"Plants vs. Zombies: Garden Warfare" im Test

Pralles Gemüse oder Gurke?

"Plants vs. Zombies: Garden Warfare" im Test: Pralles Gemüse oder Gurke? "Plants vs. Zombies: Garden Warfare" im Test: Pralles Gemüse oder Gurke?
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"Plants vs. Zombies: Garden Warfare" im Test Pralles Gemüse oder Gurke? 10 Fotos

Mit ihrem neuesten Spiel zum Kampf zwischen Pflanzen und Zombies wandern PopCap auf einem schmalen Grat.

Es ist schon ein wenig seltsam: Auf der einen Seite richtet sich Plants vs. Zombies: Garden Warfare mit seinen schrulligen Charakteren, zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten und den extrem bunten Farben ganz klar an alle eher unversierten Fans des Franchise, welches mit seinem ersten Tower Defense 2009 nicht nur ein gesamtes Genre (wieder)belebte, sondern sich aufgrund des fabulösen Charakter-Designs in die Herzen sämtlicher Spieler "fraß". 

2408_0efe3f3fe4a1a4e46c3081ad05748f3a_800x600r (image/jpeg) Auf der anderen Seite richtet sich Garden Warfare ganz klar an eher erfahrene Spieler: Ein Third-Person Shooter will halt gelernt sein, vor allem wenn man aus verschiedenen Klassen wählen kann, Objectives einnehmen oder verteidigen und Schusswechsel überleben muss. Natürlich ist Garden Warfare verglichen mit Battlefield 4 noch immer ein gemütlicher Spaziergang durch den Vorgarten, doch der Übergang vom klassischen Tower Defense auf die dreidimensionalen Schlachtfelder fällt sicher nicht jedem Spieler leicht.

Also nehmen wir die riesige Menge an Plants vs. Zombies Fans auf der einen Seite und die gigantische Menge an Ego / Third-Person Shooter Fans auf der anderen Seite: Wie groß ist die Schnittmenge? Nicht sehr groß. Eher klein. Minimal. 

All diese Überlegungen wären nicht weiter schwerwiegend, wenn Entwickler PopCap nicht explizit mit Sprüchen wie "Gebt unserem Spiel eine Chance, damit die Publisher in Zukunft auf kreativere Spiele setzen können!" um sich werfen würde. Die Intention ist natürlich nicht verkehrt: EA, Activision und Co. sind in ihrer Art und Weise Spiele zur Veröffentlichung herauszupicken ein klassischer Fall von "Ein Stock im Arsch wird nicht zum Rückrat". 

Schlimm wiegt nur die Vorstellung, dass Plants vs. Zombies: Garden Warfare eben aufgrund der geringen Schnittmenge nicht kommerziell erfolgreich werden könnte: Begraben PopCap und EA weitere Kreativität dann stilecht im Hintergarten, oder gibt es doch noch eine Chance für solch schrullige Exponate, wie Garden Warfare eben eines ist?

Doch ich schweife ab, kommen wir zum Spiel selbst! Der Fokus von Garden Warfare liegt ganz klar im Online-Modus, in dem 24 Spieler insgesamt (12 pro Team) in die Rollen von Zombies oder Pflanzen schlüpfen und sich gegenseitig bekämpfen. Dies geschieht entweder ganz klassisch im Team-Deathmatch Modus, oder alternativ in einer am "Rush"-Modus von Battlefield angelehten Spielvariante namens "Gärten und Friedhöfe".

In letzterer versucht Ihr als Zombie diverse Gärten einzunehmen und den Pflanzen am Ende den Garaus zu machen, oder Ihr verteidigt Eure Gärten mithilfe von zahlreichen Fallen, Pflanzentöpfen und Deckungsfeuer. Weitere Spielmodi sind leider kaum der Rede wert: "Türmatte" heißt beispielsweise der Modus für Beginner, die nach jedem Tod mit etwas mehr Lebensenergie zurückkehren - ideal für Anfänger, die öfters mal auf die Mütze kriegen. 

Abseits vom Online-Modus dürft Ihr Euch im klassichen Horde-Modus mit bis zu vier Freunden im Splitscreen, oder alternativ auch Online gegen anrückende Zombie-Horden und besonders fiese Zombie-Bosse versuchen, welche Euch im klassischen Stil des Originals den Garten einrennen. Mit Kollege Dominik habe ich mich ins Gefecht gestürzt und so sieht das Ganze dann in Bewegung aus:

Insgesamt greifen sowohl Zombies, als auch Plfanzen auf vier seperate Charakterklassen zurück, welche jeweils bis zu drei distinktive Fertigkeiten dauerhaft für sich freischalten: Der Kaktus beispielsweise ist ein hervorragender Defensivkämpfer, der sich hinter Wallnuss-Mauern und Kartoffelminen platziert um Gegner aus der Ferne vom Bildschirm zu snipern. Alternativ lässt er eine Knoblauch-Drohne in die Luft steigen und kundschaftet die gegnerischen Bewegungen von oben aus.

Die Sonnenblume hingegen bringt Heilung für die Kollegen mit sich, während der Bohnenschießer zur klassischen Assault-Schiene gehört: Geschwindigkeitsboost sei dank, kommt die kleine Bohnenpflanze schnell in den Kampf und dank hoher Sprünge auch schnell wieder heraus. Der letzte im Pflanzenteam ist die Piranha-Pflanze, welche sich in den Boden eingräbt und Feinde mit einem genüßlichen "Happs!" verspeist. 

Auf Seiten der Zombies geht es nicht minder kreativ zu: Fußsoldaten mit Raketensprüngen, verrückte Wissenschaftler mit Teleport und der schwergewichtige Ingenieur geben sich mit dem dick gepanzerten All-Star Zombie die Klinke in die Hand. 

Live auf dem Schlachtfeld macht das alles nach kurzer Eingewöhnungszeit ordentlich Laune, sieht hervorragend aus und ist von den passenden Soundeffekten untermalt. Kritik innerhalb der Spielmechanik gibt es kaum, wie fair die Fertigkeiten der beiden Fraktionen wirklich sind muss die Zeit zeigen. Einzig die fehlende Möglichkeit zu "rennen" verwirrt zu Beginn ein wenig, besonders da die meisten Charaktere eher gemächlich unterwegs sind. Ein zusätzlicher Nahkampfangriff wäre ebenfalls praktisch gewesen - so arten einige Gefechte in wildes Rumgeballer aus nächster Nähe aus. 

Der größte Kritikpunkt liegt außerhalb der Spielmechanik verborgen: Plants vs. Zombies: Garden Warfare kommt mit gerade mal fünf Karten daher, was definitiv zu wenig ist. Zwar wird das Spiel nicht zum Vollpreis angeboten, kommt mit 39 Euro (Xbox One), bzw. 29 Euro (Xbox 360 und PC) aber auch nicht gerade zum charmanten Download-Preis daher. 

2405_e3ae2df1c6b78ee4c0a810b366f6228f_800x600r (image/jpeg) Zudem schreit das Spiel praktisch nach InGame-Einkäufen, welche sich aktuell (Gott sei Dank!) nur durch die Spiel-interne Silbermünzen-Währung aktivieren lassen. Mit dem eingespielten Geld kauft Ihr Euch sogenannte Kartenbooster, welche Euch diverse Boni für das laufende Spiel, vom Computer gesteuerte Pflanzen und Zombies zur Abwehr und zum Angriff, sowie Anpassungsmöglichkeiten für sämtliche Charaktere und Waffen gewähren. 

Das Kaufen von Booster-Packs ist ein eigenes, spaßiges Meta-Game und die Entscheidung bare Münze aus dem Spiel zu streichen, kann nur begrüßt werden, hinterlässt aber auch etwas Skepsis.

Möglichkeit A: EA plant in Zukunft weitere Gegenstände gegen bare Münze anzubieten und patched den Stoff einfach im Nachhinein in das Spiel. 

Möglichkeit B: EA hat aus dem Desaster rund um Dungeon Keeper Mobile und Plants vs. Zombies 2 gelernt und diese Käufe tatsächlich erst nachträglich aus dem Spiel entfernen lassen. 

Die eigenwillige Preisgestaltung des Spiels deutet jedenfalls auf Möglichkeit B hin und lässt uns optimistisch hoffen, dass einige Jungs und Mädels bei EA dann eben doch nicht so dumm sind, wie alle gerne denken. 

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(Erstes) Fazit:

Bis wir einen finalen Stempel unter Plants vs. Zombies setzen, müssen wir wohl noch etwas mehr Zeit mit dem Spiel verbringen - vor allem muss sich zeigen, wie EA den Titel weiter vermarkten will, ohne auf InGame-Käufe zu setzen. 

2406_ee3af6a759a01b45179eefdb2a46391e_800x600r (image/jpeg) Für eine erste Zusammenfassung reicht es aber allemal: Die Xbox One und PC-Fassung des Spiels sehen prächtig aus, sind mit extrem viel Liebe zum Detail gestaltet (typisch PopCap!) und sollten alle Fans des Originals schnell in Verzückung versetzen. Ihr solltet nur vorher schonmal einen Shooter gespielt haben, um nicht vollkommen gegen die Wand zu laufen. 

Grafisch hinkt die Xbox 360 den "großen" Brüdern deutlich hinterher: Hier wäre mehr drin gewesen, die Grafik erscheint stellenweise unsauber und auf den letzten Drücker angepasst. 

Sehr positiv werten wir die entspannte Atmosphäre im Spiel: Während bei Call of Duty und Co. gerne mal laut geflucht wird, laufen die heißen Duelle in Garden Warfare eine ganze Spur gemütlicher ab. Zum wiederholten Mal gestorben? Egal! Gleich geht's weiter! Oder es kommt sogar soweit, und ein netter Zombie-Kollege belebt Euch wieder!

Die fünf enthaltenen Karten sind alle fantastisch, aber definitiv zu wenig für den Preis. Hier hätten ruhig drei oder vier Umgebungen mehr drin können - vor allem, da der Titel ja schon länger in Entwicklung ist. Auch hier hoffen wir, dass EA nicht in einem Monat mit dem nächsten Kartenpaket für 15 Euro zusätzlich absahnen will. 

Ihr merkt schon: Garden Warfare ist ein äußerst spaßiges Spiel, welches von einigen Kleinigkeiten gestört und vom ewigen Mißtrauen gegenüber EA in den Boden gerammt wird. Definitiv keine gute Kombo für so ein mutiges und tolles Projekt, dem wir eigentlich alles Gute der Welt wünschen würden. 

Plants vs. Zombies: Garden Warfare ist erhältlich für Xbox 360, Xbox One und PC. Hinter diesem Link geht's zum Spiel auf amazon.de.