstieg in einem Rollenspiel. Stets blickt man auf erlernte Fähigkeiten zurück und kann neue Erfahrungspunkte verteilen. In diesem Jahr werde ich wohl ein paar Punkte in meine Ausdauer investieren müssen und mehr Sport treiben... der einzige Nachteil an meinem Job ist die mangelnde Bewegung.

Daniel: Und was genau hat dich auf die Idee gebracht einen Blog mit dem Namen „Videogamedad“ zu starten?

Christian: Den Gedanken zum Betreiben eines eigenen Blogs hatte ich bereits kurz nachdem ich wusste, dass ich Vater werde. Damals war die Idee, der Verwandtschaft den Werdegang unserer Tochter einfach als Sammelwerk im Netz zur Verfügung zu stellen. So könnte sich niemand aus der Familie darüber beschweren, bei der Informationsverteilung zu kurz zu kommen. Da ich schon immer Spaß am Schreiben hatte und wohl jeder „Autor“ von möglichst vielen Personen gelesen werden möchte, machte ich mir Gedanken wie ich andere Leute außerhalb der Familie dazu bewegen könnte meinen Blog zu besuchen.

Während der Schwangerschaft hörte ich mich dann selbst immer wieder über die Themen „Kind & Zocken“ sprechen. In verschiedenen Internetforen fand das großen Anklang und irgendwann kam der Geistesblitz die Themen in der jetzigen Form zu kombinieren. Die Namensfindung fand, wie in jeder guten Geschichte, auf einem abgerissenen Stück Papier statt. Der Schmierzettel wurde hin und wieder mit neuen Begriffen beschrieben. Am 20.10.2013 schrieb ich beim Frühstück „VideoGameDad“ auf den Zettel und wusste sofort dass es dieser Name werden sollte. Mittags registrierte ich die Domain und Nachmittags setzten plötzlich die Wehen bei meiner Freundin ein sodass wir ins Krankenhaus fuhren. Noch am selben Abend kam unsere Tochter zur Welt. Ab da ist alles im Blog zu lesen.

2649_7e4de2f547c7fecc6e4d66ed04f81bba_800x600r (image/jpeg) Daniel: Es ist ja durchaus interessant zu beobachten, wie die ganzen Nerds von damals aktuell alle Väter... und zum wesentlich kleineren Teil auch „Mütter“ werden. Ich will ja eigentlich keine Geschlechter-Debatte lostreten, aber wie lange denkst du wird es noch dauern, bis sich die erste Videogame-Mama öffentlich stolz präsentieren kann?

Christian: In unserer Generation gibt es bereits einige stolze VideoGameMoms. Ich habe ein wunderschönes Exemplar zu Hause. Nur glaube ich, fokussieren junge Mütter ihre Gedanken evolutionsbedingt komplett auf die Versorgung des Nachwuchs. Die eigenen Interessen werden meiner Erfahrung nach stark zurückgestellt. Zum Glück muss ich an der Stelle sagen. Viel schlimmer wären Mütter, die den Tag über Videospiele verschlingen und ihr Kind zweitrangig behandeln.

Ich denke es ist also eher ein Zeitproblem, dass eine VideoGameMom davon abhält das Kind zu versorgen, zu zocken und in aller Öffentlichkeit drüber zu berichten. Schaut man sich die aktuelle Zahl öffentlicher VideoGameDads an, würde ich behaupten es besteht ein generelles Zeitproblem wenn Kinder das Leben bereichern, egal bei welchem Geschlecht.

Spannend wird es, wenn die ersten Frauen aus der nächsten / übernächsten Generation, welche hauptberuflich in der Videospielbranche tätig sind, Mütter werden. Aktuell gibt es ein paar pfiffige junge Frauen, die gut Fuß gefasst haben und öffentliche Pionierarbeit leisten. Von denen hören wir bestimmt noch wenn das Babyglück eingetroffen ist.

2650_2881273ebac0c4da2eb374d73ddf79b0_800x600r (image/jpeg) Daniel: Alle Zocker in meinem Bekanntenkreis sind jetzt so zwischen 25 bis 45 Jahre alt, der kulturelle Hintergrund erstreckt sich meist bis zurück zu Amiga- oder Atari-Zeiten. Kürzlich hatte ich hier Besuch von einem neuen Praktikanten, dessen erste Konsole eine PlayStation 1 war. Wie denkst du hat sich der Einfluss von Videospielen in den letzten zwei Jahrzehnten verändert? Macht es wirklich etwas aus, mit welcher Plattform man „angefangen“ hat zu spielen?

Christian: Eine sehr schöne Frage zu der ich vermutlich eine komplette Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion leiten könnte.

Als ich letze Woche für VideoGameDad ein altes Foto von mir als Kind beim AMIGA spielen rausgesucht und meinem 13jährigen Bruder gezeigt habe, war seine erste Frage beim Erblicken des Competition Pro Joysticks: „Wie?! Du hast mit nur zwei Knöpfen Street Fighter gespielt?! Wie geht das denn?!“ Ich musste sofort an meine geliebte Szene aus “Zurück in die Zukunft 2” denken, in der Marty McFly gefragt wird, ob man den Spielautomaten tatsächlich mit den Händen bedienen muss.

Ich glaube wir „Zocker der frühen Generation“ haben eine andere Sicht auf aktuelle Videospiele als die folgenden Generationen. Wir wissen manche Dinge vielleicht mehr zu schätzen wie bspw. kaum vorhandene Ladezeiten, kein Wechseln der Datenträger oder bombastische Grafik. Aber ich glaube auch, dass jede Generation mit ähnlichen Ansichten über den Verlauf der Videospielgeschichte aufwächst. Vielleicht erzählt mein Bruder seinen Kindern irgendwann, wie es damals war auf der Wii mit den Freunden Bowling zu spielen, oder warum man Kinect gerne mal etwas lauter anbrüllen musste damit es die Befehle versteht.

Daniel: Wie bist du eigentlich „unter Videospielen“ groß geworden? Oder um es besser zu sagen: Wie standen deine Eltern zu Super Nintendo und Co.?

Christian: Für die Generation meiner Eltern waren Videospiele „Kinderspielzeug“. Entsprechend einfach bin ich mit allem in Berührung gekommen was aus bunten Pixeln bestand. Meinen ersten eigenen AMIGA habe ich allerdings erst erhalten, als dieser von den Eltern ausrangiert wurde, weil Windows 3.11 den Markt erobert hat. Ein eigenes Super Nintendo hatte ich aus finanziellen Gründen nie, gefühlt habe ich daher mehr Zeit bei Freunden mit SNES verbracht als zu Hause. Wie bei eurem Praktikant, war meine erste eigene reinrassige Konsole die PlayStation 1. Da war die Höllenmaschine erst ein Jahr auf dem Markt. Detailiert könnt ihr meine Zocker-Karriere auf der “Über VideoGameDad” Seite nachlesen. Alleine die alten Fotos sind einen Besuch wert.

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Daniel: Wie sieht's mit deiner eigenen Vaterrolle aus? Weißt du schon wie du deine „Kleine“ damit vertraut machen willst? Oder ist das eh noch kein Thema?

Christian: Das wird spannend werden. Meine Freundin ist dahingehend eher konservativ eingestellt. Wohingegen ich denke, dass man den Kindern heutzutage mehr damit schadet sie von solchen Dingen wie Internet, Videogames und Smartphone fern zu halten. Anders als zu meiner Zeit ist die Akzeptanz viel höher und mitentscheidend für den gesellschaftlichen Status.

Im gesunden Maß kann man meiner Meinung nach auch ein Kind mit den Themen vertraut machen. Für uns beide als Eltern steht aber fest, dass es sich dabei um eine nebensächliche Freizeitbeschäftigung handeln muss und nicht den Großteil des Alltags dominieren soll. Bis ich mit meiner Tochter “Smartphone-Verbot-Diskussionen” führen muss, dauert es aber hoffentlich noch eine lange Zeit und wer weiß, wie unsere Einstellung bis dahin aussieht und ob das Smatphone dann noch eine Rolle spielt.

Daniel: Solche Sachen wie der Amoklauf von Columbine oder der Amoklauf hierzulande in Winnenden, sowie die ewig lange, teils bis heute andauernde Diskussion um „Gewalt in Videospielen“ ist zwar noch immer nicht vom Tisch, hat sich in den letzten Jahren aber erheblich abgeschwächt. Würdest du deine Tochter mit – sagen wir mal – 14 Jahren GTA V zocken lassen? Oder Call of Duty?

Christian: Ein ganz klares Nein. Das Altersempfehlungen nicht von ungefähr kommen habe ich am eigenen Leib gespürt und halte sie daher für absolut sinnvoll. Als Kind habe ich viele Spiele gezockt die absolut nicht für meine Altersklasse gedacht waren. Und wenn sich ein 11jähriger Junge in der Nacht nicht ohne Taschenlampe auf die Toilette traut, weil er Angst vor Aliens hat, ist das ein klares Zeichen. Ich finde in der Spieleindustrie funktioniert die USK schon ganz gut und gibt Eltern, die mit der Materie nicht vertraut sind, eine gute Hilfestellung.

Viel schlimmer empfinde ich es bei Filmen und der FSK Freigabe. Warum ein James Bond ab 12 oder viele Kevin James/Adam Sandler Filme mit Humor für Erwachsene ab 0 Jahren freigegeben sind will mir nicht in den Kopf. Ich glaube hier ist es viel wichtiger, dass sich Eltern solche Filme vorher selbst angucken um ein eigenes Bild zu erhalten.

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Daniel: Hast du eigentlich schon andere Videospiel-Väter kennengelernt?

Christian: Selbstverständlich. Zwar sind wir im unmittelbaren Freundeskreis die Ersten mit Kind, aber beziehe ich meinen engen „Online-Freundeskreis“ mit ein, kenne ich einige zockende Väter in meinem Alter mit denen ich sehr gerne Storys austausche. Und es werden durch den Blog mit jedem Tag mehr. Erst vor kurzem habe ich zum „Xbox Live Daddy-Match“ aufgerufen und der positive Erfolg hat mich dazu motiviert auch weiterhin solche Treffen zu arrangieren. Da wird noch einiges passieren.

Daniel: Was sind deine persönlichen Lieblingsspiele? Versuch's doch mal mit einer Top 5!

Christian: Sowas ist schwierig für mich… viele (alte) Spiele liebe ich so, wie ich sie in Erinnerung habe. Würde ich die ollen Kamellen jetzt erneut anspielen, wäre alles Positive vermutlich verschwunden und eine Auflistung würde bei den Lesern dazu führen mich für verrückt zu erklären… ich versuche es trotzdem.

Einer meiner All-Stars ist „Riddick - Escape from Butcher Bay“. Den Titel könnte ich jedes Jahr einmal durchspielen ohne das mir langweilig wird. Das Original „Flashback“ liebe ich, obwohl ich es noch NIE durchgespielt habe. An „Super Smash Brothers“ für das N64 habe ich wunderschöne Erinnerungen, wie ich mir mit meinem Bruder die Nächte um die Ohren geschlagen habe um geheime Charaktere frei zu schalten die es aber im Spiel überhaupt nicht gibt… es gab halt nur die Gerüchteküche auf dem Schulhof. Außerdem bin ich „Halo“ -Fan der ersten Stunde. Schon bei der Ankündigung 1999, damals für Windows und Mac, ließ mich der Titel nicht mehr los. Bis heute sauge ich alles aus dem Universum auf was mir in die Finger kommt.

Wieviel Spiele habe ich jetzt?

Daniel: Vier, fehlt noch eins.

Christian: Zählt es wenn ich sage „immer das Spiel welches ich gerade zocke“ ?

Daniel: Und was zockst du aktuell?

Christian: Meine legal erworbene aber trotzdem verbotene deutsche USK Version von South Park-Stab der Wahrheit auf Xbox 360. Tatsächlich das erhoffte Meisterwerk. Ich habe selten so viele Tränen bei einem Videospiel gelacht.

Daniel: Ok Christian, lass mal langsam Schluss machen! Eine kleine Frage noch zum Abschluss: Was sollte deiner Meinung nach einen guten Videogamedad auszeichnen?

Christian: Zu wissen wann die Daddelkiste ausbleibt und Family-Time angesagt ist.

Daniel: Dank Dir für das Interview! Ich freu mich auf deine zukünftigen Beiträge bei uns!

 

Zur Info: Ab nächsten Montag (17.03.2014)  werden wir die Blogs vom Videogamedad in regelmäßigen Abständen auch auf spielehelden.net veröffentlichen. Freut Euch drauf!