Sind Videospiele Kunst?

Die Wandlung des Kunst-Begriffs im digitalen Zeitalter

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Sind Videospiele Kunst? Die Wandlung des Kunst-Begriffs im digitalen Zeitalter 5 Fotos

Es gibt sie. Filmkritiker wie Roger Ebert oder Jonathan Jones und andere Feuilletonisten, die sich vehement dagegen wehren, dass Computerspiele als Kunstform angesehen werden. Die Grafik sei schön, der Soundtrack gelungen, aber am Ende sind Games eben das, was der Name schon sagt: eine Spielerei. Nicht mehr als Unterhaltung oder kurzweiliger Spaß ohne Tiefgang. Jede künstlerische Intention werde durch die Interaktivität verwässert und beliebig.

Aha! Gegenfrage: Was genau ist Kunst? Die Impressionisten galten im 19. Jahrhundert bei damaligen Kritikern als pure Farbkleckser, die so unverfroren wären, unfertige Gemälde abzuliefern. Heute werden die Bilder eines Claude Monet oder Edgar Degas als millionenschwere Kunstwerke gehandelt. Vor 30 Jahren lehnten Musik-Kritiker vieles ab, was auch nur in Ansätzen nach Synthesizer klang. Gitarrensounds dagegen waren „noch echte, ehrliche, handgemachte Musik“. Erst vor wenigen Wochen haben die Synthesizer-Künstler Kraftwerk als einer der Vorreiter und Wegbereiter der elektronischen Musik in den USA den Grammy für ihr Lebenswerk erhalten. 

Das Verständnis von Kunst ändert sich mit der Zeit. Das Ziehen absoluter Grenzen ist darum genauso zielführend wie der Versuch, eine Drehtür zuzuschlagen. Doch woher kommt die vehemente Ablehnung der Computerspiele?

Vielleicht ist es Unkenntnis. Einen Film, ein Musikstück, ein Konzert oder eine Oper und ein Buch fordern nur eins: die Zeit zum Zuschauen, zum Zuhören, zum Lesen. Mehr nicht. Und schon kann jeder mitreden und seine mehr oder weniger niveauvollen, bis zur intellektuellen Selbstdarstellung neigenden Gedanken der mehr oder weniger darauf wartenden Welt mitteilen. Bei Computerspielen liegt die Hürde höher: Man muss mit einem Controller oder einer Maus und einer Tastatur umgehen können, um ein Game zu entdecken. Computerspiele sind eine Kunstform, die vom User tatsächlich etwas verlangen – die Fähigkeit, damit umgehen zu können. Zumal ein Film oder ein Konzert in zwei bis drei Stunden zu Ende gehen. Ein Spiel dagegen erfordert oft das Doppelte der Zeit und noch sehr viel mehr.