The Elder Scrolls Online | Preview

"Oh Helden, wo seid ihr?"

The Elder Scrolls Online | Preview: "Oh Helden, wo seid ihr?" The Elder Scrolls Online | Preview: "Oh Helden, wo seid ihr?"
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The Elder Scrolls Online | Preview "Oh Helden, wo seid ihr?" 8 Fotos

Es sind nur noch ein paar Wochen, bis The Elder Scrolls Online (TESO) ab dem 4. April tatsächlich online ist. Zumindest für PC und Mac. Am Wochenende standen die Server aber offen für den nächsten Beta-Test. Nach ein paar Stunden in Tamriel komme ich zum Schluss: Das MMORPG-Rad wird nicht neu erfunden. Und warum benötige ich eigentlich Mitspieler?

Ich gebe es zu: Ich bin kein Elder-Scrolls-Fan. Tamriel und ich sind nie warm miteinander geworden. Dragon Age (ich rede natürlich vom ersten Teil) und The Witcher haben mich in ihre Welt gezogen. Zum Elder-Scrolls-Universum dagegen hat sich nie ein Draht entwickelt. Daggerfall, Morrowind, Oblivion, Skyrim – ich habe sie alle angespielt und nach ein paar Stunden die Lust verloren.

Und nun kommt The Elder Scrolls Online (TESO). Einen Versuch ist es wert. Und gleich zu Beginn habe ich viele Möglichkeiten, meinen Charakter anzupassen. Schmal, kräftig, voluminös, kleinwüchsig, riesig... sogar die Größe der Hände lässt sich einstellen. So etwas mag ich. Allerdings frage ich mich, wozu der Aufwand dient, wenn ich hauptsächlich aus der Ego-Perspektive spiele und meinen Helden fast nie zu Gesicht bekomme.

Der Anfang der Online-Rollenspiels hält sich dafür nicht lange mit Tutorials auf. Ich erwache in einer Zelle, ein geisterhafter Prophet sagt mir, dass ich fliehen muss und dann beginnt auch schon der Gefängnis-Massenausbruch. TESO wirft mich mitten hinein in die Handlung. Und anscheinend wurde ich dem übernatürlichen Daedra Molag Bal geopfert. Und jetzt hängt meine Seele in seinem Reich fest, während er versucht Tamriel, die Welt der Elder Scrolls, in seine Gefilde zu ziehen.

Ich soll fliehen und den ebenfalls gefangenen Propheten mit mir nehmen – zurück nach Tamriel. Ich habe sofort eine Aufgabe, die mich indes vor viele Rätsel stellt: Warum wurde ich geopfert? Was will Molag Bal mit all diesen Seelen? Wer ist der Prophet? Und wie und vor allem wieso will der Daedra eine ganze Welt vereinnahmen? Der Grundstein für ein episches Abenteuer ist gelegt.

So weit hat TESO mich schon gepackt – und das liegt auch an der Grafik. Selbst auf älteren Rechnern sieht TESO immer noch gut aus. Man merkt zwar schon die Unterschiede in der Darstellung, aber sie fallen nicht so drastisch aus, wie ich befürchtet habe. Die Entwickler wollten anscheinend eine breite Basis für das MMO schaffen ohne allzu große technische Hürden. Und das ist ihnen auch gelungen. Wer für Skyrim Mods installiert hat, um das Rollenspiel optisch zu tunen, wird Elder Scrolls Online vermutlich nicht so umwerfend finden. Ansonsten aber hinterlässt die Grafik einen guten Eindruck. Auch bei den Soundeffekten gibt es nichts zu meckern: passend und atmosphärisch dicht. Der Soundtrack ist zwar nicht ganz so pathetisch und episch wie bei Skyrim, aber er stimmt gut auf das zu Erwartende ein. Also alles perfekt? 

Kampfsystem wirkt wenig motivierend

Das Kampfsystem hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen: Mit einem Linksklick schlage ich zu, halte ich die linke Taste gedrückt, steckt mehr Power hinter meinen Angriff. Mit der rechten Maustaste blocke ich – drücke ich beide Tasten, blocke und stoße ich den Gegner von mir, um seine Spezialangriffe zu unterbinden. Das klingt nicht sonderlich kompliziert und ist es auch nicht.

Ich weiß, es ist ein Zugeständnis an den MMO-Charakter des Spiels. Mögen muss ich es trotzdem nicht. Aber zum Glück gibt es die Tasten 1, 2, 3, und 4. Und die werden mit speziellen Fähigkeiten meiner Rasse und Klasse belegt. Im Kampf bedeutet das dann: Linksklick, Rechtsklick, 1 drücken, Linksklick. A drücken um auszuweichen, Rechtsklick, 2 drücken, 3 drücken, Linksklick. Das lässt sich leicht beherrschen. Vielleicht zu leicht. Ich habe die Befürchtung, dass dieses System auf Dauer nicht motiviert und eher von den besonderen Fähigkeiten meines Charakters lebt, die ich auf die Zifferntasten lege.

Nach gut einer Stunde habe ich es geschafft, den Propheten zu befreien, wir kehren zurück nach Tamriel, landen aber an verschiedenen Orten. Und dennoch setzen wir gemeinsam den Kampf gegen Molag Bal fort. Irgendwie. Der Prophet erscheint mir geisterhaft und verspricht mir, mich zu finden, wenn die Zeit gekommen ist. Leichte Gänsehaut stellt sich ein. Ich habe die Vorahnung epischer Schlachten und Quests, die nur mehrere Spieler zusammen bestehen können. Und ich will lospreschen, mich in die Abenteuer stürzen, Gleichgesinnte treffen – und habe das Gefühl plötzlich unter einer kalten Dusche zu stehen. Denn zunächst soll ich meinen eigenen Weg gehen. Was immer ich mir mit einem Anflug der „Herr der Ringe“-Filme vorgestellt habe, es zerplatzt wie ein Luftballon in einem Kaktusfeld.

Viel RPG, zu wenig MMO?

Nun gut, ich bin im riesigen TESO-Universum in Daggerfall gelandet und erkunde die Umgebung. Mit dem Mausrad kann ich von der Ego- in die Third-Person-Perspektive wechseln und zurück, um alles auf mich wirken zu lassen. Daggerfall wirkt lebendig, belebt und so, wie ich es nach Skyrim von den Elder Scrolls erwartet hätte. Atmosphärisch gibt es nicht viel auszusetzen.

Recht schnell stoße ich auf verschiedene Quests, die ich absolvieren kann. Und die Welt ist reich an Aufgaben. Sie machen Spaß, sie sind abwechslungsreich und sie wirken bisweilen etwas unfair. Das mag in der Beta auch noch an der fehlenden Feinabstimmung beim Balancing liegen: Aber den Drahtzieher eines heimtückischen Attentatsversuchs kann ich nicht erledigen – er mich dafür aber mit wenigen Schlägen. Da brauche ich vielleicht Hilfe eines Mitspielers. Oder ich mache etwas falsch. Ich weiß es nicht. Bis dahin hatte ich den Eindruck, recht gut alleine in dieser Welt bestehen zu können.

TESO fühlt sich tatsächlich an wie ein Elder-Scrolls-Rollenspiel, aber nicht ein wie MMORPG. Denn auf meinen Weg bin ich kaum auf andere Mitspieler angewiesen. Schließlich gibt es mehr als genug zu erkunden und zu tun – alleine schon um das umfangreiche Crafting-System zu meistern. Ich bin in der Beta nicht ganz in die Tiefe gegangen. Aber es macht den Eindruck, als ob ich mit den richtigen Rohstoffen und immer besseren Fähigkeiten so gut wie alles bauen oder fertigen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es auf Dauer sehr viel Spaß macht, ein immer besserer Handwerker zu werden.

Vielleicht gibt mir das Spiel ja irgendwann auch die Option, meine handgefertigten Waren mit anderen Spielern zu tauschen? Das wäre ein großer Anreiz, solche Fähigkeiten immer weiterzuentwickeln – im etwas entschlackten Charaktersystem: Bei jedem Aufstieg kann ich Magie, Gesundheit oder Ausdauer verbessern und eine meiner rassen- und klassenabhängigen Fähigkeiten freischalten. Die verbessern sich dann im Laufe des Spiels automatisch – je nachdem wie gut oder schlecht ich sie einsetze.

Die physischen Eigenschaften dagegen lassen sich jetzt durch Übung nicht mehr steigern. Das wirkt nicht ganz so komplex, wie ich es bei Elder Scrolls in Erinnerung habe, bietet aber immer noch genügend Raum für Individualisierung. Und wenigstens haben die Inventar-Gegenstände nun anscheinend kein Gewicht mehr. Dafür gibt es nur 50 Beutestücke, die ich mit mir führen kann.

 Da ist jedes Rollenspiel anders, und man lernt, mit jedem System zu leben. Das stört mich nicht. Es ist eher etwas anders, das mich mit jeder TESO-Stunde zunehmend irritiert: Ich kenne zwar das große Ziel und habe von Molag Bal gehört, aber das alles erlebe ich nach der Einführungsmission nicht mehr. Ich hangle mich stattdessen von Quest zu Quest – aber mir fehlt das große Ziel, das mit jeder Stunde weiter entfernt scheint. Ich renne in dieser Welt herum und kann unbestritten sehr viel Spaß haben. Aber es wirkt angesichts der großen Bedrohung ein wenig bedeutungslos. Vor allem aber: Dafür benötige ich nicht das MMO vor RPG.

Es soll Dungeons geben und Monsterhorden, die nur eine Gruppe meistern oder besiegen kann. Das ist nicht mehr als Online-Standard. Und es gibt noch die PvP-Karte, die man aber erst ab Level 10 erreichen kann. Dort warten epische Schlachten von Spielergruppen gegeneinander. Aber das ist tatsächlich nur ein Nebenschauplatz. Bei vielen anderen Quests dagegen bin kaum zwingend auf andere Mitspieler angewiesen. Vielleicht liegt es daran, dass es noch eine Beta ist und sich noch nicht so viele menschliche Mitspieler in Tamriel aufhalten. Vielleicht ist TESO aber tatsächlich darauf ausgelegt, beides zu bieten: das bekannte Single-Player-RPG und nebenbei auch eine MMO-Erfahrung.

Ob das ein Vollpreis-Spiel plus monatliche Abo-Gebühren von 12,99 Euro nach den ersten 30 Tagen wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer aber auf den MMO-Part weitgehend verzichtet, hat nach 13 Monaten mehr als 200 Euro in die Elder Scrolls investiert. Eine stolze Summe und zumindest mich hat TESO nicht ganz überzeugt, so viel Geld auf den virtuellen Tresen zu legen.

The Elder Scrolls Online erscheint am 4. April für PC und Mac. Im Juni sollen darüberhinaus Umsetzungen für PlayStation 4 und Xbox One folgen. Hinter diesem Link kommt Ihr zur offiziellen Homepage.